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Piëch GT: Mit diesem Flitzer will der VW-Erbe sein eigenes Ding machen

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Von: Marcus Efler

Der Name ist weltbekannt, das Auto soll es erst noch werden: So arbeitet Toni Piëch, Sohn des legendären VW-Patriarchen Ferdinand Piëch, an seinem ersten Serienmodell.

Memmingen – Ein großer Aufschlag auf dem Genfer Salon 2019 – dann war es lange sehr ruhig um das neue Elektro-Start-up Piëch Automotive. Jetzt kommt der Schweizer Autobauer wieder an die Oberfläche, und will 2024 liefern. Und das sehenswerte Erstlingswerk, ein zweisitziges Elektrocoupé mit mehr als 600 PS, fährt zumindest auf einem Testparcours in Memmingen schon mal ganz ordentlich für einen derart frühen Prototypen.

Knapp drei Jahre haben die Schweizer nun Zeit, den Piëch GT in den zuverlässigen Serienzustand zu bringen. „Die ersten Fahrzeuge werden Mitte 2024 zu den Kunden kommen“, verspricht Firmen-CEO Toni Piëch (47), eines der 13 Kinder von VW-Patriarch und Ausnahme-Ingenieur Ferdinand Piëch (82, † 2019). Und bei dem elektrischen Coupé dürfte es nicht bleiben, denn in den Jahren 2025 und 2026 sollen zwei weitere Modelle folgen: ein Luxus-SUV und danach ein viertüriger Gegner für den Porsche Taycan. (Lucid mit Reichweiten-Rekord: Neues Elektroauto schockt Tesla und Mercedes)

Piëch GT, seitlich
Im klassischen Coupé-Design: der Piëch GT © Piëch Automotive

Piëch GT: Mit diesem Flitzer will der VW-Erbe sein eigenes Ding machen

Nachdem sich die Firmenzentrale unverändert in Zürich befindet, zog die technische Entwicklung jüngst von München an den Flughafen Memmingen um. Das Unternehmen ist ein echtes Start-up – und entsprechend winzig die Belegschaft. „Wir haben am neuen Entwicklungsstandort Memmingen etwa 20 Techniker“, erläutert Chefentwickler Klaus Schmidt, der lange Jahre bei BMW tätig war, „dazu kommen rund 200 Entwickler von Zulieferern, die bei uns sitzen und die Projekte umsetzen.“ Mehr als 50 Zulieferer sind tief in die Entwicklung einbezogen und sollen dafür sorgen, dass schon in den nächsten Monaten eine Testflotte von rund 15 Fahrzeugen entsteht.

Die Produktion soll ab dem Jahre 2024 bei einem der großen Auftragsfertiger stattfinden. Hier ist das bekannte Trio aus Valmet Automotive, Magna Steyr und VDL NedCar im Gespräch, wobei die Schweizer mit Blick auf minimale Kosten und maximale Flexibilität zwei Firmen beauftragen wollen. Im ersten Produktionsjahr 2024 sollen 1.200 Fahrzeuge vom Auftragsband in alle Welt exportiert werden. Mittelfristig hält Firmen-Chef Toni Piëch auch eine Fertigung im Heimatland Schweiz für möglich. (Elektroautos: Darum müssen sie in Zukunft wieder Lärm machen)

Piëch GT: In weniger als drei Sekunden auf Tempo 100

Der Erstling Piëch GT ist ein überaus sehenswertes Sportcoupé, irgendwo angesiedelt zwischen Aston Martin DB11, Audi e-tron GT und Mercedes-AMG GT. Zielpreis: knapp 200.000 Euro, Zielgewicht: unter 1,8 Tonnen. Dafür gibt es drei identische Elektromotoren (einer vorne, zwei hinten), ein 70-kWh-Akkupaket, 450 kW/611 PS, 500 Kilometer Reichweite und 250 km/h Spitze. Fast schon üblich für einen Elektrosportler: null auf Tempo 100 in weniger als drei Sekunden.

Piëch GT, fahrend
Flott unterweg: Der Piëch GT soll Porsche und Audi Paroli bieten. © Maground GmbH

Die Akkuzellen hat Piëch in enger Abstimmung mit einem europäischen Zulieferer selbst entwickelt und lässt das Batteriepaket ebenfalls als Auftragsarbeit fertigen. Die Fahrzeugplattform mit variablem Radstand (2,62 oder 3,02 Meter) und einem Batteriepaket in T-Form bietet dank verschiedener Module die Möglichkeit, mit überschaubarem Aufwand auch Viersitzer und SUV zu fertigen. „Wir könnten damit bis zu 50 verschiedene Varianten machen“, erläutert Klaus Schmidt und steigt in den GT-Prototypen: „So viele sollen es natürlich nicht werden. Doch mit Radstand, Dachform und sogar verschiedenen Antriebsarten haben wir alle Möglichkeiten für Cabrio, Targa, Spider, SUV oder einen Shooting Brake.“ (Rolls-Royce wird elektrisch: Was bleibt vom legendären Luxus?)

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Piëch GT stehend, Heckansicht
Das Leuchtenband informiert auch über den Ladestand. © Piëch Automotive

Piëch GT: In nur fünf Minuten 80 Prozent Akku nachladen

Die flexible Bauform der Bodenplatte erlaubt auch die Montage von Wasserstofftanks nebst Brennstoffzelle oder eines eingebauten Sechszylinders, der als Powerhybrid dienen und von Elektromotoren unterstützt werden könnte. Die Batterie der zuerst geplanten Akku-Version erstarkt in weniger als fünf Minuten auf 80 Prozent. Aufgeladen wird über einen eigenen Stecker im Heck, das nach der Premiere der Genfer Konzeptstudie „Mark Zero“ deutlich überarbeitet wurde und mit dem umlaufenden LED-Lichtband markiger als bisher ist. Wenn der eigens entwickelte Piëch-Lader nicht verfügbar ist, kann auch an einer CCS-Schnellladesäule nachgetankt werden. Über den Ladestand informiert nicht nur das Display im puristischen Innern des Elektrosportlers, sondern auch das umlaufende LED-Band am Heck.

Toni Piëch mit der Studie Mark Zero auf dem Genfer Salon 2019
Gründer Toni Piëch mit der Genfer Studie „Mark Zero“. © Uli Deck/dpa

Vertrieben werden sollen die Piëch-Modelle nur online mit entsprechender Individualisierung und einer imposanten Markenwelt an 60 geplanten Stützpunkten. Mit Europa ist es damit längst nicht getan, denn die Elektroautos werden ebenso in Nordamerika, Asien und den Emiraten angeboten: Das sind große Pläne – wie es sich für ein Start-up gehört. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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