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Yoke-Lenkrad: Neues Tesla-Steuer im Test – nach Eingewöhnung geht’s

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Von: Christian Schulz

Teslas neues Yoke-Lenkrad bleibt umstritten. Ein Tester zeigt, wie umständlich Elon Musks rechteckiges Steuer zu bedienen ist – man muss sich dran gewöhnen.

San Francisco (Kalifornien) – Piloten kennen es bestens: Mit dem Steuerhorn (engl.: „Yoke“) manövrieren sie über Seilzüge ihre Maschinen durch die Luft. Nun hat Elektroauto-Hersteller Tesla dafür gesorgt, dass es sich auch im Pkw wiederfindet – und dort das gewöhnliche Lenkrad ersetzen soll. Zunächst im Tesla Model S Plaid, der Version mit großem Akku und über 600 Kilometern Reichweite. Ob es wirklich praktikabel und auch in Europa genehmigungsfähig ist? Zumindest sieht ein Lenk-Rechteck wie das Tesla Yoke futuristisch und ein bisschen nach Rennwagen aus – auf jeden Fall aber nach Hightech. Ganz besonders in einem voll digitalisierten E-Auto. Grundsätzliche Idee ist die Verbannung sämtlicher Hebel und Tasten aus dem Cockpit – schon immer die große Vision von Tesla-Boss Elon Musk. Doch wie fährt es sich mit dem Yoke-Lenkrad? (Tesla-Show: Elon Musk feiert Model S Plaid – und kurioses Yoke-Lenkrad)

Yoke-Lenkrad: Neues Tesla-Steuer im Video – so viel Eingewöhnung braucht man

Einer der Tesla-Kunden, die das neue Tesla Model S Plaid schon erhalten haben, ist Omar Sultan aus San Francisco. Der Mitarbeiter des US-amerikanischen Telekommunikations-Riesen Cisco ist leidenschaftlicher E-Auto- und Tesla-Fan. Aus diesem Grund twittert er auch regelmäßig zu diesen Themen und unterhält eine eigene Bild- und Videogalerie auf der Plattform „SmugMug“. Sein neuestes Projekt ist eine Art Tagebuch, in dem er seine Ersteindrücke vom neuen Tesla dokumentiert. In seinem zweiten Video zum Model S Plaid widmet sich Omar Sultan dem umstrittenen Yoke-Steuer – und erklärt, warum es gewöhnungsbedürftig ist. (Teslas neues Yoke-Lenkrad illegal? Elon Musk droht Ärger mit der Verkehrsaufsicht)

Ein Fahrer fährt ein Tesla Model S Plaid mit dem neuen Yoke-Lenkrad.
Solange beide Hände am Lenkrad sind und es geradeaus geht, ist mit Teslas Yoke-Steuer alles easy. In Kurven wird es kompliziert. © Omar Sultan

In Omar Sultans Video von einer Fahrt mit dem Yoke-Lenkmodul zeigt sich eines recht schnell: Die Hoffnung, das Tesla Model S Plaid würde passend zum Flugzeug-Steuer eine direktere Übersetzung wählen, erfüllt sich nicht. Das verwundert – denn eigentlich sollte es technisch möglich sein, ein Drive-by-Wire-System (ohne mechanische Kraftübertragung) so zu gestalten, dass bei niedrigem Tempo eine Viertelumdrehung des Telsa Yoke für vollen Lenkeinschlag ausreicht. Dies würde ein kompliziertes und fehleranfälliges Umgreifen durch den menschlichen Fahrer überflüssig machen. Wie im Videoclip zu sehen ist, muss man allerdings kräftig kurbeln. (Tesla schafft Lenkrad ab: So funktioniert das Yoke-Steuerhorn im Model S Plaid)

Yoke-Lenkrad: Neues Tesla-Steuer im Video – Lenk-Rechteck nur für Autopilot?

Für Elon Musks Lenk-Rechteck sollte man offenbar einiges an Eingewöhnungszeit veranschlagen. Während beim langsamen Abbiegen nach rechts die rechte Hand schnell beschäftigungslos ist, muss Tesla-Fan Omar Sultan während des Drehens umgreifen. Das wirkt doch gehörig umständlich – und ist für ungeübte Fahrer vielleicht sogar gefährlich. Als das Tesla Model S Plaid anschließend geradeaus fährt, kommt die von Tesla-Chef Elon Musk gerühmte freie Sicht aus dem Cockpit sowie auf die Anzeigen zur Geltung. Dadurch dass das Lenkrad quasi abgeschnitten ist, verdeckt es keinen Blick. (Merkwürdiges Tesla-Lenkrad: Touch-Knopf statt Blinkerhebel – ob das wirklich funktioniert?)

Der Fahrer eines Tesla Model S Plaid mit dem neuen Yoke-Lenkrad muss umgreifen.
Ständiges Umgreifen: Selbst Richtungsänderungen bei geringer Geschwindigkeit werden zur umständlichen Angelegenheit. © Omar Sultan

Dann biegt Omar Sultan erneut ab, wagt sich in einen Kreisverkehr – und testet auf einem Parkplatz sogar das Fahren einiger Achter-Kurven. Im Video sofort zu erkennen: Es ist wieder jede Menge Kurbel-Arbeit vonnöten. Der Fahrer des Tesla Model S Plaid muss gleich mehrfach umgreifen oder das Yoke-Steuer blitzschnell an ungewöhnlichen Stellen anfassen, um die Lenkung zu korrigieren und in den richtigen Bahnen zu halten. Im Grunde ist das visionäre Steuer komplett für das Fahren mit dem Tesla-Autopilot und die nach mehreren schlimmen Unfällen umstrittene „Full Self Driving“-Funktionalität (FSD, „vollständiges Selbstfahren“) ausgelegt. Ob das Yoke wirklich einen Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Lenkrad bringt? Vielleicht nicht, solange man noch selber fährt. (Tesla-Autopilot: Kalifornien ermittelt wegen FSD-Funktion – Täuschung durch Elon Musk?)

Yoke-Lenkrad: Neues Tesla-Steuer im Video – Fahrer müssen Steuer akzeptieren

Omar Sultan ist nicht auf Anhieb begeistert – will allerdings nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen. „Mein Yoke-Abenteuer geht weiter“, schreibt er in seinem Twitter-Beitrag. Nach einer intensiven Testphase von 72 Stunden komme er nach und nach besser zurecht. Wie er meint, löse er sich langsam von alten Gewohnheiten und schule sein Gehirn auf neue Yoke-Routinen. Das brauche aber sicherlich seine Zeit. Sein Rat: Man müsse sich abgewöhnen, das Yoke wie ein rundes Lenkrad nutzen zu wollen. Sich von dieser Vorstellung zu lösen, sei dringend erforderlich. Stattdessen müsse man Elon Musks Lenk-Rechteck als das akzeptieren, was es ist. Allerdings könne er auch Menschen verstehen, die das nicht wollten. (Tesla-Geständnis: Autonomes Fahren weit entfernt – doch Elon Musk verspricht „Full Self Driving“ für alle)

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