Mit schlechtem Beispiel voran

Bund fährt viel zu wenige E-Autos: Andreas Scheuers Verkehrsministerium liegt weit hinten

  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
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Weniger als jedes 40. Dienstfahrzeug der Bundesbehörden fährt rein elektrisch. Besonders gering ist der Anteil an E-Autos ausgerechnet im Verkehrsministerium von Andreas Scheuer.

Berlin – Der durch das Mautdebakel und weitere Pannen heftig unter Beschuss geratene Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) schafft es nicht, aus dem Fokus der Kritik zu gelangen. Der Druck auf den 46-Jährigen aus dem niederbayerischen Passau ist nach wie vor groß – und sein Image ziemlich angekratzt. Das liegt größtenteils daran, dass der Bundesminister für Verkehr und Infrastruktur sich im Untersuchungsausschuss des Bundestages zur sündhaft teuren Maut-Affäre auf „Gedächtnislücken“ beruft. In diesem Fall entzündet sich die Kritik jedoch daran, dass sein Verkehrsministerium in Sachen E-Mobilität mit denkbar schlechtem Beispiel vorangeht.

Bund fährt viel zu wenig E-Autos: Andreas Scheuers Verkehrsministerium liegt weit hinten

Elektromobilität ist als eines der ganz großen Zukunftsthemen natürlich Chefsache. Und wenn Verkehrsminister Andreas Scheuer sich zur ökologischen Verkehrswende und der Transformation der deutschen Automobilindustrie äußert, dann inszeniert er sich – wie viele andere Minister und Staatssekretäre – liebend gerne mit einem umweltfreundlichen E-Auto. Das gibt ein imageförderndes Bild ab, entspricht aber nicht gerade der Realität innerhalb der Bundebehörden. Meistens werden ganz andere Dienstwagen gefahren. Nicht nur in Andreas Scheuers Ressort, aber vor allem auch dort. (Klimakiller Dienstwagen? Umwelthilfe: Diese Politiker sind die größten Klimasünder)

Beinahe Schlusslicht: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) steigt aus einem Audi e-tron 55 quattro Elektro-SUV.

Diese brisante Information geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. In der Erwiderung des Bundesinnenministeriums auf die Frage der Oppositionspartei, aus der die Süddeutsche Zeitung zitiert, heißt es, dass von insgesamt 24.716 Fahrzeugen von Ministerien und angeschlossenen Behörden lediglich 582 vollelektrisch unterwegs sind. Alle restlichen 24.134 Autos der Flotte des Bundes haben nach wie vor einen Verbrennungsmotor. Das entspricht nur einem verschwindend geringen Stromer-Anteil von 2,35 Prozent. (Scheinheilig? Rasender grüner Umweltminister brettert mit 180 km/h durch Tempolimit: „Hatte es eilig“)

Rechnet man auch Plug-in-Hybride sowie Pkw hinzu, die mit Wasserstoff oder Biogas angetrieben werden, ändert sich der Anteil umweltsensibler Antriebe nur marginal auf rund 5,6 Prozent. Zwischen dem selbst gesteckten Ziel des Bundes die eigene Autoflotte schleunigst umzurüsten, und dem derzeitigen Ist-Zustand liegen damit Welten. In ihrem offensiv kommunizierten Klimaschutzprogramm hatte die Bundesregierung eigentlich angekündigt, den Anteil umweltfreundlicher Autos in den ihr unterstellten Behörden bis 2025 auf 40 Prozent anzuheben – schon im Jahr 2030 sollen es dann 100 Prozent sein. Ein Versprechen, das absehbar nicht gehalten werden kann. (Deutsche Autoindustrie befürchtet Verbrenner-Aus 2025: „Arbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gehabt haben“)

Wer liegt wo im Umwelt-Ranking? Entwicklungsminister Müller begrüßt Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer.

Bund fährt viel zu wenig E-Autos: Verkehrsministerium abgeschlagen – wer liegt vorne?

Zwischen den verschiedenen Ministerien des Bundes gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. So erfüllt ein Ministerium die für 2030 angepeilte Hundertprozent-Quote schon heute. Es ist das von Gerd Müller (CSU) geleitete Entwicklungsministerium. Auch das Auswärtige Amt von Außenminister Heiko Maas (SPD) schneidet mit 82,4 Prozent gut ab. Deutlich über dem Schnitt – und auch vor dem für das Jahr 2025 vorgesehenen Zwischenziel – liegen auch die 57,9 Prozent des Bundesministeriums für Umwelt von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). (Urteil zum Diesel-Skandal: Umwelthilfe unterstellt Autobossen „Körperverletzung mit Todesfolge“)

Doch ausgerechnet im für Elektromobilität zuständigen Ressort von Andreas Scheuer beträgt der Anteil echter E-Autos an den Dienstfahrzeugen gerade einmal 6,3 Prozent. Das ist so verblüffend wie ernüchternd – kann aber noch unterboten werden: Nur aufgrund des Mini-Wertes von 1,6 Prozent des Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unterstellten Verteidigungsministeriums reicht es für das Verkehrsministerium zum vorletzten Platz der Umwelt-Rangliste. Darauf angesprochen, gelobt das Ministerium des CSU-Mannes Besserung. Wie ein Ministeriumssprecher gegenüber der SZ erklärt, seien alle untergeordneten Behörden aufgefordert, eine baldige Umstellung ihrer Fahrzeugflotte auf Elektroautos zu prüfen. Zumindest falls dies „wirtschaftlich vertretbar“ sei.

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa

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