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Boom der Schummel-Autos: Plug-in-Hybride werden zum Problem – das ist der Grund

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Von: Marcus Efler

Autos mit Plug-in-Hybrid feiern einen zweifelhaften Sieg. Warum sie nicht so sauber fahren wie erhofft – und wie Autohersteller das verändern wollen.

Berlin – Diese smarten Dienstwagenfahrer kennt wohl jeder. Oder er ist, Hand aufs Herz, selbst einer? Unterwegs ins Büro oder zum Kunden im schicken Plug-in-Hybrid von Audi, BMW oder Mercedes, mit dem E hinten am Kennzeichen, das verrät: Dieses Nobelmobil kostet den Fahrer nur die Hälfte der sonst üblichen, nervigen Dienstwagensteuer. Weil er ja ökologisch korrekt mit Strom fährt. Allein: Am Stromkabel sind diese Autos selten zu sehen – meist fahren sie mit dem Sprit, den die Firma zahlt. Die offizielle Verbrauchsangabe, die oft unter zwei Litern auf 100 Kilometer liegt, wird so zur Farce, denn sie rechnet die elektrische Fahrt mit vollem Akku ein. (Audi A7 55 TFSIe im Test: Die Fahrleistungen sind okay – doch beim Laden hapert’s)

Stecker in Strom-Ladebuchse (Symbolbild)

Strom statt Sprit: So sollte es bei Plug-in-Hybriden sein. (Symbolbild) © Thomas Trutschel/photothek/Imago

Boom der Schummel-Autos: Plug-in-Hybride werden zum Problem – das ist der Grund

Eigentlich war diese Art Hybrid-System, das ungefähr 50 bis 60 rein elektrische Kilometer ermöglicht, als Brückentechnologie gedacht – bis richtige Elektromobile sich durchgesetzt haben. Doch immer mehr zeigt sich, dass sie wohl das Auto der Zukunft antreibt. Im ersten Quartal dieses Jahres überholten derartige Pkw in der Zulassungs-Statistik, erstmals seit zweieinhalb Jahren, die reinen Elektromobile. Populär sind sie in ganz Europa: Dort brachten es die PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicles) im ersten Quartal auf 248.058 Zulassungen, reine Stromer dagegen nur auf 198.833. Im kompletten Jahr, so prognostiziert der Berliner Branchen-Analyst Schmidt Automotive Research, werden sie europaweit auf über eine Million Zulassung kommen. (Volvo XC40 Recharge im Alltagstest: Gelungener Stromer – aber Vorsicht mit dem Gasfuß)

Autokennzeichen mit Endbuchstabe E für ein Elektroauto, Nahaufnahme. (Symbolbild)

Begehrt: Das E-Kennzeichen gibt’s auch für Plug-in-Hybridautos. (Symbolbild) © Martin Bäuml/Imago

Boom der Schummel-Autos: Ein Provisorium wird zur Zukunfts-Technologie

Das liest sich dann zwar schön in Statistiken zur Elektrifizierung – und auch Hersteller wie BMW, Volvo und andere beziehen solche Pkw ausdrücklich in ihre Elektro-Strategie mit ein, wenn sie sich etwa mit Tesla messen. Der Umwelt helfen würde das freilich nur, wenn der Elektromotor tatsächlich zum Einsatz käme – sonst sind er und die Akkus nur zusätzlicher Ballast für den Benzinmotor. (Ekel-Attacke auf Münchener E-Ladesäule: Wer hasst eigentlich Elektroautos?)

Um auch Dienstwagen-Fahrer endlich dazu zu bringen, zu Hause Strom zu tanken, lassen sich die Autohersteller aber mittlerweile einiges einfallen: So ermöglichen es spezielle Wallboxen, den Energieverbrauch für das Auto separat vom Hausstrom zu erfassen und über die Firma – wie den Sprit – abzurechnen. Oder Hybrid-Fahrer erhalten besonders günstigen Öko-Strom. Letztendlich gilt die Hoffnung auch künftigen City-Bereichen, in denen man nur elektrisch fahren darf. Was, logisch, einen geladenen Akku voraussetzt.

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