Einbruch um 35 Prozent

Autoindustrie: Deutscher Pkw-Markt historisch schwach – doch ein Segment zieht richtig an

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Die Coronakrise hat die Pkw-Verkäufe im ersten Halbjahr einbrechen lassen. Nur ein Segment geht völlig gegen den Trend. Außerdem gibt es erste Anzeichen, dass sich der Markt erholt.

  • Der deutsche Pkw-Markt erlebte im ersten Halbjahr 2020 infolge der Corona-Krise ein Minus von 35 Prozent
  • Im zweiten Quartal belief sich der Rückgang sogar auf 47 Prozent
  • Es ist das schlechteste Halbjahr für die Branche seit drei Jahrzehnten

Berlin – Der deutsche Pkw-Markt ist im ersten Halbjahr auf das niedrigste Niveau seit der Wiedervereinigung geschrumpft. Zwischen Januar und Juni wurden laut Branchenverband VDA 1,21 Millionen Pkw neu zugelassen, 35 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2019. Ähnlich sah es auf den internationalen Märkten aus: So sanken die Neuzulassungszahlen in Europa bis Mai um 43 Prozent, der US-Markt schrumpfte um 23 Prozent, der Markt in China um 27 Prozent.

Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Rückgang des deutschen Pkw-Marktes um 23 Prozent auf 2,8 Millionen Einheiten. Das wäre das niedrigste Niveau seit der Wiedervereinigung und ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von gut 20 Prozent. Für den Weltmarkt geht der VDA von einem Minus um 17 Prozent auf 65,9 Millionen Fahrzeugen aus. Ganz gegensätzlich zum Abwärtstrend entwickeln sich jedoch die Verkäufe bei Elektrofahrzeugen in Deutschland. Mit über 90.000 zugelassenen E-Autos im ersten Halbjahr erlebt das Segment hierzulande einen Zuwachs von 90 (!) Prozent. (E-Autos: Höhere Kaufprämie für E-Autos: Die 10 größten Elektro-Schnäppchen)

Neuwagenmarkt: Erholung im zweiten Halbjahr erwartet

Für das zweite Halbjahr erwartet der VDA insgesamt eine leichte Erholung. Und auch der Branchenverband der internationalen Hersteller VDIK rechnet mit Verkaufszahlen von 1,6 Millionen neuen Pkw. Das wäre in etwa das langjährigen Durchschnittsniveau. Laut VDA sei der aktuelle Auftragseingang bei den deutschen Herstellern ein gutes Zeichen. Im Juni fiel hier das Minus gegenüber dem Vergleichsmonat aus dem Vorjahr deutlich geringer aus als noch im Mai. Den Einbruch in der ersten Jahreshälfte wird allerdings der leichte Aufwärtstrend nach Einschätzung der Branchenvertreter nicht ausgleichen können. (Reif für ein E-Auto? Mit diesen fünf Fragen finden Sie es heraus)

Verband der Automobilindustrie
Rechtsformeingetragener Verein
SitzBerlin
Gründung1901
ChefinHildegard Müller
Webseitewww.vda.de

Noch schwerer als die Pkw-Märkte sind die Nutzfahrzeugmärkte nach Angaben des VDA von der Krise betroffen. Der weltweite Absatz von Nutzfahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 6 Tonnen wird 2020 nach Prognosen des Verbandes um 24 Prozent auf 2,6 Millionen Einheiten zurückgehen. Für den US-Markt wird mit einem Minus von 40 Prozent gerechnet. In Westeuropa (minus 35 Prozent) und Deutschland (minus 29 Prozent) wird der Rückgang ebenfalls deutlich ausfallen. (Von Holger Holzer/SP-X)

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