Der Inhaber ist Milliardär

Große Pläne: Vietnamesischer Hersteller Vinfast will mit E-Autos die USA erobern

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Auf dem Pariser Autosalon vor knapp zwei Jahren hatte Vinfast seinen ersten großen Aufschlag. Der Autobauer aus Vietnam wollte auch in Europa Eindruck machen. Jetzt nimmt der Autoableger der Vingroup in erster Linie die USA ins Visier – mit Elektroautos.

  • Der vietnamesische Autohersteller Vinfast will mit Elektroautos die USA erobern
  • Vinfast-Inhaber Pham Nhat Vuong gilt als einer der reichsten Männer Vietnams
  • Das erste E-Auto von Vinfast soll im November in Los Angeles präsentiert werden

Hai Phong – Man mag darüber trefflich streiten, ob der schon vor zwei Jahren weitgehend unbedeutende Automobilsalon in Paris (Corona als Todesstoß: Automessen vor dem endgültigen Aus?) der rechte Ort für eine große Markenpremiere war. Doch Vinfast, in unseren Breiten weitgehend unbekannter Autobauer aus Vietnam, wollte ein weithin hörbares Ausrufezeichen in Europa setzen. Dafür war der eigens engagierte Ex-Fußballer David Beckham (45) genau der richtige. Die Kameras klickten, Interviews wurden geführt und das Interesse war da – zunächst. Seit diesem Herbst 2018 ist es zumindest in Europa ruhig geblieben um den automobilen Ableger der in Asien so mächtigen Vingroup.

Vinfast: Des Geld der Muttergesellschaft stammt unter anderem aus Landwirtschaft und Tourismus

Im Heimatland Vietnam ist Vinfast unter seinem Inhaber Pham Nhat Vuong seit Jahren im Bereich der Modulfertigung (CKD / SKD) für verschiedene Firmen tätig und produziert dort unter anderem das lokale Fortbewegungsmittel Nummer eins: Roller. Doch immer mehr Vietnamesen wollen ein Auto und so brachte man insbesondere mit Hilfe deutscher Kooperationspartner drei Modelle auf den Markt: ein Kleinwagen, einen Oberklasse-SUV und eine Oberklasselimousine. Das Geld der Vingroup stammt dabei aus ganz anderen Bereichen wie Bau/Immobilien, Landwirtschaft, Tourismus und Einzelhandel.

Der Vinfast Lux A 2.0 basiert auf dem alten BMW 5er.

Ein Team ehemaliger GM-Verantwortlicher hatte zunächst die beiden Modelle Vinfast Lux A 2.0 und Vinfast Lux SA 2.0 auf den lokalen Markt fahren lassen. BMW (BMW im Wandel: So elektrisierend sieht die Zukunft der Münchner aus) hatte der Vingroup die Lizenz erteilt, die technischen Plattformen des ausgelaufenen BMW X5 sowie des ehemaligen BMW 5er zu nutzen, um die ersten beiden Vinfast-Modelle so schnell als möglich Realität werden zu lassen.

Der Innenraum des Vinfast Lux A 2.0 erinnert an eine Mischung aus BMW und Volvo.

Vinfast: Das Markenlogo der Vietnamesen ist ein „V“

So wurde innerhalb kürzester Zeit aus dem ehemaligen Oberklassemodell aus Dingolfing das vietnamesische Gegenüber Vinfast Lux A 2.0. Der in Spartanburg produzierte BMW X5 älterer Bauart wurde derweil zum Vinfast Lux SA 2.0. „Der hohe Wiedererkennungswert der Marke, der von einer eleganten Linienführung und erlesenen Details gestützt wird, beruht auf mehreren markanten Highlights“, so Designchef David Lyon, „das wichtigste Element hierfür ist das ,V‘-Logo am Kühlergrill, das vom Landesnamen, aber auch von den Markennamen Vingroup und Vinfast abgeleitet ist. Zusammen mit Pininfarina haben wir jede einzelne Linie sorgfältig modelliert, um der Schönheit Vietnams und der Warmherzigkeit seiner dynamischen Bevölkerung durch eine moderne Designsprache auf Weltklasseniveau Ausdruck zu verleihen.“

