Trotz Kaufprämie

E-Autos: Den meisten Kunden sind die Stromer immer noch zu teuer

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Trotz E-Auto-Prämie und Reichweitenzuwachs: Viele Autofahrer sehen Preis und Langstreckentauglichkeit weiterhin als die Hauptprobleme für das E-Auto. Mit der Realität hat diese Einschätzung nicht unbedingt was zu tun.

  • Prüforganisation KÜS hat Umfrage zum Thema in Auftrag gegeben
  • Die Antworten der Befragten fielen nicht positiv für E-Autos aus
  • Erdgas und Biogas könnten für viele Kunden interessante Alternativen sein

München – Das Elektroauto wird von vielen Deutschen immer noch als zu teuer und zu wenig alltagstauglich wahrgenommen. Das zumindest legt die „Trend-Tacho“-Umfrage der Prüforganisation KÜS und des Fachmagazins kfz-betrieb nahe, bei den 71 Prozent der Befragten den hohen Preis als Argument gegen den Kauf eines E-Mobils nannten. Der gleiche Anteil führte eine zu geringe Reichweite als Problem an.

Mit der Realität deckt sich die Einschätzung nur bedingt: Die Batteriekapazitäten und möglichen Fahrdistanzen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Lag sie für die E-Auto-Neuzulassungen 2015 im Schnitt bei knapp 200 Kilometern, erreichte sie 2019 laut der Beratungsagentur Jato einen Mittelwert von gut 500 Kilometern. Parallel sank der Anschaffungspreis, unterstützt durch den Umweltbonus liegen die Preise von E-Autos aktuell in etwa auf dem Niveau von Modellen mit Verbrennungsmotor.

E-Autos: Die Nachfrage steigt dennoch

Die Nachfrage nach E-Autos ist unlängst dennoch – auch wegen der Kaufprämie – sprunghaft angestiegen. Das bekam auch die Daimler AG zu spüren. Die Stuttgarter sahen sich gezwungen, vorerst einen Verkaufsstopp für den Mercedes-Benz A 250e und alle Smart-EQ-Modelle einzuleiten. Auf Twitter wird die neue Kaufprämie derweil kritisch diskutiert. So fragt ein Nutzer: „Warum müssen viele gute E-Autos über 200 PS haben und fast 3 Tonnen wiegen?“ Und er fügt hinzu: „Wenn obendrein der ‚getankte Strom‘ aus Kohle und AKW stammt, ist nix gewonnen.“

E-Autos: Wie steht es um die Umweltbilanz?

Die Umwelteffekte der E-Autos werden aufgrund des Strommixes in Deutschland und der Art und Weise der Gewinnung der Materialien für die Akkus schon länger kritisch beäugt. Dabei geht es vor allem um die Rohstoffe Lithium und Kobalt. Materialgewinnung und Batterieherstellung sind alles andere als unproblematisch. Aber auch hier tut sich viel. Die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien ist in den letzten Jahren umweltfreundlicher geworden. Außerdem gibt es auch erste Batterien, die ohne Kobalt auskommen. Aktuell sehen die Zahlen im Vergleich mit Verbrennern aber noch nicht rosig aus: Wie der ADAC errechnet hat, kann ein Elektroauto einen Diesel bei der Treibhausgasbilanz wegen der CO2-Emissionen bei der Herstellung und unter Berücksichtigung eines 40-prozentigen Anteils schmutzigen Kohlestroms im deutschen Strommix erst nach 219.000 gefahrenen Kilometern einholen.

Erdgasautos: Interessante Alternative

Eine umweltfreundliche, aber im öffentliche Diskurs kaum wahrgenommen Alternative sind Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, die mit Erdgas beziehungsweise Biogas betrieben werden. Bei der Umweltbilanz liegen sie unerreichbar vorn. 850 Erdgas-Tankstellen gibt es in Deutschland. Mit ein bisschen Planung und einer Tank-App ist es so sogar möglich, fast ausschließlich Biogas zu tanken, um die Umwelt zusätzlich zu schonen. Biogas stammt nicht aus Mais oder Raps, wie oft angenommen wird, sondern aus organischen Abfällen. Die Stadtwerke München zum Beispiel produzieren Biomethan aus Küchen- und Gartenabfällen. Auch eine Produktion aus Stroh ist an vielen Orten gängig. Anders als Erdgas muss das Biogas nicht über weite Strecken angeliefert werden, sondern kann in der Nähe der Endverbraucher erzeugt werden. Schließlich fallen überall Exkremente oder Erntereste an. Hier kann im wahrsten Sinne des Wortes Müll zu Kraftstoff und zu Geld gemacht werden. Biogas bietet auch eine zusätzliche Einnahmequelle für die Landwirte unter Verwendung von Produkten, die sie sonst nicht hätten weiterverwerten können.

Trotzdem fahren in Deutschland nur rund 100.000 Autos mit diesem alternativen Antrieb. Das hat auch mit der Förderpolitik der Bundesregierung zu tun. Anders als bei Elektroautos gibt es für Erdgasfahrzeuge keine Kaufprämie. Lediglich an der Zapfsäule genießen Erdgas-Fahrer noch bis Dezember 2025 eine Steuervergünstigung, die ab 2024 schrittweise zurückgefahren werden soll. (Skoda Octavia: Ab Herbst auch mit Erdgasantrieb)

Bayern Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger setzt sich mit Blick auf den Erdgasantrieb für eine Kaufprämie auch für Verbrenner ein. „Also, in meinen Augen ist die Batterie-Euphorie etwas zu groß. Wir müssen alles tun, um Biomethan-Antriebe oder dergleichen mehr ins Spiel zu bringen, und nicht so tun, als wären die Gasautos die großen Dreckschleudern und die Batterie ist der Weltenretter.“ Im bayerischen Augsburg zum Beispiel, wo die Stadtbussflotte erst 2011 auf den umweltfreundlichen Biomethan-Antrieb umgestellt wurde, bangt man, die modernen Busse jetzt wegen neuer EU-Gesetze mit teuren E-Bussen ersetzen zu müssen. Die Clean-Vehicles-Richtlinie der EU sieht vor, dass Verkehrsbetriebe ab dem Jahr 2021 ihre Flotten auf Elektrobusse umstellen müssen. In Augsburg setzt man jetzt darauf, dass die Bundesregierung die EU-Richtlinie so umsetzt, dass man keine neuen Busse anschaffen muss. 

Die Luft in den Städten können E-Autos schon jetzt verbessern. Und mit der Zeit werden die Fortschritte bei der Herstellung und ein umweltfreundlicherer Strommix ihre Umweltbilanz weiter verbessern. Aber noch ist nicht alles Gold, was glänzt. (Mit Material von Holger Holzer/SP-X)

Rubriklistenbild: © SP-X / Michael Gebhardt

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