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Oldtimer rauscht in Radarfalle: Deshalb war das Ford Modell T zu schnell

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Von: Christian Schulz

Dieses kuriose Blitzerfoto ist nicht gerade alltäglich: Das Bild scheint aus der Zeit gefallen zu sein – ein Rentner im Oldtimer rauscht in die Radarfalle.

Pfaffenhofen an der Roth – Die meisten Autofahrer dürften es bereits am eigenen Leib erfahren haben: Man fährt dahin, ist mit den Gedanken vielleicht für einige Sekunden woanders als bei der Geschwindigkeitsanzeige – und schon ist es passiert. Ohne großes Zutun braust man hinein in eine Radarfalle und diese schlägt erbarmungslos zu. Dann darf man sich ärgern und auf den fälligen Bußgeldbescheid warten. In selbigem wird einem nicht nur mitgeteilt, welche Geldstrafe einen erwartet und um wie viele km/h man das geltende Tempolimit überschritten hat – es wird auch ein Blitzerfoto als Beweismittel angehängt. Dieses ist immer schwarz-weiß, aber selten so kurios wie in diesem Fall. (Messerschmitt bringt Kabinenroller zurück – gebaut wird der Retro-Stromer in ...)

Oldtimer rauscht in Radarfalle: Darum war der Rentner zu schnell unterwegs

Denn auch die Mitarbeiter in der Ulmer Bußgeldstelle staunten nicht schlecht. So etwas war auch ihnen bisher noch nicht untergekommen. Das Blitzerbild, um das es geht, kann man mit Fug und Recht als extrem kurios bezeichnen. Die Aufnahme zeigt eine absolute Rarität im Straßenverkehr – das legendäre Ford-T-Modell. Am Steuer des historischen Oldtimers aus dem Jahre 1926 saß Rentner Anton Aubele aus Pfaffenhofen an der Roth. Gegenüber seinem 95 Jahre alten Schmuckstück ist der rüstige 67-Jährige noch ein echter Jungspund. (Elektro-Manta GSe: Opel-Chef denkt an Comeback des Kult-Boliden als Serienauto)

Hatte er deshalb voller Elan zu heftig aufs Gaspedal gedrückt? Weit gefehlt – der „rasende Rentner“ im Ford Model T, das im Volksmund auch „Tin Lizzy“ (dt.: „Blech-Liesel“) genannt wurde, war gerade einmal 10 km/h zu schnell. Und das ging ebenso flott wie unbemerkt – trotz der nur 20 PS des bis zur Ablösung durch den VW Käfer im Jahr 1972 meistverkauften Autos der Welt. Der Grund dafür liegt in einem ungewöhnlichen Detail – das man sich heute kaum mehr vorstellen kann. (Autos für 33,3 Millionen Euro entdeckt – darum verstaubt die Mega-Sammlung)

Ein Ford Modell T auf einem Blitzer-Foto (Montage)

Von wegen langsam: Rentner Anton Aubele war mit seinem Ford-Oldtimer zu schnell unterwegs. (Montage) © Christian Aubele

Oldtimer rauscht in Radarfalle: Das historische Ford Model T hat keinen Tacho

Denn als Ford seinerzeit die Fahrzeuge produzierte, gab es noch keine Tachos. Dementsprechend ist auch in Anton Aubeles Oldtimer keiner eingebaut. Gegenüber dem lokalen Radiosender „Donau 3 FM“ erklärt der Rentner: „Das Fahrgefühl ist ein ganz anderes. Die 70 km/h Höchstgeschwindigkeit, die er schafft, sind relativ eine sehr hohe Geschwindigkeit. Hinzu kommen die schmalen Reifen. Wenn Sie mit 70 km/h in eine Ortschaft reinfahren, ist das, wie wenn Sie mit einem normalen Pkw mit 150 km/h fahren.“ (Kein Scherz: Gebrauchter Volvo V70 für 17 Millionen Euro – wertvolles Detail ist der Grund)

Und wer notgedrungen ganz nach Gefühl fahren muss, der kann sich ruckzuck auch mal vertun, was das tatsächlich gefahrene Tempo angeht. Anton Aubele nimmt es mit Humor und scherzt: „Ich dachte, Tempo 30 wegen Lärmschutz gilt nur wochentags, aber nicht samstags.“ In der zuständigen Bußgeldstelle schüttelten sie zwar über das kuriose Foto ungläubig den Kopf – verstanden letztlich allerdings weniger Spaß. Dafür, dass der Rentner in der 30er-Zone mit 40 km/h unterwegs war, muss er erwartungsgemäß blechen – 15 Euro werden fällig. Oldtimer hin, Oldtimer her. (Drogen auf Blitzer-Foto: Kokst dieser Mann (21) ernsthaft bei voller Fahrt?)

Oldtimer rauscht in Radarfalle: Rentner importierte legendären Ford aus den USA

Anton Aubeles große Liebe zu seinem Ford Model T dürfte dies allerdings nicht erschüttern. Denn der 67-Jährige ist ein überaus großer Fan der amerikanischen Marke aus Dearborn im US-Bundestaat Michigan. Früher hat er selber einmal ein eigenes Ford-Autohaus geleitet. Den sehenswerten Oldtimer hat er bei einem privaten Anbieter in den Staaten erspäht – und für 15.700 Euro ergattern können. Rechnet man die nötigen Überführungskosten hinzu, hat er für das geschichtsträchtige Gefährt über 20.000 Euro hingelegt. Da kommt es auf das Bußgeld für den Geschwindigkeitsverstoß wirklich nicht an.

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