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Dieselprozess: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler belastet eigene Motorenentwickler schwer

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Von: Sebastian Oppenheimer

Der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler sieht sich im Dieselprozess zu unrecht vorgeführt. Und er behauptet: Seine eigenen Motorenentwickler hätten ihn hinters Licht geführt.

München – Mehr als elf Jahre war er der „Herr der Ringe“, führte den Ingolstädter Autobauer Audi zu Rekordzahlen – und lange galt er sogar als der sichere Nachfolger von Martin Winterkorn (73) auf dem Chefsessel des riesigen VW-Konzerns. Doch der Dieselskandal ließ die Karriere von Rupert Stadler (57) als Chef der Ingolstädter VW-Tochter abrupt enden. Vier Monate verbrachte der Top-Manager wegen des Vorwurfs der Verdunkelungsgefahr sogar in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen. Im Prozess um manipulierte Dieselabgaswerte vor dem Landgericht München hat der Ex-Audi-Chef nun zum ersten Mal persönlich ausgesagt. (Audi-Prozess: Angeklagter Motorenentwickler – „Wir waren die Schmutzigen“)

Dieselprozess: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler belastet Motorenentwickler schwer

Dabei erhob Rupert Stadler schwere Vorwürfe gegen die Münchner Staatsanwaltschaft und gegen ehemalige Audi-Motorenentwickler. Zugleich räumte er seine „firmenpolitische Verantwortung“ für die Schäden durch den Dieselskandal ein: „Dass es mir nicht gelungen ist, diesen Schaden zu verhindern, das mache ich mir persönlich zum Vorwurf“, sagte der 57-Jährige. (Dieselskandal: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler kommt demonstrativ in Mercedes S-Klasse zum Gericht)

Rupert Stadler vor Gericht
Der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler hat nun im Dieselprozess erstmals persönlich ausgesagt. © Christof Stache / dpa

Dieselprozess: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler schießt gegen Staatsanwaltschaft

Im Kreise der Motorenentwickler habe es an Unrechtsbewusstsein gefehlt. „Tarnen und Täuschen war lange Teil einer Arbeits-, vielleicht auch einer Angstkultur“, kritisierte Rupert Stadler. Wenn sie schon im Herbst 2015 „die Hosen runtergelassen“ und ihr Wissen offenbart hätten, wäre Audi vieles erspart geblieben. Doch trotz Absetzung ihrer Chefs, eines Amnestie-Programms und Aufrufen zur Aufklärung hätten die Techniker leider weiter geschwiegen.

Verärgert zeigte sich Rupert Stadler über den Umgang der Münchner Staatsanwaltschaft mit seiner Person. „Die Staatsanwaltschaft hat nicht das Recht, mich bewusst schlechter als andere Verfahrensteilnehmer zu behandeln.“ Er erwarte eine „faire und absolut neutrale Behandlung“, forderte der Ex-Audi-Chef. Er wolle nicht politisch instrumentalisiert und im Prozess „als Galionsfigur“ missbraucht werden. (Ex-VW-Chef Winterkorn: „Da scheppert nix“ – das legendäre Video vom Messerundgang)

Rupert Stadler auf dem Pariser Autosalon 2016 mit dem Audi Q5
Mehr als elf Jahre lenkte Rupert Stadler den Autobauer Audi – das Bild zeigt ihn auf dem Pariser Autosalon im Jahr 2016. © Uli Deck / dpa

Dieselprozess: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler will viele E-Mails nie gesehen haben

Rupert Stadler trug der Kammer eine Stunde lang vor, was er als Audi-Vorstandschef und VW-Vorstandsmitglied alles um die Ohren gehabt habe. Bis zu 200 E-Mails täglich an rupert.stadler@audi.de seien bei seinem Sekretariat eingegangen, einen großen Teil davon habe er nie gesehen. Termine seien ständig verschoben, gekürzt oder abgesagt worden, in seinem Büro in Ingolstadt sei er bestenfalls ein paar Stunden pro Woche gewesen. Im Jahr hätten ihn höchstens zehn „blaue Meldungen“ über Probleme persönlich erreicht. Er habe keine Erinnerung, dass an dem „Schadentisch“, wo Probleme besprochen wurden, auch er selbst mit dem Problem der Abgasreinigung befasst gewesen sei. Das Landgericht geht nach Aktenlage bisher davon aus, dass dem 57-Jährigen Betrug an den Autokäufern nicht durch aktives Tun, sondern durch Unterlassen anzulasten sei.

Die Anklage wirft Rupert Stadler vor, er habe es ab September 2015 zumindest für möglich gehalten, dass auch in Europa Dieselautos mit geschönten Abgaswerten verkauft wurden. Trotzdem habe der Top-Manager Produktion und Verkauf gut ein Jahr lang weiterlaufen lassen, um den Umsatz der VW-Tochter Audi nicht zu gefährden. Der 57-Jährige wies das entschieden zurück. Nach der Aufdeckung des Dieselskandals bei VW-Vierzylinder-Motoren durch die US-Umweltbehörde im September 2015 habe der Entwicklungschef der Audi-Sechszylinder-Diesel dem Audi-Vorstand versichert, „dass der V6 TDI keine Prüfstandserkennung“ habe. Er habe betont, dass „der Grundsatz Rolle gleich Straße gelte“. Umso größer sei der Schock gewesen, als die US-Behörden im November 2015 auch dem V6-Motor eine illegale Software vorwarfen. Darauf seien der Verkauf eingestellt und leitende Motorenentwickler beurlaubt worden.

Rupert Stadler und Martin Winterkorn auf der VW-Hauptversammlung 2014
Lange galt Rupert Stadler als sicherer Nachfolger des damaligen VW-Chefs Martin Winterkorn (rechts). © Julian Stratenschulte / dpa

Dieselprozess: Anklage wirft Rupert Stadler unter anderem Betrug und strafbare Werbung vor

Techniker hätten dem Vorstand weiterhin versichert, „dass der Sechszylinder-Diesel den europäischen Zulassungsbedingungen entspricht“. Denn dieser habe eine ganz andere Warmlauffunktion als der in den USA. So vereinbarte Audi mit dem Kraftfahrt-Bundesamt zwar freiwillige Serviceaktionen zum Austausch von Software. Aber bis Januar 2018 wurden in Europa noch 120.000 Autos mit überhöhtem Stickoxid-Ausstoß verkauft. Die Anklage wirft Rupert Stadler wegen dieser Fahrzeuge Betrug an Autokäufern, strafbare Werbung und mittelbare Falschbeurkundung bei Zulassungsbehörden vor. (EuGH-Urteil im Diesel-Skandal: Abgas-Software ist illegal – droht jetzt riesige Rückrufwelle?)

Mit Rupert Stadler zusammen stehen der ehemalige Audi-Motorenchef und Porsche-Technikvorstand Wolfgang Hatz (61) sowie zwei leitende Ingenieure vor Gericht. Ihre Anklage wiegt schwerer: Sie sollen ab 2008 mehr als 400.000 Dieselmotoren so manipuliert haben, dass sie zwar Abgastests bestehen, auf der Straße aber mehr Stickoxide ausstoßen.

Der Anwalt des angeklagten Ingenieurs Giovanni P. warf dem Gericht vor, trotz Corona-Pandemie den Prozess weiterzuführen, sei unverantwortlich und gefährlich. Er dürfe so nicht länger stattfinden. Der Vorsitzende Richter sagte, der Saal in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim entspreche allen Anforderungen. (Mit Material der dpa)

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