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Ist dieser Smart noch smart? Neues Modell erschüttert Fans

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Von: Marcus Efler

Daimler lässt seinen Kleinstwagen Smart künftig in China entwickeln und bauen – und es wird ein ganz anderes Auto. Fans sind erschüttert, Experten aber zuversichtlich.

Stuttgart – „Die Länge des Autos allein ist für uns keine bestimmende Größe mehr“: Wenn Markenchef Daniel Lescow über die nächste Generation des Smart spricht, deutet sich eine Revolution an. Die Skizzen, die Daimler-Designchef Gorden Wagener dazu zeigt, verleihen der Aussage eine zusätzliche Dramatik. Denn wenn die Schwaben mit ihrem chinesischen Partner Geely im Herbst erst die Studie und im Jahr darauf dann das Serienmodell präsentieren, hat das mit dem Vorgänger nur noch den Namen gemein: Aus dem Winzling für zwei wird ein ausgewachsenes, über vier Meter langes SUV für fünf, das in einer Liga mit dem Mini Countryman oder dem Mercedes EQA fährt. „Der Smart wird erwachsen“, sagt Wagener und meint damit nicht nur das Format, sondern auch die Form. Denn das kindliche Grinsegesicht hat er dem Smart genauso ausgetrieben wie den verspielten Plastiklook im Innenraum. „Winzig und niedlich waren gestern“, sagt der oberste Designer in Stuttgart: „Das neue Smart-Kapitel wird cool und sexy, es wird wertig.“ (Renault Captur E-Tech: City-SUV aus Frankreich hat drei Motoren)

Ist dieser Smart noch smart? Neues Modell erzürnt Fans

Künftig stammt nur noch das Design aus Deutschland. Seit zwei Jahren wird Smart als Joint Venture mit Großaktionär Geely geführt, dessen Techniker den Ton angeben. Deshalb steht der Wagen künftig nicht etwa auf der Mercedes-Plattform, sondern nutzt die für Reichweiten von mehr als 700 Kilometern ausgelegte sogenannte Sustainable Experience Architecture. Auf der baut Partner (und übrigens auch Volvo-Eigner) Geely auch E-Autos wie den Lynk & Co Zero oder den Zeekr 001. Weil die gesamte Antriebstechnik im Boden steckt, dürfte der Smart innen sogar mehr Platz bieten als der EQA von Mercedes selbst. Und wenn die Chinesen ihm tatsächlich 800-Volt-Technik spendieren, lädt er auch sehr viel schneller. Die mageren 150 Kilometer Reichweite des aktuellen Modells seien für den Nachfolger jedenfalls kein Maßstab mehr, erklärt Lescow – wie auch die 130 km/h Höchstgeschwindigkeit. (Lynk & Co 01 im Test: Diesen cleveren Knopf hat kein anderer Autohersteller)

Zeichnung des künftigen Smart-SUV

Erster Eindruck: So soll das künftige Smart-SUV aussehen © Daimler

Ist dieser Smart noch smart? Detaillösungen sollen überraschen

Obwohl der Smart dann kein Winzling mehr sei, betont Markenchef Lescow, werde er weiterhin mit besonders cleveren Lösungen überraschen. Zum Beispiel einem serienmäßigen digitalen Schlüssel auf dem Smartphone oder LED-Elementen in der Karosserie, die in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich leuchteten. Das Infotainment-System werde ähnlich revolutionär wie das aktuelle MBUX von Mercedes, nur etwas spielerischer. Und vor allem bleibt der Body-Space-Index eine wichtige Kenngröße: „Gemessen an der Außenlänge bietet auch der neue Smart spürbar mehr Innenraum als konventionelle Fahrzeuge“, verspricht Wagener. (Elaris Finn: Elektrozwerg aus China soll Deutsche begeistern – mit Tiefstpreis)

