Abschied von der Börse

Audi AG: Voraussichtlich letzte Hauptversammlung im Juli oder August – aber diesmal ist alles anders

Audi-Konzenrzentrale in Ingolstadt
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Volskwagen will Audi komplett übernehmen
  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Dem Volkswagen-Konzern war es immer wichtig, dass Kunden den Ingolstädter Autobauer Audi als eigenständige Marke wahrnehmen. Audi gehörte nie ganz zum Konzern, ein kleiner Anteil des Unternehmens war an der Börse handelbar. Gehts es nach VW, ist es damit bald vorbei.

  • Die Volkswagen AG plant ein sogenanntes Squeez-Out-Verfahren
  • Der Konzern besitzt bereits 99,64% der Audi-Aktien
  • Die Hauptversammlung wurde wegen des Coronavirus in den Sommer verschoben

Ingolstadt – In einem Squeeze-Out-Verfahren möchte der Volkswagen-Konzern die Minderheitsaktionäre der Audi AG aus dem Unternehmen drängen. Gegen eine“angemessene Baranfindung“ plant der Autoriese, die Aktien der Minderheitsaktionäre auf die Volkswagen AG zu übertragen. Beschlossen hatte der Konzern-Vorstand im Rahmen einer geplanten Umstrukurierung des riesigen VW-Reichs, von der Audi letztendlich profitieren könnte. Der Gesetzgeber sieht das Squeeze-Out-Verfahren vor, damit ein Hauptgesellschafter die Anteile von Minderheitsaktionäre gegen eine angemessene Abfindung übernehmen und ein sogenanntes Delisting oder Going-Private durchführen kann.

Audi: Der Hersteller soll eine Aktiengesellschaft bleiben

Das Delisting bedeutet den Börsenabgang des Unternehmens und führt zur dauerhaften Einstellung des aktiven Handels der Anteile einer Aktiengesellschaft. Grundvoraussetzung eines Squeeze-Outs ist, dass der Hauptgesellschafter mindestens 95 Prozent der Anteile am Grundkapital hält, was im Falle von Volkswagen und Audi der Fall ist. Die Minderheitsaktionäre halten lediglich 0,36% an der AG. Organisatorisch soll Audi aber weiterhin eine eigene Aktiengesellschaft bleiben. Das ist relevant, weil es den Beschäftigten Mitbestimmungsrechte garantiert und der Marke so ein gewisses Maß an Eigenständigkeit im Konzernverbund verbleibt. In der nächsten Hauptversammlung der Audi AG, die eigentlich für den 14. Mai 2020 angesetzt war, soll der Entschluss gefasst werden. Wegen des Coronavrius verschob man die Versammlung auf ein noch unbestimmtes Datum im Juli oder August. Zudem ist geplant, die Veranstaltung komplett digital durchzuführen.

Audi: Der neue Chef Markus Duesmann leitet Volkswagen-Entwicklung

Audis neuer Vorstandsvorsitzender Markus Duesmann übernimmt jetzt mit seiner Marke im Rahmen der Umstrukturierung die Führung für den Kernbereich Forschung und Entwicklung im Gesamtkonzern. Dadurch bekommt Audi eine Kernfuntkion als Innovationsmotor für den größten Autobauer der Welt.

Laut einem Bericht des Handelsblatts hatte Volkswagen ursprünglich den Verkauf weiterer Audi-Aktien erwogen, sollten die Kosten für die Aufarbeitung des Abgasskandals aus dem Ruder laufen. Dieses Risiko sehen die Vorstände wohl nicht mehr.

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