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Daimler-Fiasko: China-SUV wird zum bitteren Mega-Flop – Insider sprechen von „Desaster“

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Von: Christian Schulz

Die Daimler AG hat ein Problem auf ihrem wichtigsten Absatzmarkt China. Das in Kooperation mit BYD entwickelte E-SUV Denza X wird intern längst als „Desaster“ bezeichnet.

Stuttgart/Shenzhen – Quo vadis, Denza? Die Kooperation der Daimler AG mit dem chinesischen E-Auto-Hersteller BYD ist offenbar alles andere als erfolgreich und wird in Konzernkreisen dementsprechend heftig kritisiert. Die Verkaufszahlen des elektrischen SUV Denza X blieben im Jahr 2020 weit hinter den Erwartungen zurück. Beide Konzerne hatten mindestens mit der zehnfachen Menge gerechnet.

Als Hoffnungsträger in die automobile Welt gestartet, mutierte die Marke Denza für das Joint Venture des chinesischen Autoherstellers BYD und Daimler mehr und mehr zum Sorgenkind. Die Verkaufszahlen verharrten im Keller und das Elektro-SUV Denza X ist bereits die letzte Chance für die Kooperation. Eine relativ einfache Maßnahme könnte vielleicht noch helfen. (Freche Kopie des VW ID.3 aus China: Der Didi D1 sieht aus wie das Original)

Der Denza X von vorne und mit „Styled by Mercedes-Benz“-Logo

Der Denza X sollte der Daimler AG eigentlich Erfolg auf dem begehrten Markt China bringen – die Kooperation wird inzwischen angeblich als „Desaster“ bezeichnet. © Daimler Global Communications

Daimler-Fiasko: China-SUV wird zum bitteren Mega-Flop – Insider sprechen von „Desaster“

Vor acht Jahren verkündeten BYD und Daimler hoffnungsfroh, dass sie im Rahmen des 2010 geschlossene Joint Ventures der beiden Konzerne ein Elektroauto der Marke Denza produzieren werden. „Die spannende neue Marke Denza ist ein weithin sichtbares Gütesiegel für das moderne Design und die fortschrittliche Technologie dieses innovativen Fahrzeugs, die bei den Kunden in China sehr gut ankommen wird“, freute sich Ulrich Walker, damals Chairman & CEO von Daimler Northeast Asia und Vorsitzender des Direktoriums beim Gemeinschaftsunternehmen BDNT. (BMW gegen Mercedes: Autobauer duellieren sich mit ihren neuen Bediensystemen)

Der Automarkt China galoppierte geradezu und ein vor Ort produziertes Elektroauto schien das passende Produkt zu sein, um satte Gewinne einzufahren. Das fernöstliche Firmament hing also voller Geigen – zumindest scheinbar. Doch die lieblichen Töne mussten der knüppelharten Realität weichen. Ulrich Walker heuerte bei Borgward an und aus dem optimistischen Projekt wurde ein echtes Problemkind. Trotz eines Facelifts, das den Denza 500 im Jahr 2018 näher an ein Mercedes-Benz T-Modell rückte, blieben die Verkaufszahlen miserabel. In rund sechs Jahren, die der Denza 500 auf dem Markt war, verkaufte das Joint Venture gerade einmal bestürzende 14.000 Fahrzeuge. (VW-Boss Herbert Diess brutal unter Druck – wegen Tesla und Elon Musk: So will er das Steuer rumreißen)

Das „Handelsblatt“ will von Insidern beim schwäbischen Autobauer erfahren haben, dass das Bündnis mit BYD in der Daimler-Zentrale in Stuttgart-Untertürkheim als „Desaster“ eingestuft wird. Es werde längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand davon gesprochen, dass Denza ein echter Klotz am Bein ist – und nicht der erhoffte Goldesel. Die Absatzzahlen im Reich der Mitte bestätigen diese vernichtende Einschätzung. Laut „CarSalesBase.com“ haben sich im gesamten Jahr 2020 nur 4.175 Käufer für einen Denza entschieden. Und das obwohl mit dem Denza X vor einem Jahr noch ein Elektro-SUV auf den Markt gebracht wurde, das exakt den Nerv der chinesischen Autofahrer treffen sollte. Die schönen Vorstellungen sind eine Sache – das bittere Ankommen in der Realität eine andere. (Gravierende Sicherheitsmängel: Tesla muss 135.000 E-Autos zurückrufen – die Bordcomputer sind schuld)

Das Elektro-SUV Denza X in Weiß von schräg vorne

Das elektrische SUV Denza X wurde kaum verkauft – und stellt sich immer mehr als millionenschwerer Mega-Flop heraus. © BDNT Denza

Daimler-Debakel: China-SUV wird Mega-Flop – zieht Konzernchef Ola Källenius die Reißleine?

Aufgrund der katastrophalen Verkaufszahlen stellt sich dem Gemeinschaftsunternehmen BDNT bereits die Existenzfrage. Stimmen, die ein rasches Ende der Zusammenarbeit fordern, werden zunehmend lauter: Es mache keinen Sinn, mit einer strategisch irrelevanten Kooperation unzählige Millionen zu verbrennen, heißt es aus der Zentrale der Daimler AG in Stuttgart. Andere argumentieren dagegen, es sei zu früh, das Projekt Denza einzustellen. Wie auch bw24.de berichtet, stehen die beiden Automobilkonzerne nach außen hin weiter hinter dem E-SUV Denza X* – und wollen die Flinte des Joint Ventures noch nicht ins Korn werfen. Doch was heißt das?

Im Zweifel wird der schwedische Daimler-Boss Ola Källenius bei aller skandinavischen Zurückhaltung nicht davor zurückschrecken, knallharte Entscheidungen zu treffen, um seinen Konzern aus der finanziellen Schieflage zu steuern. Gerade erst hat er die Aufspaltung in Mercedes-Benz für Autos und Vans und Daimler Truck für Lastwagen und Busse angekündigt. In einer Videobotschaft hat der CEO den Mitarbeitern seine Pläne dargelegt: „Die Strategie zielt darauf ab, uns auf die erfolgskritischen Aktivitäten zu konzentrieren: Elektrofahrzeuge auf eigenständigen Plattformen und unternehmenseigene Fahrzeug-Software. Wir werden die Strukturkosten angehen und wollen eine starke und nachhaltige Profitabilität erreichen.” Heißt im Klartext: Alles, was kein Geld in die Kassen spült, wird auf den Prüfstand gestellt – und ohne große Emotionen auf dem Schrottplatz entsorgt. (Tesla macht erstmals Gewinn – aber nicht mit Autoverkäufen: So verdient Elon Musks Unternehmen Geld)

Letztendlich wird der Denza X die letzte Patrone im Lauf des Joint Ventures zwischen Daimler und BYD sein. Ein Hebel, dass das Fahrzeug doch noch zum Erfolg wird, könnte eine Veränderung des Vertriebsnetzes sein. Dem chinesischen Autofahrer wird Denza bislang zwar als lokale Marke präsentiert – erhältlich ist das Elektro-SUV Denza X jedoch nur bei speziellen Mercedes-Benz-Autohäusern. Wenn es gelänge, das Händlernetz enger mit BYD-Knoten zu verknüpfen, könnte das die Verkaufszahlen eventuell noch in die Höhe treiben. (Mit Material von press-inform) *bw24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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