Fabrik in Grünheide

Baustopp bei Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg: Bauleiter entlassen

  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
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Elektroauto-Hersteller Tesla konnte seine Fabrik in Grünheide bei Berlin vorübergehend nicht weiterbauen. Der erstaunliche Grund: Das US-Unternehmen hatte seine Rechnungen nicht bezahlt. Jetzt wurde der Bauleiter entlassen.

Update vom 22. Oktober 2020,17:04 Uhr: Der US-Elektroautobauer Tesla hat einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) zufolge den Projektleiter für die Baustelle der Gigafactory in Grünheide vor den Toren von Berlin entlassen. Die exakten Gründe seien „unklar“ – eine Sprecherin des Unternehmens wollte am Donnerstag keine näheren Angaben zu der heiklen Angelegenheit machen.

Laut RBB-Recherchen gehen gut informierte Branchenkenner indes davon aus, dass die Entscheidung mit den nicht bezahlten Wasserrechnungen auf der Baustelle in Zusammenhang stehen könnte. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) hatte der Firma von Elon Musk aus diesem Grund kurzerhand das Wasser abgedreht. Für Tesla ein ebenso großes wie peinliches Problem: Die Produktion in Grünheide soll bereits im Juli 2021 starten – jährlich sollen dort bis zu 500.000 Elektroautos vom Band laufen. (Mit Material der AFP)

Baustopp bei Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg: Der Grund ist kaum zu glauben

Erstmeldung vom 15. Oktober 2010, 17:37 Uhr: Grünheide – Kaum zu glauben: Der Wasserverband Strausberg-Erkner hat dem globalen Elektroauto-Konzern Tesla tatsächlich das Wasser abgedreht. Der Grund lässt einen staunen: Die Firma von US-Businessgröße Elon Musk hat schlicht und einfach kein Geld für das verbrauchte Wasser bezahlt, erläuterte Verbandssprecherin Sandra Ponesky in Strausberg. Das Unternehmen sei zuvor bereits mehrfach gemahnt worden – auch mit Androhung einer Wassersperrung. Genutzt habe dies nichts.

Im Gegenteil: Die Zahlungsfrist von 14 Tagen verstrich, ohne dass die US-Firma Anstalten machte, ihre Schulden zu begleichen. Vielleicht erwartete man beim riesigen Volumen des im brandenburgischen Grünheide entstehenden Projekts eine Sonderbehandlung. Doch da machten die Bauherren der „Gigafactory Berlin-Brandenburg“ ihre Rechnung wohl ohne den Wasserverband Straußberg-Erkner.

„Da wird Tesla nicht anders behandelt als andere“, meint dessen Sprecherin trocken. Wenn das Geld eintreffe, werde auch das Wasser wieder angestellt. „Business as usual“ also – gleiches Recht für alle. Für den Großkonzern jedoch höchstwahrscheinlich ein nicht ganz alltägliches Vorgehen. (Tesla: Überschätzt sich Elon Musk? Er prophezeit gigantische Produktionszahlen)

Blick über die Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide.

Baustopp bei Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg: Wasserversorgung nie bezahlt

Das vorläufige Abstellen der Wasserzufuhr kommt für den Elektroautobauer zur absoluten Unzeit: Denn die Bauarbeiten sind gerade in vollem Gang – und laufen unter großem Zeitdruck. Schon im kommenden Sommer will Tesla in Grünheide im Landkreis Oder-Spree zahlreiche Elektroautos herstellen. In einer ersten Stufe sollen vor den Toren Berlins 500.000 Elektroautos im Jahr gefertigt werden. Dafür plant Tesla mit rund 12.000 Beschäftigten. („Tesla Battery Day“: Elon Musk verspricht Elektroauto zum Schnäppchenpreis)

Der Vorfall verwundert: Die „Tesla Manufacturing Brandenburg SE“ hatte erst kürzlich den Vertrag zur Wassererschließung unterzeichnet. Dabei geht es allerdings um die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung für die erste Ausbaustufe. Derzeit erhält Tesla das Wasser aus einem vorläufigen Anschluss über Standrohre – und dieses wurde nie bezahlt. (Gigafactory Berlin: Elon Musk kommt in Zimmermanns-Kluft – und macht Ankündigung)

Baustopp bei Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg: Elon Musk bekommt weitere Probleme

Auch die umweltrechtliche Genehmigung für das Projekt durch das Land Brandenburg steht noch aus. Der Bau der Gigafactory ist hochumstritten. Es gibt mehr als 400 Einwendungen besorgter Bürger. Diese zielen vor allem darauf ab, dass sich die bereits im Bau befindliche Fabrik in einem Wasserschutzgebiet befindet. (Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg: Bringen Umweltschützer das Großprojekt zu Fall?)

Momentan baut Tesla baut mit vorläufigen Genehmigungen für einzelne Bauschritte. Umweltschützer und Anwohner warnen jedoch eindringlich davor, dass die Versorgung mit Trinkwasser Schaden nimmt und ein nahes Naturschutzgebiet von der Fabrik betroffen ist. Außerdem werfen Kritiker dem Unternehmen von Elon Musk immer wieder mangelnde Transparenz in Bezug auf das Bauvorhaben vor. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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