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Name, Logo, Farbe – das steckt hinter den drei großen Cupra-Geheimnissen

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Von: Rudolf Bögel

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Cupra Formentor VZ 5 Drift
Driften auf Asphalt - dafür hat der Cupra Formentor VZ 5 sogar ein eigenes Fahrprogramm. Erlaubt ist das aber nur auf abgesperrten Strecken. © cupra

Phänomen Cupra. Seit sich die Sportmarke von Seat abgenabelt hat, erobern Autos dieser Marke die Jugend. Warum? Eine Spurensuche.

Sie ist erst vier Jahre alt und damit eine der jüngsten Automarken überhaupt. Im VW-Konzern sogar die jüngste. Erst 2018 trennte sich Cupra von Mutterkonzern Seat. Äußerst erfolgreich. Bis heute haben die sportlichen Spanier fast 200.000 Fahrzeuge ausgeliefert und den Umsatz auf 2,2 Milliarden Euro gesteigert. Die beiden eigenständigen Modelle Formentor und der rein elektrische Born haben nicht nur viele Käufer gefunden, sondern das erreicht, was alle Hersteller wollen: die jüngeren Kunden.

Cupra Formentor VZ 5 Geländefahrt
Macht auch im Gelände eine gute Figur. Der Cupra Formentor VZ 5 klettert über Stock und Stein, so richtig daheim ist er jedoch auf Asphalt. © Ferran Nadeu / Cupra

Bald eine halbe Million Cupras jährlich

Der Geschäftsführer Deutschland der Seat GmbH, Bernhard Bauer: „In der Tat haben uns viele in der Branche anfangs belächelt. Während andere Unternehmen ihre Kräfte bündelten, gründete Seat eine neue Marke.“ Schon 2021 erreichte man 1,2 Prozent Marktanteil hierzulande, fast jedes dritte verkaufte Auto der Spanier war ein Cupra. Erfolg macht süchtig und die Ansprüche steigen. „Unser Ziel ist es, mittelfristig 500.000 Autos pro Jahr auszuliefern“, sagt Cupra-Chef Wayne Griffith. Dabei will man in neue Märkte und Segmente vordringen. Drei neue Modelle sollen bis zum Jahr 2025 kommen. Terramar, Tavascan und Urban Rebel – das Trio ist selbstverständlich elektrifiziert. Der Verkauf einer halben Million Autos ist ambitioniert. Damit würde man sogar die einstige Muttergesellschaft übertreffen. Phänomen Cupra – woran liegt es? Im Gespräch lüftet Designchef Jorge Díez die Geheimnisse der jungen Marke.

Cupra Chef Desinger Jorge Díez
Ein Schöpfer und sein Werk Chef-Designer Jorge Díez vor dem Cupra Born, ein reines Elektroauto, das nach einem Stadtteil von Barcelona benannt wurde. © Xavier Bonilla / Cupra

Das bedeutet der Name Cupra wirklich

Was fasziniert die Menschen an Formentor und Born? Der eine ist ein SUV, benannt nach der unter Naturschutz stehenden Halbinsel auf Mallorca. Der andere ein rein elektrischer Kompaktwagen, der so heißt wie das Stadtviertel „El Born“ in Barcelona. Schon allein der Name Cupra klingt geheimnisvoll. Könnte Kupfer bedeuten, so wie die Farbe, die man überall in den sportlichen Modellen findet. Falsch spekuliert. Jorge Díez im Interview: „Der Name leitet sich von „Cup Racing“ ab und unterstreicht die Performance unserer Fahrzeuge. Rennsport ist Teil unserer Cupra-DNA.“ Leistungsstark sind die Modelle allemal, allen voran der auf 7.000 Exemplare begrenzte Super-Formentor, mit dem feinsten Fünfzylinder, den man haben kann: die Legende aus dem Audi-TT. Er hat 2,5 Liter Hubraum und 390 PS, lässt die Drehmoment-Muskeln zwischen 2.250 und 5.710 Umdrehungen pro Minute spielen und katapultiert den katalanischen Stier auf vier Rädern von 0 auf Tempo 100 in 4,2 Sekunden. Hasta la vista! Kaum hast du den VZ 5 gesehen, schon ist er wieder von der Bildfläche verschwunden. Nix mehr vista.

