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Audi nur noch elektrisch – das steckt hinter dem Verbrenner-Aus

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Von: Marcus Efler

Audi baut bald nur noch rein elektrische Autos. Das interne Duell gegen die Porsche-Entwickler hat begonnen – welche Modelle es am härtesten trifft.

Ingolstadt – Audi ohne TDI, den markentypischen Turbodiesel? Das ist wie München ohne Oktoberfest. Aber das passiert 2021 schon zum zweiten Mal. Bei Audi wird es in fünf Jahren so weit sein: Ab 2026 nämlich werden die Ingolstädter überhaupt keine Modelle mehr neu in den Markt bringen, die einen Verbrennungsmotor haben. Ab den 2030er-Jahren wollen sie nur noch elektrische Autos verkaufen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Damit zieht die Volkswagen-Tochter mit Elektro-Pionier Tesla gleich und holt Volvo ein: Die Schweden hatten als erster traditioneller Hersteller die komplette Elektrifizierung angekündigt. Sie setzen zwar vorerst noch auf den Hybrid-Antrieb, wollen ab 2030 aber ebenfalls nur noch eine reine Elektro-Marke sein. (Power-Q4 von Audi im Test: Reichen 299 PS, um gegen Tesla zu bestehen?)

Audi nur noch elektrisch – das bedeutet der Verbrenner-Stopp für Kunden und Modelle

Audis schneller, fast hektischer Rückzug von der Benzin-, Diesel- und Hybrid-Technologie passt grundsätzlich natürlich zur langfristigen Strom-Strategie des VW-Konzerns. Trotzdem wirkt er ein wenig wie ein Befreiungsschlag, der zwei Probleme lösen soll. Denn erstens kämpft Audi noch immer mit dem Imageschaden durch den Diesel-Skandal, der gerade den für die Marke so wichtigen Turbodiesel in Verruf brachte – und der die Hoffnungen, US-Kunden zum Selbstzünder zu bekehren, wohl für immer zerstörte. Ein endgültiger Bruch mit dem TDI bietet die Chance zum sauberen Neuanfang. (Elektroautos: Darum müssen sie in Zukunft wieder Lärm machen)

Audi Q4 Sportback 50 e-tron quattro, fahrend
Rein elektrisch in die Zukunft will Audi, hier ein Q4 e-tron Sportback. (Symbolbild) © Audi AG

Audi nur noch elektrisch – Vorteil im internen Duell gegen Porsche?

Zweitens kann Audi so im Konzern die klare Führungsrolle bei Akku-Antrieben für teure Modelle beanspruchen. Derzeit befindet man sich bei der sogenannten „Premium Platform Electric“ (PPE; Plattform-​Baukasten für Premium-E-Autos im VW-​Konzern) in einem scharfen internen Duell gegen Porsche: Beide Marken sollen sie für leistungsstarke Autos gemeinsam entwickeln, was immer wieder zu Eifersüchteleien und Reibungsverlusten zwischen Ingolstadt und dem Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach führt. Künftig hat Audi als reiner Elektro-Hersteller die Argumente auf seiner Seite. Denn Porsche muss – Taycan hin, Elektro-Macan her – noch lange am Verbrennungsmotor festhalten: Den wichtigen Imageträger 911 akzeptieren seine Fans und Käufer nur mit Sechszylinder-Boxer im Heck, ein Hybridmodul ist da künftig das höchste der Gefühle. Solange der Verbrennungsmotor in Europa, den USA oder Asien erlaubt bleibt, wird Porsche ihn bauen – während Audi den sauberen Tesla-Jäger gibt. (Ärger bei Audi: Team der Tesla-Jäger schonungslos ausgebremst)

Audi nur noch elektrisch – diese Modelle werden Kunden vermissen

Allerdings birgt die neue Elektro-Strategie auch erhebliche Risiken für Audi. Denn sie bedeutet den baldigen nahezu kompletten Austausch der bisherigen Modellpalette. Der aktuelle A4 etwa bekommt, wenn überhaupt, nur noch einen Nachfolger und läuft dann aus. Als überaus beliebter Dienstwagen für das untere bis mittlere Management vieler Firmen gehört er mit TDI-Motor aber bislang zu den tragenden Säulen von Audi und somit des gesamten VW-Konzerns. Dass gerade die Außendienstler, die mit ihrem Firmenwagen oft zügig auch längere Strecken meistern müssen, den baldigen Umstieg zum reinen Stromer mitmachen, ist längst nicht ausgemacht. Zumal mit BMW ein Konkurrent lauert, der Plug-in-Hybride in seine Elektro-Strategie mit einbezieht – und sie ausdrücklich als Dienstwagen für Kilometerfresser empfiehlt. (Audi RS6 Johann Abt Edition: Braucht ein Kombi tatsächlich so viele PS?)

Audi nur noch elektrisch – wie reagieren amerikanische Full-Size-SUV-Fans?

Das zweite Modell, dem viele Kunden nachtrauern werden, ist der Q7. Nicht unbedingt hierzulande, wo das mächtige SUV zwar durchaus Fans hat, aber nicht zu Audis Kernmodellen gezählt wird. Im Mittleren Osten, Asien und den USA sieht das anders aus: Dort steht man auf Full-Size-SUV, von denen der Q7 noch zu den kompakteren zählt. Seine Käufer geben viel Geld für PS-starke Motorisierungen und Luxus-Extras aus und befeuern die Rendite dieses Modells. Auch bei ihnen ist der schnelle Schwenk zu einer elektrischen Alternative fraglich. Denn auch wenn Kalifornien, das neue Silicon Valley rund ums texanische Houston und Teile der Ostküste Tesla-Land sind: Sehr viele Amerikaner lieben noch immer den bollernden V8-Motor.

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