Fahrlässige Tötung?

Autonomes Fahren: Testfahrerin nach Todes-Crash angeklagt – guckte lieber „The Voice“

Das Bild zeigt den Moment kurz bevor ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Frau anfährt.
+
Das von der Polizei Tempe herausgegebene Bild zeigt den Moment, kurz bevor ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Frau anfährt.
  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
    schließen

2018 ereignete sich der allererste tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Auto. Die Back-up-Fahrerin des Uber-Autos, die den Crash nicht verhindert hatte, wurde nun wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Phoenix (Arizona) – Der erste tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Auto in den USA hat für die damalige Testfahrerin erhebliche strafrechtliche Konsequenzen. Rafaela Vasquez (46) wurde am Dienstag von einer Grand Jury des südwestlichen US-Bundesstaats Arizona wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Vorwurf ist hart: Die 46-jährige habe es versäumt, das selbstfahrende Auto zu korrigieren, bevor es den tödlichen Unfall verursachte.

Autonomes Fahren: Testfahrerin nach Todes-Crash angeklagt – schaute lieber „The Voice“

Bei der Tragödie im März 2018 hatte ein vom Computer gesteuerter Uber-Testwagen in der Stadt Tempe bei Phoenix die 49-jährige Elaine Herzberg getötet. Die Frau hatte in der Dunkelheit ein Fahrrad über eine mehrspurige Straße geschoben. Die Sensoren des Test-SUVs – eines Volvo XC90 – erkannten die Fußgängerin zwar, der Bordcomputer reagierte jedoch zu spät auf die Frau. Sie wurde von dem selbstfahrenden Fahrzeug mit 61 Kilometern pro Stunde überfahren. (Kommt City-Maut auch bei uns? „Pöbel soll in überfüllte Busse und Bahnen“)

Wie der Fernsehsender NBC berichtete, hatte das Computersystem des Wagens Probleme, die Fußgängerin einzuordnen. Es konnte nicht feststellen, ob es sich bei dem Hindernis auf der Straße um ein Auto, ein Fahrrad oder einen Fußgänger handelte. Dementsprechend konnte der Algorithmus der Software nicht erkennen, in welche Richtung das Unfallopfer unterwegs war. Das System ging fälschlicherweise davon aus, dass 1,3 Sekunden für den Bremsvorgang ausreichen würden. (Schmuggel in Audi Q8: So viel Gold und Silber sollten über die Grenze)

Todes-Crash beim Autonomen Fahren: Unfall war „leicht vermeidbar“

Der Unfall wäre jedoch laut Polizeibericht „leicht vermeidbar“ gewesen. Die unmittelbare Ursache sieht die Unfallermittlungsbehörde NTSB („National Transportation Safety Board“) darin, dass die Fahrerin des Testwagens abgelenkt gewesen sei. Sie schaute sich nach Angaben der Polizei während der Testfahrt  die TV-Show „The Voice“ auf ihrem Smartphone an und hatte den Blick nicht auf die Straße gerichtet. Wäre sie aufmerksam gewesen, hätte sie genügend Zeit gehabt, den Unfall zu verhindern, stellte die NTSB in ihrem Bericht fest. (Hyundai Tucson: Neuauflage mit Darth-Vader-Front – dieses Extra sucht man aber vergebens)

Die Testwagenfahrerin bekannte sich hingegen nicht schuldig. Der zuständige Staatsanwalt von Maricopa County widersprach der Frau vehement: „Wenn sich ein Fahrer hinter das Lenkrad eines Autos setzt, hat er die Verantwortung, dieses Fahrzeug sicher und gesetzestreu zu kontrollieren und zu betreiben“, erklärte er. Die Angeklagte wurde dennoch bis zum Verhandlungsbeginn am 27. Oktober freigelassen, muss aber eine elektronische Fußfessel tragen. (JP Kraemer: Fans wegen Buch enttäuscht – „Es tut mir unheimlich leid ...“)

Todes-Crash beim Autonomen Fahren: Uber wird nicht belangt

Der Fahrtendienst Uber wurde übrigens nicht bestraft. Das US-Unternehmen musste nach dem tödlichen Crash lediglich die Tests mit seinen autonomen Fahrzeugen vorübergehend aussetzen. Nach etwa einem Jahr wurden diese wieder aufgenommen. Als Konsequenz des dramatischen Unfalls wurden die Versuchsfahrten im Anschluss zunächst mit geringeren Geschwindigkeiten durchgeführt. Ebenso galten für Technik, Routen und Testfahrer strengere Regularien. (Mit Material der dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema