Sensationelles Comeback

Vollelektrischer Manta: Opel bringt seinen Kult-Boliden zurück – Sportcoupé-Legende als Stromer

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
    schließen

Der Opel Manta wird elektrisch: Die Rüsselsheimer Autobauer stellen ein rein batteriegetriebenes Modell ihres Klassikers vor. Doch geht das Kult-Auto auch wirklich so in Serie?

Rüsselsheim – Der ein oder andere mag sich noch erinnern: Anfang der 1990er-Jahre war der sogenannte Manta-Witz groß in Mode. Man machte sich lustig über ein vermeintliches Klischee: Man unterstellte den Fahrern Einfältigkeit und proletenhaftes Auftreten. Stets trugen Manta-Fahrer in den zahllosen Witzen Cowboystiefel („Mantaletten“), waren mit Friseurinnen liiert, an der Antenne ihres aufgemotzten Opels baumelte ein Fuchsschwanz und auf der Heckscheibe klebte ein „Kenwood“-Aufkleber.

Bevor das Phänomen abebbte, gab es sogar Kino-Komödien wie etwa „Manta, der Film“ (1991). Im selben Jahr erschien auch „Manta, Manta“ mit Til Schweiger (57) in der Hauptrolle des muskulösen Machos „Bertie“. Wie die Witze ist heutzutage auch der Opel Manta fast komplett aus dem Straßenbild verschwunden. Das letzte Modell des Opel Manta B lief 1988 vom Band. Kein Witz ist dagegen: Opel lässt nun einen Manta aus dem ersten Baujahr 1970 wieder aufleben – mit Elektroantrieb. (Kultauto kommt zurück: Renault zeigt R5 als Elektro-Version – Reaktionen sind überwältigend)

Vollelektrischer Manta: Opel bringt seinen Kult-Boliden zurück – Sportcoupé-Legende als Stromer

Während die Manta-Witze sich auf den vor allem bei Tunern beliebten Opel Manta B (1975–1988) bezogen, der eher kantig und bullig daherkam, war der ab 1970 gebaute Opel Manta A quasi die Rüsselsheimer Antwort auf den Ford Capri – und optisch wesentlich weniger aggressiv als sein Nachfolger. Capri und Manta waren quasi als europäische Pony-Cars konzipiert, die den Erfolg des Ford Mustang in den USA wiederholen sollte. Allerdings hatte der Manta A ein großes Problem: seine schwache Motorisierung. Diese konnte mit dem sportlichen Äußeren des Fahrzeugs nicht mithalten. Speziell der ab 1972 angebotene 1,2-Liter-Vierzylinder aus dem Opel Kadett B mit gerade einmal 44 kW (60 PS) war für diese Art von Auto einfach zu lahm. In den Augen vieler Opel-Fans war die einzig adäquate Variante der ab dem Frühjahr 1974 angebotene Manta GT/E, der mit seinen 77 kW (105 PS) als gut motorisiert galt. (Neuer Volvo C40 Recharge: Den Stromer gibt’s ab Oktober – aber nicht beim Händler)

Der Opel Manta GSe ElektroMOD – die Rüsselsheimer haben den 1970er-Jahre-Klassiker mit Batterien ausgestattet.

Opel baut elektrischen Manta – volldigitales Cockpit statt traditioneller Instrumente

Nun hat Opel einen Manta A aus dem ersten Baujahr 1970 mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Der etwas ungelenke Name des Projekts: Opel Manta GSe ElektroMOD. Als GSE bezeichnete Opel früher die besonders sportlichen Varianten seiner Fahrzeuge – optisch dagegen erinnert das Einzelstück eher an den Manta GT/E. Allerdings hat es der Autobauer nicht beim Einbau des E-Antriebs belassen: Die historische Fahrzeug-Front musste weichen – der Manta GSe trägt das sogenannte Vizor-Gesicht. Und auch im Innenraum hielt moderne Technik Einzug: Statt traditioneller Zeiger-Instrumente wurde ein volldigitales Cockpit verbaut. (Volkswagen nimmt VW e-up! vom Markt – Mega-Lieferzeiten für E-Autos sind schuld)

Zu den technischen Daten hat Opel bislang nichts verraten, doch vermutlich arbeitet im Elektro-Manta die bereits bekannte E-Technik aus dem Mokka-e beziehungsweise Corsa-e – einen anderen Elektroantrieb haben die Rüsselsheimer nämlich aktuell nicht im Programm. Die Plattformtechnik der beiden Fahrzeuge stammt aus dem PSA-Konzern, aus dem inzwischen im Zusammenschluss mit Fiat Chrysler Stellantis geworden ist. Genauso knapp wie die Informationen zum Elektro-Manta ist das Bildmaterial. Bislang haben die Rüsselsheimer nur ein einziges Foto des Opel Manta GSe ElektroMOD veröffentlicht, das das Fahrzeug aus der Vogelperspektive zeigt.

Eines könnte der elektrisierte Manta mit seinem historischen Vorbild gemein haben: die eher schwache Motorisierung – zumindest wenn tatsächlich der aus dem Mokka-e bekannte Antrieb verbaut sein sollte. In unserem Test waren wir von der Leistung des Rüsselsheimer Stromers wenig angetan, der bereits bei Tempo 150 abgeregelt wird. Vor allem bei Zwischenspurts und ab Tempo 100 ging es zäh voran. Die Chance auf Serienfertigung des Elektro-Manta? Extrem gering. Die Nachfrage nach zweitürigen Coupés ist aktuell eher schwach einzuschätzen – noch dazu wenn es an der nötigen Leistung mangelt.

Rubriklistenbild: © Opel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare