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Audi e-tron GT: Gleiche Plattform wie Porsche Taycan, trotzdem deutliche Unterschiede

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Von: Sebastian Oppenheimer

Endlich hat Audi das Tuch vom e-tron GT gezogen: Er nutzt dieselbe Plattform wie der Porsche Taycan, unterscheidet sich vom Stuttgarter aber nicht nur im Design.

Ingolstadt – Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Dieses Sprichwort ist schon viele Jahrhunderte gültig. Doch bei Audi e-tron GT und Porsche Taycan könnte sich diese Weisheit ins Gegenteil umkehren. Denn der Audi kommt gut zwei Jahre nach dem Porsche auf den Markt und teilt sich mit dem Zuffenhausener Stromer die J1-Plattform und etwa 40 Prozent der Teile, also auch die Batterie und die permanenterregten Synchronmotoren. Trotzdem sieht man den beiden Konzernbrüdern die Verwandtschaft keineswegs an. Äußerlich ist lediglich die Frontscheibe identisch und im Interieur sind es die Verkleidungen an A- und B-Säule.

Audi e-tron GT: Das unterscheidet den Ingolstädter vom Technik-Bruder Porsche Taycan

„Ich habe schon viele Autos für VW und Audi gemacht, aber das hier ist das Schönste“, strahlt Designchef Marc Lichte (51) und streicht fast zärtlich über die Motorhaube, die beim Audi e-tron GT tiefer liegt als die Kotflügel. Dieser aerodynamische Kniff ist auch Teil der neuen Formensprache. Bei der sollen in Zukunft aerodynamische Teile wie der große Diffusor oder die Lufteinlässe vorne deutlich sichtbar sein. „Wir waren wochenlang im Windkanal und schaffen einen echten cw-Wert von 0,24“, freut sich Marc Lichte. Damit holt der Audi e-tron GT quattro aus der 93 Kilowattstundenbatterie (85 kWh netto) eine Reichweite von bis zu 488 Kilometern beziehungsweise 472 Kilometern (Audi RS e-tron GT, beide nach dem WLTP-Zyklus) heraus. Zum Vergleich: Beim Porsche Taycan Turbo S sind es bis zu 412 Kilometer und beim 4S-Modell sind es 463 Kilometer (beides WLTP). Das Reichweiten-Plus kommt unter anderem durch Veränderungen an den Pouch-Batteriezellen und der Motorsteuerungs-Software zustande. Auch die speziellen aerodynamisch optimierten Stromspar-Felgen tragen ihr Scherflein dazu bei – wie auch die serienmäßige Wärmepumpe. (Audi A6 Avant zieht hilflosen Tanklaster den Berg rauf – Audi-Fahrer wird gefeiert wie ein Held (Video))

Fahraufnahme eines Audi e-tron GT

Der Audi e-tron GT basiert wie der Porsche Taycan auf der sogenannten J1-Plattform. © Audi

Audi e-tron GT: Die RS-Version wird erst bei 250 km/h elektronisch abgeregelt

Das werden sie in Zuffenhausen nicht gerne hören. Um das Konfliktpotenzial der beiden Konzernmarken nicht weiter zu erhöhen, tritt Audi auf die PS-Bremse: Der Audi RS e-tron GT schafft 440 kW / 598 PS (830 Newtonmeter Drehmoment, 475 kW / 646 PS Boostleistung durch Launch Control) und der Audi e-tron GT quattro 350 kW / 476 PS (630 Newtonmeter Drehmoment, Boostleistung 390 kW / 530 PS). Damit ordnen sich die beiden Ingolstädter Stromer unter den Taycan-Brüdern ein: Turbo S mit bis zu 560 kW / 761 PS, Taycan 4S bis zu 420 kW / 571 PS. Damit schafft der Audi RS e-tron GT den Standardsprint von null auf 100 km/h in 3,3 Sekunden, der Audi e-tron GT quattro braucht 0,8 Sekunden länger. Bei 245 km/h (quattro) beziehungsweise 250 km/h (RS) wirft die Elektronik den Anker. (Hier brennt der schnellste Audi RS3 Großbritanniens ab – „Hoffentlich zahlt die Versicherung!“)

Fahraufnahme eines Audi e-tron GT

Im Vergleich zum Porsche Taycan bietet der Audi e-tron GT mehr Reichweite, dafür etwas weniger Leistung. © Audi

Audi e-tron GT: Wie beim Taycan sind Dreikammer-Luftfederfahrwerk und Allradlenkung an Bord

Wie der Zusatz GT suggeriert, soll der Audi mehr der Gleiter und nicht der betont abgestimmte Agilitätskünstler wie der Porsche Taycan sein, der trotz seiner 2,3 Tonnen eine ziemlich flotte Sohle aufs Parkett legt. Sowohl der Porsche Taycan als auch der Audi e-tron GT haben ein Dreikammer-Luftfederfahrwerk und eine Allradlenkung. Auf eine klassische Wankstabilisierung verzichten die Audi-Ingenieure in bester Gran-Turismo-Manier, das erledigen die Federn und Dämpfer gleich mit, indem sie sich in Kurven zielgerichtet straffen. Geführt wird der Audi RS e-tron GT von einer elektromechanischen Lenkung mit einer konstanten Übersetzung. Bei ersten Prototypenfahrten hat der Audi e-tron GT sowohl beim Wedeln als auch beim Gleiten ein gutes Bild abgegeben. Letztendlich können aber nur die ersten Testfahrten einen Ausblick auf die finale Abstimmung geben. (YouTuber lackiert Audi S4 mit Farbwechsel-Pigmenten – „Verrückt und genial“)

Blick in den Innenraum des Audi e-tron GT

Im Innenraum versprüht der e-tron GT das für Audi typische wertige Ambiente. © Audi

Audi e-tron GT: Im Innenraum kommen auch Recycling-Materialien zum Einsatz

Im Innenraum ist die Differenzierung zum Porsche besonders ausgeprägt. Im Gegensatz zum Taycan, der die klassische 911er-Karte mit eher senkrechten Linien, Formen und Instrumenten spielt, umschmiegt das Audi-Interieur die Insassen mehr. Das Cockpit ist zum Fahrer geneigt und die Seitenverkleidungen führen zu einem Fluchtpunkt vor dem Auto. „Das Auto strahlt auch innen im Stand schon Dynamik aus“, erklärt Marc Lichte. Besonders stolz sind sie bei Audi auf die veganen Innenraumstoffe, sei es Kunstleder oder ein Mikrofasermaterial, bei denen auch recycelte Materialien wie etwa PET-Flaschen verwendet werden. Auf der Rückbank freuen sich die Passagiere über die Taycan-Fußgaragen und auf Wunsch spart ein Carbon-Dach zwölf Kilogramm Gewicht ein. Apropos Sparen: Fürs Erste bringen die Ingolstädter keine Einsteiger-Version mit Heckantrieb auf den Markt. Das könnte sich ändern, wenn der Audi e-tron GT ein Verkaufserfolg wird. (Von Wolfgang Gomoll/press-inform)

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