Produktion gestoppt

Byton: Das ist dran an den Pleite-Gerüchten – „einige Investoren haben Zusagen nicht erfüllt“

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Byton hatte in den letzten Jahren auf Automessen mit großen Ankündigungen für viel Aufsehen gesorgt. Jetzt stellt das vielversprechende Elektroauto-Start-up seinen Betrieb für ein halbes Jahr ein. Ob es danach weitergeht, ist offen. 24auto.de hat mit Pressesprecher Oliver Strohbach gesprochen.

  • Byton galt lange Zeit als ernstzunehmender Herausforderer für Tesla
  • Die Future Mobility Corporation, zu der Byton gehört, wurde 2017 von ehemaligen BMW- und Nissan-Managern gegründet
  • Aufgrund der Corona-Krise soll nun die Produktion für sechs Monate ausgesetzt werden

Nanjing (China) – Schon im April wurde bekannt, dass Byton an seinem US-Sitz im kalifornischen Santa Clara aufgrund der Auswirkungen der Pandemie rund die Hälfte der dort arbeitenden Mitarbeiter beurlaubt hatte. Jetzt ist auch bestätigt, dass der Elektroauto-Hersteller seinen Betrieb ab heute für sechs Monate einstellen wird. Ob ein Comeback gelingen kann, scheint unklar. Byton könnte jetzt fast alle Mitarbeiter weltweit entlassen, gab Sprecher Dave Buchko am Montagnachmittag gegenüber dem US-Fachportal TheDetroitBureau zu Protokoll.

Lange Zeit schien für Byton alles gut zu laufen. Im Oktober 2019 begann die Vorserienproduktion in der neuen Fabrik in Nanjing. Im Herbst dieses Jahres sollte auch in Deutschland die Bestellannahme für die Modelle M-Byte und K-Byte beginnen. Für 2021 waren die ersten Auslieferungen geplant.

Das SUV Byton M-Byte auf der Technik-Messe CES in Las Vegas im Januar dieses Jahres. Foto: Andrej Sokolow/dpa

Das Anlaufen der Produktion in der neuen Fabrik verbrauchte viel Kapital. Und ein so einschneidendes Ereignis wie die Corona-Krise war nicht vorhersehbar. Plötzlich saß auch das Geld bei den Investoren nicht mehr so locker. Einige konnten nun wohl ihre Zusagen nicht erfüllen, was Byton jetzt in eine schwere Lage gebracht hat. (Dyson: Das gescheiterte Elektroauto: Warum der Staubsaugerfirma die Luft ausging)

Byton: Sind die Standorte in den USA und Deutschland insolvent?

Auf Twitter kursieren aktuell viele Gerüchte über die Situation bei Byton. So behauptet ein User, der Autohersteller hätte für seine deutschen und amerikanischen Standorte Insolvenz angemeldet: „Byton hat gerade angekündigt, sein Geschäft am 1. Juli wegen finanzieller Probleme zu schließen, während seine deutschen und US-amerikanischen Dienststellen Insolvenz angemeldet haben. Über 900 Mitarbeiter in China werden entlassen. Dies alles geschah, nachdem die Kapitalerhöhung nicht erfolgreich war. Es ist der Erste große Elektroauto-Hersteller in China, der zusammenbricht.“

Gegenüber 24.auto.de stand Oliver Strohbach, Director Public Relations Europe bei Byton, Rede und Antwort zur aktuellen Situation und den Maßnahmen, die das Unternehmens schon unternommen hat und noch unternehmen könnte. Zur vermeintlichen Insolvenz versichert er: „Das stimmt nicht.“

Wie ist die aktuelle Situation bei Byton?
Die Krise hat uns stark getroffen. Wir befinden uns mitten in der dritten Finanzierungsrunde. Einige unsere Investoren haben zuletzt leider ihre Zusagen nicht erfüllt. Und unsere neuen Investoren, die wir beispielsweise nach der CES akquiriert haben, sind bisher noch sehr zurückhaltend.
Was bedeutet das für die Standorte?
Wir haben in den vergangenen Monaten einige Maßnahmen ergriffen, um die laufenden Kosten zu senken. In den USA wurden einige Leute beurlaubt, das Team wurde verkleinert. In Deutschland haben wir Kurzarbeit beantragt und auch in China reduzieren wir die Teams deutlich. Es beginnt eine Zeit der Umstrukturierung. Hierbei spielen die Standorte in den USA und Europa aber weiterhin eine große Rolle. Wir wissen, dass wir hier präsent sein müssen, um erfolgreich zu sein. Auch in Deutschland werden wir uns umstrukturieren müssen, aber hier ist noch nichts beschlossen. Allerdings ist es möglich, dass wir auch am deutschen Standort die Teams reduzieren müssen.
Glauben Sie, dass es für einen Neustart weitere Investoren braucht? Oder kann es auch mit den bestehenden Investoren klappen?
Es gibt verschiedene Szenarien, darunter auch jene, die mit den bestehenden Investoren funktionieren können. Wir hatten aber auch gerade erst eine Gruppe potenzieller europäischen Investoren bei uns im Design-Studio in München zu Gast. Viele Investoren könnten es attraktiv finden, jetzt einzusteigen, auch da die Bewertung angepasst wird. Wir bieten natürlich auch einiges an Werten: neben der neuen Fabrik auch die Elektro-Plattform sowie das Technik- und Digital-Know-how mit vielen Patenten. Sollten neue Investoren einsteigen, haben wir die Möglichkeit, mit anderen Szenarien weiter zu verfahren. Hier ist aber noch alles offen. Das wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen.

Eine Vorhersage, wann Byton letztendlich auf dem deutschen Markt starten könnte, wollte Oliver Strohbach aber nicht machen: „Das wäre reine Spekulation.“

Rubriklistenbild: © Andrej Sokolow/dpa

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