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Elektroautos: Kosten der ersten drei Monate entscheiden

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Von: Jasmin Pospiech

Die Elektromobilität wird weltweit vorangetrieben, Stromer gelten als Automobile der Zukunft. Doch einer Studie zufolge scheinen sie vor allem eins zu sein: teuer. Die Kosten der ersten drei Monate entscheiden.

Ann Arbor (Michigan) – Nicht nur VW und Tesla, sondern nahezu alle Autohersteller haben sich eins auf die Fahne geschrieben: die Zukunft der Automobilbranche nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten. Deshalb produzieren viele Autohersteller längst eigene Elektroauto-Modelle, die die ansteigende Nachfrage der Kunden befriedigen sollen. Doch wie jetzt eine US-Studie zeigt, müssen Letztere dafür nicht nur beim Kaufpreis tief in die Taschen greifen.

Elektroautos: Kosten der ersten drei Monate sind entscheidend

Denn oftmals hört es nicht beim Kauf eines Elektroautos auf. Während frühere Argumente gegen die E-Mobile, wie zu kleine Batterien und dadurch zu geringe Reichweiten, bei Kunden eher für Bauchschmerzen gesorgt und viele davon abgehalten haben, sich einen Stromer zuzulegen, scheinen die Hersteller diese Probleme langsam in den Griff zu kriegen.

Fahraufnahme eines blauen VW ID.3. (Symbolbild)
Elektroautos zeigen meist schon in den ersten drei Monaten, welche Folgekosten sie erzeugen. Hier: ein ID.3 von VW (Symbolbild) © Volkswagen

Dazu kommt die nach wie vor ausbaufähige Ladeinfrastruktur. Auch Audi versucht mit einem innovativen Pilotprojekt, das noch dieses Jahr starten soll, das leidige Thema mit eigenen Schnelllade-Lounges, den sogenannten „Audi charging hubs“, angehen zu wollen. Dabei handelt es sich um riesige Lade-Boxen in Würfelform. Doch trotz der zweifelsohne attraktiven Lockversuche der Automobilbranche kommt jetzt eine US-Studie zu einem ernüchternden Ergebnis. Diese wurde durchgeführt von „We Predict“, einer Firma aus Michigan, die mittels Software riesige Mengen an Daten aus verschiedenen Branchen analysiert.

Elektroautos: 801.000 Autos miteinander verglichen

Diese hat jetzt ihre erste Analyse namens „Deepview True Cost Report“ (dt.: „Bericht zur Tiefenbetrachtung der tatsächlichen Kosten“) vorgestellt, in der sich die Experten die Kosten für ein Elektroauto für 90 Tage ab dem Kaufzeitpunkt genauer angeschaut haben. Dazu haben sie Stromer aus 21 Fahrzeugklassen, darunter 801.000 Autos von rund 306 Modellen, die 2021 produziert wurden, miteinander verglichen. Darüber hinaus wurden für die Studie auch zusätzliche Reparaturen und deren Ausgaben bei Herstellern wie auch bei unabhängigen Werkstätten herangezogen. (Trotz Corona-Pandemie: Deutsche verzichten nicht auf ihre Autos – wollen sogar mehr)

Das verblüffende Ergebnis: Besitzer von Elektroautos zahlen in den ersten drei Monaten nach Kaufzeitpunkt ungefähr 100 Euro drauf! Das ist doppelt so viel wie für einen durchschnittlichen Verbrenner (ca. 45 Euro) und fast dreimal so viel wie für einen Hybrid-Wagen (ca. 37 Euro). Doch „We Predict“ erklärt in ihrem Bericht auch, dass Elektroautos diverser Luxus-Hersteller meist auch teurere Teile verbauen.

„Wie erwartet sind Bauteile einiger importierten Luxus-Autos teurer als die von Nicht-Premium-Fahrzeugen“, meint Renee Stephens, Vize-Präsidentin von „We Predict“. „Aber es sind nicht nur Teile, die die Kosten in die Höhe treiben können. Manche Fahrzeuge sind einfach schwieriger zu reparieren. Ein 50-Dollar-Teil, dessen Austausch mehrere Stunden in Anspruch nimmt, kann zu einer Reparaturrechnung von mehreren hundert Dollar führen“, erklärt er. (Autohersteller beklagen Chipmangel: „Vielleicht größter Versorgungsnotstand“ – einige rüsten schon um)

Elektroautos: Frühe Mängel lassen auf Zukunft schließen

Doch das ist nicht alles: Zudem sollte man als Besitzer eines Stromers in den ersten drei Monaten nach dem Kauf besonders aufmerksam sein. Denn „Fahrzeuge, die nach drei Monaten niedrige Service- und Garantiekosten aufweisen, haben in der Regel auch nach drei Jahren niedrige Kosten“, sagt James Davies, Gründer und CEO von „We Predict“. „Unsere vorausschauenden Analysen zeigen, dass Probleme, die in den ersten drei Monaten auftreten, oft darauf hindeuten, wie sich das Fahrzeug im Laufe seines Lebenszyklus verhalten wird. Die Fahrzeugqualität wird mit dem Alter nicht besser.“ (Auto von Frau steht vier Jahre in Werkstatt – doch dann fehlt auch noch der Motor)

Durchschnittlich gerechnet kann man die Kosten, die innerhalb des ersten Vierteljahres auflaufen, nach 36 Monaten mit dem Faktor 15 multiplizieren und nach fünf Jahren mit dem Faktor 20. Das bedeutet der Studie zufolge konkret, dass auf einen E-Auto-Besitzer bis zum fünften Jahr über 2.000 Euro an Reparaturkosten zukommen können. Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

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