1. 24auto
  2. News
  3. Neuheiten

MG Marvel R: Ist das China-SUV ein würdiger Erbe für die sportlichen Briten?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Unter einem traditionsreichen Namen bietet der chinesische SAIC-Konzern Europäern fortan sein Akku-SUV an. Kann das gut gehen?

Amsterdam – An Selbstbewusstsein mangelt es dem Chef von MG Motors Europe nicht: „Bei Elektroautos hat kein Hersteller gerade antriebsseitig einen großen Vorsprung vor dem anderen“, behauptet Matt Lei und erklärt forsch: „Wir können aber manches schon besser als andere.” Bei diesen Worten tätschelt er die Motorhaube seines neuesten Produktes: Der MG Marvel R soll den Durchbruch auf dem Weltmarkt sichern. Hier müssen Autofans schon mal schlucken: MG, der legendäre englische Hersteller, in der Hand von Chinesen? Für den, der es verpasst hat: Ja, nach dem Untergang des britischen Auto-Imperiums und einigem Hin und Her gehört die Marke jetzt dem Shanghaier Konzern SAIC. Mit dem Ideal früherer MG-Modelle, wie es etwa die Roadster MGB und MG F verkörperten, haben die Chinesen allerdings nicht viel am Hut. Ihr unspektakulärer Einstand in Europa, der konventionelle ZS, hatte mit soliden Leistungen, guter Crashtest-Wertung und ordentlicher Verarbeitung aber immerhin wohlwollende Kritiken erhalten. (MG ist zurück: Elektro-Kombi MG5 Electric soll im Oktober starten – mit dieser Reichweite)

MG Marvel R: Ist das China-SUV ein würdiger Erbe für die sportlichen Briten?

Nun geht es also rein elektrisch weiter. Mit rund 30.000 Euro Einstiegspreis kann das ordentlich ausgestattete, 4,67 Meter lange Kompakt-SUV Marvel R auf kostenbewusste Kunden hoffen. Einen Coolness-Faktor haben schon mal die ausfahrbaren, bündig in die Karosse eingelassenen Türgriffe. Der positive Eindruck setzt sich beim Eintritt in den geräumigen Innenraum fort. Das griffige Lenkrad ist die einzige Reminiszenz an die Zeiten der britischen Roadster-Marke, die belüfteten und beheizbaren Sitze mit italienischem Alcantara und deutschem Nappaleder wirken langstreckentauglich. Alle Schalter, Kunststoffoberflächen und Hebel fassen sich so an, wie man das von Produkten aus dem Premium-Regal des Volkswagen-Konzerns gewohnt ist. Mit VW gemeinsam fertigt SAIC „ja auch in China schon seit Langem Fahrzeuge“, wie Lei betont. Abgekupfert wirkt hier aber nichts – auch wenn MG den chinesischen Marvel-Käufer gern darauf hinweist, dass das Vollaluminium-Chassis „gemeinsam mit einer deutschen Luxusautomobilmarke“ entwickelt und abgestimmt sei. Der gewaltige, leicht abgeschrägt unter der Mittelkonsole sitzende 19,4-Zollmonitor mutet dagegen eher wie eine Interpretation von Tesla: Ein echter Hingucker, der schick animiert ist und flott reagiert. (Aiways U6: Chinesischer VW-ID.4-Jäger soll auch nach Deutschland kommen)

MG Marvel R, stehend
Mit eigenständigem Design: der neue MG Marvel R © MG

MG Marvel R: Das China-SUV ist in zwei Varianten verfügbar

In seiner Topversion wird der Marvel beim Marktstart im Herbst von drei Elektromotoren angetrieben. Mit permanentem Allradantrieb und einer Maximalleistung von 212 kW/288 PS erreicht er in 4,9 Sekunden die 100-km/h-Marke erreicht. Abgeregelt wird erst bei Tempo 200. Die erreicht auch die heckgetriebene Version mit zwei Elektromotoren und 180 PS. Beide Varianten haben eine 70-kWh-Lithium-Ionen-Batterie mit Schnellladefähigkeit, die Energie können die zwei Modelle auch an externe Geräte wieder abgeben. Keine Spitzenwerte erzielen die Chinesen bei der Reichweite. Maximal 402 Kilometer sind aber auch ganz ordentlich, zumal sich in einer Dreiviertelstunde der Akku wieder weitgehend aufladen lässt. Und mit einer maximalen Anhängelast von 750 Kilogramm und 357 bis maximal rund 1.400 Liter Kofferraum spielt der Marvel auf Augenhöhe des ähnlich langen Jaguar I-Pace. (Kein Witz: Elektrischer Arcfox möchte diese deutschen Premium-Marken angreifen)

Interieur des MG Marvel R
Im Tesla-Stil: das große Mittel-Display © MG

MG Marvel R: Das China-SUV kommt zum Kampfpreis

Allerdings in einer deutlich anderen Preisklasse: Die Listenpreise des MG zwischen 40.000 und 50.000 Euro liegen deutlich unter denen des Jaguar, auch die ähnlich großen VW ID.4 und Hyundai Ioniq 5 sind mehr als 10.000 Euro entfernt, weil der Chinese schon in der Basis mit Panoramadach, elektrischer Heckklappe oder Wärmepumpe vorfährt. Die ganz coolen Argumente der schönen neuen Autowelt darf Matt Lei den europäischen Marvel-Interessenten allerdings noch gar nicht anbieten: In China, wo das Auto unter der Rover-Verballhornung „Roewe“ angeboten wird, ist der Marvel auch schon autonom auf Level 3 unterwegs – ohne dass der Fahrer seine Hände am Lenkrad haben muss. Und dort lernt der Marvel zudem mittels künstlicher Intelligenz, wo der Fahrer seinen Parkplatz hat. Der kann dann vor der Haustür aussteigen – und sein Auto per App selbständig in die Garage um die nächste Ecke fahren lassen. (Von Peter Weißenberg/SP-X)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare