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AdBlue: VW und BMW müssen XXL-Strafe zahlen – darum ist Daimler fein raus

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Von: Marcus Efler

Die EU verdonnert VW und BMW zur einer hohen Millionenstrafe wegen Kartellbildung während des Diesel-Skandals. Daimler zieht sich geschickt aus der Affäre.

Brüssel – Der nächste Ärger im Rahmen des Diesel-Skandals um manipulierte Abgaswerte. Und diesmal wird es richtig teuer: Wegen Kartellbildung, also verbotener Absprachen, sollen die deutschen Autokonzerne Volkswagen und BMW finanziell bluten. Und das nicht zu knapp. So hat es die EU-Kommission, unter Führung der knallharten Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, beschlossen. Zu der angekündigten Milliardenstrafe, die zu Anfang des Verfahrens im Jahr 2017 im Gespräch war, ist es zwar nicht ganz gekommen, aber fast: Insgesamt sind heftige 875 Millionen Euro fällig: Volkswagen ist mit etwa 502 Millionen Euro dabei, BMW mit gut 373 Millionen Euro. (Neue Anklage im VW-Diesel-Skandal: Hat Ex-Boss Martin Winterkorn alle belogen?)

AdBlue: VW und BMW müssen Mega-Strafe blechen – darum ist Daimler bei der EU fein raus

Im Kern geht es um etwas, das auf den ersten Blick eher wie eine technische Petitesse wirkt als ein mafiöser Mega-Betrug: Nämlich die Größe der Tanks für das sogenannte AdBlue. Dieser vornehme Name bezeichnet mit Wasser verdünnten Harnstoff. Also etwas, mit dem sich, so vermuteten die Hersteller, ihre Kunden nicht sonderlich gerne beschäftigen möchten. Leider ist diese Chemikalie (zusätzlich zum SCR-Katalysator) notwendig, um Diesel-Motoren tatsächlich so sauber zu machen, wie Audi und Co. es immer versprochen haben. Damit das zuverlässig klappt, hätten die AdBlue-Tanks von Beginn an ziemlich groß ausfallen müssen – nämlich mit einem Fassungsvermögen von 30 Litern und mehr. Falls kleiner, hätten sie ständig nachgefüllt werden müssen. Ersteres passte den Autoherstellern nicht in den Kram, letzteres wollten sie ihren Kunden nicht zumuten. (Diesel-Skandal: Verbraucherschützer klagen – darum soll auch Daimler zahlen)

Einfüllstutzen für Diesel und AdBlue bei einem Pkw (Symbolbild)
Zweier-Beziehung: Diesel wird durch AdBlue erst sauber. (Symbolbild) © Uli Deck/dpa

AdBlue: VW und BMW müssen Mega-Strafe blechen – wegen zu kleiner Harnstoff-Tanks

Also verfielen die Autohersteller auf den dritten, mittlerweile sattsam bekannten Weg: Kleinere Tanks, trotzdem lange Nachfüll-Intervalle –  und die berühmt-berüchtigte Schummel-Software, die auf dem Prüfstand niedrige Emissionen (mit entsprechend hohem AdBlue-Bedarf) vorgaukelte. Volkswagen zahlte deshalb in Deutschland bereits mehr als 2,3 Milliarden Euro Bußgeld. Bei BMW war die Sache weniger eindeutig: Die Münchner wurden zwar wegen „fehlerhafter Abgasreinigungssysteme“ bestraft, am vorsätzlichen Betrug waren sie aber offenbar nicht beteiligt. Allerdings hätten sie, so der Vorwurf der EU, sich ebenfalls gehörig an der Mauschelei mit zu kleinen AdBlue-Tanks beteiligt: Das Kartell der Autobauer habe im stillen Kämmerlein (oder auf konspirativen Geheimtreffen im Rahmen großer Automessen) vereinbart, diese kleiner als benötigt einzubauen. (Diesel-Skandal: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler belastet eigene Motorenentwickler schwer)

EU-Kommissarin Margrethe Vestager (Symbolbild)
Entschlossene Kämpferin gegen Kartelle: EU-Kommissarin Margrethe Vestager (53). (Symbolbild) © Patrick Seeger/dpa

AdBlue: VW und BMW müssen Mega-Strafe blechen – Daimler brach Gesetz des Schweigens

Manche Beobachter gehen davon aus, dass die EU die AdBlue-Absprache der Diesel-Verschwörer nun auch stellvertretend für die ganze Abgas-Schummelei so heftig bestraft. Wobei es sich, juristisch genau genommen, um einen Vergleich handelt – dem VW und BMW zustimmen müssen. BMW will das tun, Volkswagen legt möglicherweise Einspruch ein. Die Wolfsburger hatten sich selbst bezichtigt, bei den Ermittlungen kooperiert – und sich daher womöglich einen höheren „Kronzeugen-Rabatt“ erhofft. Von einem solchen profitiert der dritte deutsche Autokonzern: Auf Daimler wäre wohl eine Strafe in Höhe von 727 Millionen Euro zugekommen. Aber weil sich die Stuttgarter geschickt auf Seite der Ermittler präsentierten, gehen sie mit null vom Platz. Vor einigen Jahren galt das Verhältnis von Daimler zu BMW deshalb auch als zerrüttet. (Urteil zum Diesel-Skandal: Umwelthilfe unterstellt Autobossen „Körperverletzung mit Todesfolge“)

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