Aufwärtstrend gestoppt

Carsharing: Zahl der Nutzer dramatisch eingebrochen – der Grund ist nicht Corona

Eine Person mietet per Smartphone ein Auto über WeShare Carsharing.
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VW bietet mit WeShare rein elektrisches Carsharing an.
  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Die Carsharing-Branche ist seit Jahren im Aufwind. Im vergangenen Jahr brach die Zahl der Nutzer allerdings dramatisch ein. Das ist der Grund.

  • Seit vielen Jahren steigt die Zahl der Nutzer von Carsharing stetig an
  • Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Carsharing-Nutzer dramatisch eingebrochen
  • Der Grund für den extremen Rückgang ist allerdings ein anderer, als die meisten vermuten würden

Berlin – Seit vielen Jahren verläuft die Zahl der Carsharing-Nutzer in Deutschland in nur eine Richtung: steil nach oben. 2019 hat diese Wachstumskurve allerdings einen Knick bekommen. Zum ersten Mal war die offizielle Nutzerzahl rückläufig, wie eine von Statista veröffentlichte Erhebung des Bundesverbands CarSharing (bcs) zeigt. Wurden 2018 noch 2,46 Millionen registrierte Nutzer gezählt, sank die Zahl ein Jahr später auf 2,29 Millionen.

Der Carsharing-Markt wird in stationsbasierte (zum Beispiel stadtmobil, Cambio, teilauto) sowie stationsunabhängige Anbieter wie beispielsweise

unterteilt. Während in der ersten Gruppe zum Stichtag 1. Januar 2020 rund 710.000 Fahrberechtigte registriert waren (+ 9,2 %), gingen 1,58 Millionen auf das Konto der Free-Floating-Anbieter, was einem Rückgang um 12,7 Prozent entspricht. Die Zahl der Fahrzeuge ist hingegen in beiden Fällen stark gestiegen. Bei den stationsbasierten um 800 auf 12.000 sowie bei den Free-Floating-Fahrzeugen von 9.000 auf 13.400.

Zu Beginn des Jahres 2020 ist die Zahl der Carsharing-Nutzer dramatisch eingebrochen.

Carsharing: Das ist der Grund für den Einbruch bei den Nutzerzahlen

Grund für den Rückgang um fast 7 Prozent ist laut dem Bundesverband CarSharing die Zusammenführung der Kundendaten der beiden bisherigen Marktführer Car2go und DriveNow, die nun ihr Angebot unter dem Namen ShareNow bündeln. Aufgrund vieler Doppelungen der zuvor getrennt registrierten Nutzer hat sich ihre Gesamtzahl verringert.

Unterdessen hat nun eine Studie der Universität Hohenheim ergeben, dass Carsharing eine wichtige Rolle beim Umstieg hin zur E-Mobilität zukommen könnte. Denn viele Menschen zweifeln aktuell noch an der Alltagstauglichkeit von Elektroautos, weil sie Bedenken hinsichtlich der Reichweite und der Ladeinfrastruktur haben. Viele hadern auch mit dem Preis. Indem Carsharing-Nutzer Elektrofahrzeuge der verschiedenen Anbieter selbst fahren können, werden ihre Vorbehalte laut der Studie deutlich weniger.

Carsharing kann laut einer Studie der Universität Hohenheim der E-Mobilität auf die Sprünge helfen

Die Forscher befragten die Kunden eines etablierten Carsharing-Anbieters vor und nach der ersten Nutzung eines Elektroautos. Laut den Autoren der Studie hätte sich die Meinung der Fahrer durch die gemachten Erfahrungen nachweislich geändert: Nach der Fahrt im E-Auto hätten die Nutzer eine deutlich positivere Einstellung gegenüber den Stromern gezeigt. Zudem seien sie bereit gewesen, E-Fahrzeuge künftig in stärkerem Maße weiterempfehlen zu wollen. Sogar die Absicht, die genutzte Fahrzeugmarke künftig selbst zu kaufen, habe sich laut der Studie bei den Befragten erhöht.

„Durch die eigenen Erfahrungen verbessert sich die Einstellung der Nutzer gegenüber diesem Fahrzeugtyp nachweisbar und das wiederum führt zu einer erhöhten Weiterempfehlungsbereitschaft“, sagt einer der Autoren der Studie, Adrian Lehr vom Fachgebiet Unternehmensführung an der Universität Hohenheim. „Die Nutzung kann wie eine unbeabsichtigte Probefahrt angesehen werden, die besonders bei solchen Personen ihre Wirkung zeigt, die bisher noch wenig mit dem Thema Elektromobilität zu tun hatten.“

Mit Material von SP-X

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