Die Fahrzeuge stammen aus dem Automobilwerk im Dinh Vu Industrial Park in Hai Phong. Die Produktionsstätte auf einem 335 Hektar großen Gelände – gebaut und koordiniert von Siemens in gerade einmal 21 Monaten – kann pro Jahr bis zu 250.000 Fahrzeuge fertigen; eine Verdoppelung der Kapazität ist eingeplant.

Das Vinfast-SUV SA 2.0 basiert auf dem letzten BMW X5 (F15).

Vinfast: Produziert werden die Modelle des Autobauers ausschließlich in Vietnam

Vinfast hat damit das einzige Werk in Vietnam, das in der Lage ist, eine komplette Automobilproduktion inklusive Herstellung von Hauptkomponenten wie Fahrgestell oder Motor durchzuführen. Neben den beiden abgelegten BMW-Modellen Vinfast Lux SA und Vinfast Lux A wird als Einstiegsmodell mittlerweile der Vinfast Fadil gefertigt, der technisch auf dem Opel Karl Rocks basiert. In den kommenden Jahren will Vinfast weitere Modelle vorstellen, die nahezu alle Segmente abdecken und auch über alternative Antriebe verfügen.

Verstärkt wollen die Vietnamesen rund um Firmenchef Pham Nhat Vuong auf den US-Markt und somit auf Elektrofahrzeuge setzen. Hierzu haben Vinfast und LG Chem ein gemeinsames Akkuunternehmen mit Namen VLBP gegründet. Ziel des neuen Unternehmens ist es, in Vietnam Lithium-Ionen-Akkupakete für die eigenen Elektromodelle herzustellen. Vinfast ist für den Betrieb der Produktionslinie und die Lagerung der Lithium-Ionen-Akkus verantwortlich, während der koreanische Zulieferer LG Chem die nötige technische Unterstützung leistet und das Facility-Management überwacht.

Vinfast: Das erste E-Auto für den US-Markt soll ein Crossover werden

Die neuen Elektromodelle sollen ebenfalls in Vietnam gefertigt und dann ab 2021 in die USA und nach Europa exportiert werden. Die Gelder für die Expansion in die USA sollen von Investoren und aus dem eigenen Vermögen des Milliardärs stammen, der als einer reichsten Männer Vietnams gilt und zwei Milliarden Dollar beisteuern will. Das erste Elektroauto (E-Autos: Mit welchen Überraschungen Sie bei der ersten Fahrt rechnen müssen) für den amerikanischen Markt soll ein Crossover mit einer Reichweite von rund 450 Kilometern sein, der auf der Los Angeles Autoshow im November 2020 enthüllt werden sollte.

Die Modelle von Vinfast – wie dieser Lux A 2.0 – werden bislang ausschließlich in Vietnam produziert.

Doch die Durchführung der Motorshow in der Millionenmetropole an der Westküste der USA steht wegen des Coronavirus in den Sternen. Daher ist ungewiss, ob die Premiere ins kommende Jahr verschoben wird. Ab Winter sind umfangreiche Testfahrten in den USA geplant und bereits ab Sommer 2021 könnte die Massenproduktion in Vietnam erfolgen. Nach der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus – gerade auch in den USA – scheinen diese Termine ungewisser denn je.

Nicht in Frage scheint jedoch zu stehen, dass Vinfast in den Vereinigten Staaten so schnell als möglich auf den Markt rollen will. Die zahlreichen Hersteller aus China, die das bisher ohne Erfolg versuchten, scheinen Firmeninhaber Pham Nhat Vuong und die finanzstarke Vingroup nicht abhalten zu können (Stefan Grundhoff / press-inform).

Rubriklistenbild: © Vinfast

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