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Autohersteller über Chipmangel: „Vielleicht größter Versorgungsnotstand“ – Umrüstung läuft

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Von: Jasmin Pospiech

Aufgrund des anhaltenden Chipmangels haben einige Autohersteller bereits die Produktion gestoppt. Andere wiederum rüsten um. Doch alle sind besorgt.

Detroit (USA) – Weltweit ist der Mangel an Chips und Halbleitern so massiv, dass bei mehreren Herstellern in der Autobranche die Bänder ruhen. Sie alle ringen um die so wichtigen Bauteile, die gerade schwer aufzutreiben sind, wodurch sie zu spät in der Produktion eintreffen. Das sorgt für große Besorgnis bei Herstellern und Kunden.

Autohersteller über Chipmangel: „Vielleicht größter Versorgungsnotstand“ – einige rüsten schon um

Grund dafür ist die gestiegene Nachfrage nach elektronischen Geräten weltweit aufgrund des Corona-Lockdowns und widriger Wetterverhältnisse. Doch Experten kritisieren zudem, dass nicht rechtzeitig für genug Nachschub gesorgt wurde.

Doch für die meisten Autohersteller ist der Zeitpunkt denkbar ungünstig, denn sie stecken gerade mitten in der Umstellung auf die Elektromobilität. Wie die „New York Times“ berichtet, sind in einem neuen Elektroauto bis zu 100 dieser Halbleiterchips an Bord verbaut. Sie werden unter anderem in Komponenten wie Touchscreens oder Steuergeräten gebraucht und genutzt. (Tachonadel statt Digitalanzeige im Auto – deshalb kommt das Analog-Cockpit zurück)

Ein Finger drückt den Anlasser-Knopf eines Autos. (Symbolbild)
Kunden müssen wegen des Chipmangels wohl längere Wartezeiten auf ihre bestellten Autos in Kauf nehmen. (Symbolbild) © agefotostock/Imago

Zudem hat die Corona-Krise dafür gesorgt, dass weniger Fahrzeuge gekauft wurden, wodurch die Autoindustrie massive Umsatzverluste erlitten hat. Doch genau jetzt, wo die Nachfrage wieder steigt und sich manche Deutsche vorstellen können, nicht nur einen weiteren Pkw zu kaufen, sondern auch auf ein Elektroauto umzusteigen, fehlen die so wichtigen Chips.

Autohersteller über Chipmangel: „Vielleicht größte Versorgungsnotstand“ – Umfrage von Branchenzeitschrift

Darüber hinaus werden aber auch grundsätzlich zu wenig Halbleiter hergestellt. Das ist ebenfalls ein Grund, warum Lieferzeiten nicht eingehalten werden und Kunden länger auf Neuwagen warten müssen. Der Mangel in der Autobranche sorgt gerade für ein echtes Branchenbeben, sodass Ford-CEO Jim Farley jüngst erklärt hat, dass dieser der „vielleicht größte Versorgungsnotstand“ sei, den er jemals erlebt habe. Auch VW-Chef Herbert Diess hat sich gerade erst zu der Aussage hinreißen lassen: „Das werden wir spüren.“

Eine neue US-Studie mit Namen „Examining the Global Chip Shortage“ (dt.: „Analyse des weltweiten Chipmangels“) der angesehenen Branchenzeitschrift „Automotive News“ kommt zu demselben Schluss. Fast alle der 475 Befragten, darunter zahlreiche Vertreter aus der Autobranche, zeigen sich besorgt und glauben, dass der Chipmangel ernsthafte Auswirkungen auf die Autoindustrie haben wird und dass diese noch bis zum Endes Jahres zu spüren sein werden. (Kostenlos E-Auto fahren: Diese Gesetzeslücke lässt das zu)

Autohersteller über Chipmangel: „Vielleicht größte Versorgungsnotstand“ – noch sechs Monate Probleme

Demnach vermuten 72 Prozent der Umfrage-Teilnehmer, dass der Chipmangel die Branche für mindestens sechs Monate beschäftigen wird. Während fast die Hälfte glaubt, dass es am meisten die Autohersteller betreffen wird, sind 30 Prozent der Meinung, dass es Autohändler am härtesten trifft. Wiederum 23 Prozent tippen dagegen auf die Zulieferer.

Doch einige Hersteller versuchen bereits, auf anderen Wegen die begehrten Chips zu erhalten. 53 Prozent geben in der Studie von Automotive News an, sie von außerhalb der USA zu beziehen oder dies in Zukunft tun zu wollen (55 Prozent). 48 Prozent geben an, dass sie lieber Chips von lokalen Zulieferern kaufen wollen. (Neues Papamobil: Wird Papst Franziskus bald im Elektro-SUV Fisker Ocean gefahren?)

Andere wiederum haben ihre Produktion auf Fahrzeuge und Bauteile umgestellt, die weniger vom Chipmangel betroffen sind (32 Prozent) und 46 Prozent geben gerade anderen Produkten den Vorzug, die eine hohe Nachfrage haben. Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

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