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Robotaxi: Daimler und Bosch beerdigen ihr Projekt – wegen Autopilot?

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Von: Marcus Efler

Das Projekt von Daimler und Bosch gemeinsam ein autonomes Robotaxi zu bauen, ist gescheitert. Ein anderer deutscher Autohersteller ist jedoch optimistisch.

Stuttgart – Das autonome Fahren gehört zu den ganz großen technologischen Zukunftsprojekten der Autobranche. Die traditionellen Hersteller stehen hier im direkten Wettbewerb mit innovativen Start-ups, aber auch mit jungen Autoherstellern wie etwa Tesla. Doch selbst dessen Chef Elon Musk musste bereits einräumen, dass es mit dem Autopilot doch nicht so einfach läuft, wie er sich das anfangs vorgestellt hatte. Vor dem bedenkenlosen Einsatz dessen neuester Generation warnt der Tesla-CEO sogar selbst. (Tesla-Autopilot: Fahrer bewusstlos – Software muss Situation retten)

Robotaxi: Daimler und Bosch beerdigen ihr Projekt – wegen Autopilot?

Vor allem die autonome Fahrt in der Stadt erweist sich als überaus komplex. Aber genau dieses Thema ist es, bei dem junge US-Firmen wie Waymo die etablierten Hersteller vor sich hertreiben. Um sich beim Thema Robotaxi, das ohne Fahrer und somit besonders preisgünstig unterwegs ist, nicht abhängen zu lassen, hatten zwei Stuttgarter Schwergewichte eine vielversprechende Allianz geschmiedet: Daimler, immerhin Erfinder des Automobils, und Bosch, seines Zeichens weltgrößter Automobil-Zulieferer.

Seit 2018 forschten die Schwaben in Stuttgart-Vaihingen gemeinsam an einer integrierten Lösung für die Hard- und Software selbstfahrender Robotaxis. Doch diese Partnerschaft mit dem Namen „Athena“ ist bald Geschichte: Beide Unternehmen bestätigten nun Medienberichte, nach denen es zur Scheidung kommt. „Nach intensiver Prüfung und im besten partnerschaftlichen Einvernehmen“, lässt Daimler verlauten, hätten die Firmen beschlossen, sich „in Zukunft in dem hochkomplexen Entwicklungsumfeld des vollautomatisierten und fahrerlosen Fahrens im urbanen Umfeld auf ihre individuellen Entwicklungspfade zu fokussieren“. Kurz gesagt: Künftig macht jeder seins.

Robotaxi: Daimler und Bosch beerdigen ihr Projekt – Technik ist wohl zu komplex

„Für uns ist das nur ein Übergang in die nächste Phase. Wir werden weiter unvermindert Gas beim hochautomatisierten Fahren geben“, erklärt Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger. Die Herausforderung, selbstfahrende Mobile für den Stadtverkehr zu entwickeln, sei „größer, als es viele gedacht hätten“. Das dürfte einer der Gründe für das Scheitern des Gemeinschaftsprojekts sein. Denn solche Partnerschaften mit all ihren Kompromissen für beide Seiten funktionieren nur, wenn in absehbarer Zeit auch fruchtbare Ergebnisse locken. Doch die rücken beim vollautonomen City-Mobil eher in immer weitere Ferne als näher. So ist mittlerweile klar, dass eine lückenlose Abdeckung mit dem schnellen Mobilfunkstandard 5G eine Grundvoraussetzung für sicheren, autonomen Stadtverkehr ist. (Fünf Tesla-Unfälle auf derselben Straße – ist ein fehlerhafter Autopilot schuld?)

Prototyp Daimler Urbanetic (Symbolbild)
Bleibt eine Vision: Robotaxi von Daimler und Bosch (Symbolbild) © Daimler AG

Robotaxi: Daimler und Bosch beerdigen ihr Projekt – unterschiedliche Ziele

Auch haben Autohersteller und Zulieferer durchaus unterschiedliche Motivationen für die Entwicklung komplett selbstständiger Autopiloten des Automatisierungsgrades „Level 5“. Daimler und Co. möchten damit natürlich ihre eigenen Fahrzeuge, private Pkw ebenso wie Robotaxis, verkaufen. Firmen wie Bosch begreifen dagegen Zukunftssysteme wie Elektroantrieb und eben auch Autopiloten vor allem als Chance, zum unverzichtbaren System-Lieferanten aufzusteigen, der möglichst viele Autokonzerne mit Komplettlösungen versorgt – und sich so einen deutlich größeren Anteil an der Wertschöpfungs-Kette zu sichern. (Apple iCar soll 120.000 Euro kosten – sieht so das Ende der deutschen Autoindustrie aus?)

Robotaxi: Daimler und Bosch beerdigen ihr Projekt – macht es Volkswagen besser?

Vielleicht sind deshalb jene Autohersteller besser aufgestellt, die mit einem reinen Software-Unternehmen zusammenarbeiten. Das kümmert sich ausschließlich um die notwendige künstliche Intelligenz und der Blech-Konzern der Old Economy um alles andere. Volkswagen fährt genau diese Strategie mit dem US-amerikanischen Software-Unternehmen Argo. Schon 2025 sollen die ersten Robotaxis aus dieser Partnerschaft durch deutsche Innenstädte fahren.

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