Den Tätern auf der Spur

Diebstahl im Grünen Gewölbe: Wurde der Flucht-Audi S6 in Berlin foliert?

Aufnahme einer Überwachungskamera vom Fluchtfahrzeug der Diebe des Grünen Gewölbes
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Das Fluchtfahrzeug, ein Audi S6 Avant, wurde wahrscheinlich in Berlin foliert.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Gut neun Monate nach dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe Dresden wächst bei den Ermittlern die Zuversicht, die Täter identifizieren zu können. Im Fokus stehen Kfz-Werkstätten in Berlin.

Dresden/Berlin – Bei den Ermittlungen zum spektakulären Juwelendiebstahl im Dresdner Schatzkammermuseum Grünes Gewölbe im November 2019 führt eine weitere Spur nach Berlin. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden wurden Gewerberäume in der Hauptstadt durchsucht. „Wir sind zuversichtlich, die Täter identifizieren zu können, und das ist ein weiterer Schritt dazu“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Dresden. (Polizei legt Nissan von Tuner (25) still – Folierer hilft mit Spendenaktion)

Diebstahl im Grünen Gewölbe: Wurde der Flucht-Audi S6 in Berlin foliert?

In mehreren Betrieben, in denen Fahrzeuge mit Folien beklebt werden, wurden Geschäftsunterlagen und Daten sichergestellt. Es bestehe der Verdacht, dass dort das für den Coup genutzte und später in Brand gesetzte Fluchtauto optisch verändert wurde. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Auftragnehmer den Zweck nicht kannten. Die Firmeninhaber sind laut Staatsanwaltschaft nicht tatverdächtig und lediglich als Zeugen befragt worden. Sie hoffen auf Hinweise auf mögliche Auftraggeber der Folierung im Beweismaterial – und natürlich eine Spur zu den Juwelendieben. Das Fluchtfahrzeug war ein Audi S6 Avant, der ursprünglich in Stratosblau (Perleffekt) lackiert war. Für den Coup wurde der Wagen allerdings in einem helleren Ton foliert und das Dach kontrastreich verdunkelt. Durch die Auswertung der Daten, die zur Fahrgestellnummer vorliegen, konnte die Soko „Epaulette“ feststellen: Der Audi S6 Avant wurde im Jahr 2006 gebaut, 2017 abgemeldet und im August 2019 an einen Unbekannten in Magdeburg verkauft. (Bußgeldkatalog: Die schlimmsten Verkehrsrowdys fahren diese Autos – eine Marke ist heftig)

In dieser Farbe war der Audi S6 Avant ursprünglich lackiert.

Diebstahl im Grünen Gewölbe: SIM-Karten mit fiktiven Personalien gekauft

Zuvor waren bereits ein Internet-Café in Berlin-Neukölln und die Wohnung eines dort Beschäftigten durchsucht worden. Das dort sichergestellte Material wird noch ausgewertet. Die Soko „Epaulette“ geht davon aus, dass der Mann den Tätern auf fiktive Personalien registrierte SIM-Karten verkaufte oder sie zum Vertrieb an das Café gab. Die fraglichen SIM-Karten wurden bei der Vorbereitung und Ausführung des Coups zur Kommunikation genutzt. (ADAC-Test: Mercedes, Audi, BMW – dieses Auto bietet die beste Konnektivität in der Kompaktklasse)

Diebstahl im Grünen Gewölbe: Halbe Million Euro Belohnung ausgesetzt

Zwei Unbekannte waren am Morgen des 25. November 2019 über eines der vergitterten Fenster in das berühmte Museum im Dresdner Residenzschloss eingedrungen. Im Juwelenzimmer schlugen sie mit einer Axt die Vitrine mit den kostbarsten Schmuckstücken ein und raubten historische Diamanten und Brillanten von unschätzbarem Wert (im Konvolut ca. eine Milliarde Euro) – darunter der „Sächsische Weiße“ mit 50 Karat als Bestandteil der Brillantgarnitur. Der Einbruch dauerte nur wenige Minuten und machte international Schlagzeilen. Von den Dieben und der Beute fehlt bisher jede Spur. (Audi A8 L Security: So wird die Bundeskanzlerin in ihrem kugelsicheren Auto geschützt)

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von mindestens sieben Tätern aus – und davon, dass der Einbruch lange vorbereitet wurde. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, ist eine halbe Million (!) Euro Belohnung ausgesetzt. Bisher gingen fast 1.300 Hinweise ein, gegen vier Wachmänner des Museums wird ermittelt. Auch mögliche Parallelen zum Goldmünzen-Diebstahl im Berliner Bode-Museum 2017 wurden geprüft. Daraus ergaben sich allerdings keine Ansätze, die zur Identifizierung der Dresdner Täter führen. In dem Berliner Prozess wurden Anfang 2020 zwei Mitglieder eines arabischstämmigen Clans und ein Wachmann aus dem Museum verurteilt. (Mit Material der dpa)

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