Cupra Formentor VZ 5 Detail Felge Bremssattel
Kupferfarben glänzen Felgen und Bremssattel beim Formentor VZ 5, dem bislang stärksten Cupra. © Cupra

Kupfer ist die Farbe von Cupra – das ist der Grund

Woher kommt aber dann die Farbe Kupfer, die man zum Beispiel auf den Felgen findet oder den Bremssätteln oder im Cockpit? Díez lüftet auch dieses Geheimnis: „Sie geht auf den wunderschönen Sonnenaufgang in Barcelona zurück. So leuchtet der Himmel nur im Stadtviertel Born während der Morgenstunden. Wir kommen ja aus Barcelona. Die Stadt und die Menschen mit ihrem ganz speziellen Way Of Life haben Einfluss auf unser Design. Barcelona ist einfach anders, das sieht man schon an der Kunst und an der Architektur. Die Menschen hier sind dynamisch und sehr expressiv. Und das findet man auch in den Cupra-Modellen.“

Cupra Formentor VZ 5 Armaturenbrett
Bronze-Applikationen finde sich überall im Cockpit des Cupra Formentor. Geheimnisvolle Farbe, aber schick. © Cupra

Mit dem Formentor kann man auf Wunsch sogar driften

Beeindruckend ist auch das Logo der Marke. Für viele sieht es aus wie der stilisierte Kopf eines Bullen. Olé – die Interpretation liegt ja auch nahe, schließlich ist Spanien die Heimat der mächtigsten Stiere, die früher in den vielen Arenen des Landes zum Kampf angetreten sind. Und wer je den Formentor VZ 5 fahren konnte, wird bestätigen: Der scharrt erst gar nicht mit den Hufen, sondern beschleunigt auf allen vier Rädern wie ein Stier, der ein rotes Tuch gesehen hat. Im Gegensatz zum Tier beherrscht sich der stärkste Formentor in den Kurven und läuft wie auf Schienen. Es sei denn, man schaltet das Stabilitätsprogramm aus und geht in den speziellen Drift-Modus. Denn dann tanzt der Formentor VZ 5 wie ein Stier auf Schlittschuhen. Er schlenzt und driftet durch die Kurven, dass es eine wahre Freude ist. Erlaubt natürlich nur auf abgesperrten Rennstrecken.

Cupra Lenkrad Logo
Stierkopf oder Tattoo? Im Interview verrät Jorge Díez, was es mit dem Cupra-Logo auf sich hat. © Ferran Nadeu / Cupra

Von wegen Stierkopf – das Logo bedeutet etwas anderes

Aber zurück zum Logo. Stier oder nicht Stier – das ist hier die Frage. Aber auch hier hat Jorge Diéz, der in seiner Karriere immerhin den Audi TT der zweiten Generation, den ersten Audi A 7 und den ersten SUV von Seat, den Ateca, erschaffen hat, eine spannende Antwort parat: „Die Interpretation mit dem Stierkopf würde nahe liegen. Aber nein, unser Logo kommt von einem Tribal, einem Stammes-Tattoo. Die beiden Triangel symbolisieren eine enge Gemeinschaft. Und trotzdem drücken sie Offenheit für etwas Neues aus.“ Herausfordernd war für den Spanier auch die Aufgabe, die man ihm bei Cupra gestellt hat. Eine völlig neue Marke zu kreieren. „Das ist schwierig und einfach zugleich“, sagt er zu uns, „Weil es keine Vergangenheit und Traditionen gibt, auf denen man aufbauen kann. Gleichzeitig hat man aber auch nichts, das man vom Design her zitieren kann. Wir saßen also vor einem großen weißen Papier. Keine Grenzen und viel Freiräume. Wir müssten ja nicht nur ein Auto entwerfen, sondern die DNA einer ganzen Marke. Das ist eine der größten Herausforderungen, die es für einen Designer gibt. Aber auch die Spannendste.“

Cupra Born Detail Frontlichter
Skulptural und ausdrucksstark soll ein Cupra aussehen, so wie die Lichter beim Elektro-Modell Born. © Xavier Bonilla / Cupra

Das Design-Geheimnis: Muskeln im Blechkleid, schlank wie ein Hai

Was muss man machen, dass ein Cupra wie ein Cupra aussieht? Díez: „Der Schlüssel sind die Proportionen. Sie müssen perfekt sein. Cupra kommt aus dem Rennsport. Da darf man ruhig die Muskeln im Blechkleid sehen. Und starke Schultern. Unsere Linien erinnern an die Silhouette eines Hais.“ Der Designer weiß: Er hat dazu nicht allzu lange Zeit, um die Menschen zu begeistern. „Mit dem Auto ist es wie bei uns, man schaut sich in die Augen und dann entscheidet sich in den ersten sieben Sekunden, ob man sich mag oder nicht. Sie haben also nur sieben Sekunden Zeit, um positive Emotionen zu generieren.“ Das zumindest ist den Cupra-Modellen fürs erste gelungen. (Rudolf Bögel)

Technische Daten Cupra Formentor VZ5

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