Ist dieser Smart noch smart? „Der Smart ist nicht mehr clever“

Jedenfalls sind die Zeiten vorbei, in denen sich Daimlers jungen Wilde, angeführt von City-Car-Visionär Johann Tomforde und inspiriert vom Swatch-Chef Nicolas G. Hayek, der maximalen Minimierung verschrieben hatten. „Reduce to the Max“, lautete der erste Marken-Claim, der Name Smart bedeutete nicht nur schlau, sondern war auch Abkürzung für Swatch-Mercedes-Art. Die Fans trauern dem anfangs nur 2,50, aktuell 2,70 Meter kurzen, gerne mal quer geparkten Bonsai-Benz denn auch schon hinterher: „Der Smart ist nicht mehr clever“, zetern sie, und geißeln die Entscheidung als weiteren Beweis für den einfallslosen Gigantismus der PS-Branche. Kleiner Trost: Noch wird der von Renault entwickelte, aktuelle fortwo im mittlerweile verkauften Werk Hambach im Elsass gebaut, und Daimler nennt auch noch kein Datum für das Ende. (Elektro-SUV unter 40.000 Euro – so schlägt sich der Mercedes EQA im ersten Test)

Zeichnungen des künftigen Smart-SUV

Design aus Stuttgart, Technik aus China: das Smart-SUV © Daimler

Ist dieser Smart noch smart? Jetzt dürfen die Chinesen ran

In den bislang 23 Jahren seiner Produktionszeit war der Kleinstwagen wirtschaftlich indes immer hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die Fabrik nie ausgelastet, und trotz Kooperationen mit Mitsubishi und Renault immer ein Zuschuss-Geschäft. Das kleinste Modell im Daimler-Imperium gilt als größter Flop, die Verlust-Schätzungen gehen in die Milliarden.  Mit einem kompakten SUV (wie er übrigens 2004 als „formore“ schon mal angedacht war) sollte in China und Europa aber durchaus etwas zu reißen sein: Ist es doch das mit Abstand größte Marktsegment mit rosigsten Prognosen. Deshalb ist die radikale Kehrtwende vielleicht die letzte Chance für die Marke, glaubt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer: „Mit Geely sind die Chancen für den langersehnten Durchbruch gut“, ist der Professor vom Center Automotive Research in Duisburg überzeugt. Die neue Plattform erlaube ein modernes Elektroauto, ein vollelektrisches City-SUV passe in die Zeit. „Damit erhält der Smart endlich Bewegungsfreiheit und bleibt nicht auf die enge Heckmotor-Plattform beschränkt“, ist er überzeugt. Gleichzeitig könnten die neuen Partner weiter auf die emotionale Stärke der Marke nutzen. Die Arbeitsteilung zwischen Geely für Technik und Produktion und Daimler für Design, Marketing und Vertrieb sei sinnvoll und erlaube eine Internationalisierung: „Mit Geely kann es in China gelingen, Smart gut im größten Automarkt der Welt zu positionieren. Und Daimler hat dann auch in Europa die besten Voraussetzungen, Smart zum Erfolg zu führen“, so Dudenhöffer. (Boom der Elektro-Autos: Das müssen Sie über die Stromer wissen)

Ist dieser Smart noch smart? Experten geben sich wohlwollend

Auch Design-Professor Lutz Fügener von der Hochschule in Pforzheim gibt sich versöhnlich. Zwar war der bekennende Smart-Fan der ersten Stunde sichtlich überrascht von den Skizzen und trauert schon jetzt dem radikalen Raumkonzept und dem garantierten Erfolg bei der Parkplatzsuche hinterher. „Die Identität eines Modells und einer Marke ist ein großes Pfund, mit dem die Designer sehr behutsam umgehen“, sagt der Experte: „Dabei hat Smart das Glück, nicht wie etwa Porsche beim 911 oder BMW beim Mini auf ein altes Ideal aus einer längst vergangenen Ära zurückgreifen zu müssen. Das Original ist modern und zeitgemäß.“ Doch ob es richtig ist, nicht nur das Format, sondern auch die Form völlig zu verändern? „Das werden die zukünftigen Zahlen zeigen“, sagt der Professor: „Aber es ist auf jeden Fall radikal und konsequent. Und passt damit dann doch wieder zur Marke.“ (Von Benjamin Bessinger/SP-X)

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