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Teslas neues Yoke-Lenkrad illegal? Elon Musk droht Ärger mit der Verkehrsaufsicht

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Von: Christian Schulz

Die Facelift-Tests von Tesla Model S und Tesla Model X sind in der Endphase. Doch ist Teslas neues Lenkrad etwa illegal? Elon Musk droht neuer Ärger mit der Verkehrsbehörde.

Palo Alto (Kalifornien) – Auf US-Elektroauto-Hersteller Tesla kommt unter Umständen ein neues Problem zu. Das Unternehmen von Tech-Guru und Multimilliardär Elon Musk könnte erneut wegen Sicherheitsbedenken Schwierigkeiten mit der Verkehrsaufsicht bekommen. Dabei liegt der letzte Ärger mit der zuständigen US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (vergleichbar mit dem Kraftfahrt-Bundesamt bei uns) erst wenige Wochen zurück. Neuer Streitpunkt könnte Teslas futuristisches Lenk-Konzept werden, das sich vom guten alten Lenkrad verabschiedet – und auf ein Yoke (dt.: „Joch“ oder „Bügel“) genanntes Steuer setzt. Ein weiterer Schritt in Richtung autonomes Fahren?

Das brandneue Yoke-Lenkrad von Tesla
Teslas brandneues Yoke-Lenkrad sorgt für Diskussionsstoff: Verbietet die Verkehrsaufsicht Elon Musks visionäres Steuer? © Tesla

Teslas neues Yoke-Lenkrad illegal? Elon Musk droht Ärger mit der Verkehrsaufsicht

Erst vor Kurzem hatte die NHTSA eingegriffen und Tesla ausgebremst. Die Behörde hatte bei gleich mehreren Tesla-Modellen einen gravierenden Defekt am Bordcomputer entdeckt. Dieser hat teilweise dramatische Folgen: Durch fehlerhafte Software in den Elektroautos funktionieren sowohl die Rückfahrkamera als auch andere wichtige Sicherheitseinrichtungen nicht richtig. Von dem schwerwiegenden Defekt betroffen sind vor allem Limousinen vom Typ Tesla Model S aus den Baujahren 2012 bis 2018 sowie Crossover vom Typ Tesla Model X aus den Jahren 2016 bis 2018. Mehr als 140.000 Elektrofahrzeuge mussten deshalb zurückgerufen werden. Nach Prüfung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) betraf dies auch in Deutschland fast 10.000 Fahrzeuge. Ein herber Rückschlag für Elon Musk und sein E-Auto-Unternehmen. (Elon Musk will Tesla Roadster schon 2022 schweben lassen – mit Raketen-Power von SpaceX)

Mit einem Facelift für das Model S und Model X hat Tesla zuletzt ein gewaltiges Echo ausgelöst: Dabei geriet jedoch weniger die brachiale Leistung der Plaid-Versionen mit ihren mehr als 1.000 PS in den Fokus – sondern vor allem das neue Interieur. Dass der zentrale Monitor um 90 Grad gedreht wurde und nun im Quer- anstatt im Hochformat verbaut ist, steht dabei weniger im Zentrum der Diskussion. Viel überraschender ist das „halbierte“ Lenkrad in Form einer Art Flugzeug-Steuerknüppel (auch Steuerrad oder Steuerhorn genannt). Okay, die Sicht auf das Tacho-Display ist dadurch besser – doch viele Experten und Autofans stellten sich die Frage, ob diese alternative Bauform des Steuers überhaupt zulassungsfähig ist. Dies schien von Beginn an fraglich – und erhebliche Zweifel sind nach wie vor angebracht. (Apple iCar soll 120.000 Euro kosten – sieht so das Ende der deutschen Autoindustrie aus?)

Blick auf das Lenkrad des facegelifteten Tesla Model S
Blinker per Touch-Bedienung? Auch Licht, Hupe und Scheibenwischer lassen sich bei Tesla offenbar nur noch so bedienen. © Tesla

Ist Teslas neues Lenkrad illegal? Das Yoke-Steuer erinnert eher an ein Flugzeug-Cockpit

Zwar hat sich die technikaffine Autogemeinde längst daran gewöhnt, dass Elon Musk und Tesla die Grenzen der Automobiltechnologie kontinuierlich erweitern – aber diesmal könnten die kalifornischen E-Autobauer einen Schritt zu weit gegangen sein. Denn das seltsame neue Lenkrad-Setup der Marke ist schon ein heftiger Bruch mit allem bisher Dagewesenen. So verzichtet das Yoke-Lenkrad vollständig auf Blinkerhebel und andere gewohnte Details – und verwendet anscheinend teilweise Künstliche Intelligenz (KI), um zu ermitteln, welches Signal vom E-Auto wann angezeigt werden soll. Die Kontroverse darum ist selbstverständlich vor dem Hintergrund zu sehen, dass Elon Musk vollmundig angekündigt hat, Tesla werde noch 2021 seine vollständig selbstfahrende FSD-Technologie („Full Self Driving“) einführen. (Autopiloten im Duell: Tesla gegen Waymo-Taxi – wer ist schneller?)

Das Lenkrad soll Teil der Ausstattung der aktuell aufgefrischten Tesla Model S und Tesla Model X sein. Für viele stellt dies einen weiteren Schritt in Richtung autonomes Fahren dar – bei dem die Freude am Fahren ohnehin bald der Freude am Gefahrenwerden weichen könnte. Manche Betrachter fühlen sich jedoch eher an ein Flugzeug-Cockpit als an ein Auto erinnert und spotten, das neue Steuer sehe aus wie aus einem Science-Fiction-Film – aber einem der 1990er-Jahre. (Revolutionäre Scheibenwischer-Technik beim Tesla Roadster? Patentamt bestätigt Elon Musks Pläne)

Blick in den Innenraum des Tesla Model S nach dem Facelift
Ein „abgeschnittenes“ Lenkrad? Tesla scheint es in Model S und Model X tatsächlich anbieten zu wollen. © Tesla

Ist Teslas neues Lenkrad illegal? Die US-Verkehrsbehörde äußert sich verdächtig reserviert

Nun hat die NHTSA das neue Tesla-Steuer untersucht – und eine verdächtig zurückhaltende Position dazu eingenommen. Während es vonseiten der US-Verkehrsbehörde zuvor hieß, dass sie nicht bislang nicht feststellen könne, „ob das Lenkrad den Sicherheitsnormen des Bundes für Kraftfahrzeuge entspricht“ – klingt das Ganze nun anders. (Tesla Model 3 fährt ohne Fahrer los: Frau erschrickt zu Tode – und will das Auto stoppen)

In einer Erklärung gegenüber dem Portal Teslarati äußert sich die Organisation merklich vorsichtig hinsichtlich der Zukunft des ungewöhnlich geformten Steuers: „Wir sind uns der Fragestellungen bezüglich des kürzlich eingeführten Yoke-Lenkelements in bestimmten Fahrzeugen des Model S bewusst. Wir haben von Tesla Informationen über das Lenkrad angefordert und erhalten. Was daraus wird, möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Die NHTSA arbeitet während ihrer Überprüfungen regelmäßig aktiv mit Autoherstellern und Zulieferern zusammen, um neue Technologien und Funktionen besser zu verstehen.“ Ein überzeugtes Ja zu Teslas neuem Lenker lässt sich da kaum herauslesen. Ob aus der deutlichen Reserviertheit konkrete Probleme für das Unternehmen erwachsen, bleibt abzuwarten.

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