Plug-in-Hybrid

Mini Countryman Hybrid: Lieferstopp, weil er in dieser Disziplin versagt

  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
    schließen

Ab 2022 müssen Plug-in-Hybride auch elektrisch mindestens 60 Kilometer weit fahren, um per Innovationsprämie gefördert zu werden. Der Mini Countryman Hybrid schafft das nicht. BMW hat die Produktion gestoppt – und muss nachbessern.

München – In den vergangenen Jahren hat BMW in Sachen Elektrifizierung meist auf die Karte Plug-in-Hybrid gesetzt. Das gilt auch für die Tochter Mini. Deren SUV-Baureihe Mini Countryman gibt es seit 2017 auch als Verbrenner-Elektro-Kombination. Bei der aktuellen Generation, dem Mini Cooper SE Countryman ALL4 (Neupreis: 38.016 Euro), hat der Hersteller nun allerdings Ärger mit der Hybrid-Version: Im Elektro-Modus kommt das Auto nicht weit – zumindest nicht weit genug, um auch zukünftig die staatlichen Förderungen beanspruchen zu können.

Mini Countryman Hybrid: Lieferstopp, weil er in dieser Disziplin versagt

Dem Volksmund zufolge springt ein gutes Pferd bekanntlich nicht höher, als es muss. Bei BMW scheinen sie es mit dieser Weisheit ganz genau genommen zu haben. Denn wie es aussieht, dimensioniert der Hersteller die Batterien in seinen Plug-in-Hybriden nicht größer als unbedingt erforderlich. Im Fall des Mini Countryman Hybrid ist das jetzt ins Auge gegangen – und könnte zum Problem werden: Denn ab dem Jahr 2022 gelten verschärfte Regeln für die sogenannte Innovationsprämie. (Mini Cooper SE Countryman PHEV: So viele E-Kilometer gibt’s jetzt mehr als bisher)

Mit der aktuellen Variante des Mini Countryman Plug-in-Hybrid gibt es Probleme: Die Batterie kommt keine 60 Kilometer weit.

Ab diesem Zeitpunkt ist statt einer rein elektrischen Reichweite von 40 Kilometern eine Reichweite von mindestens 60 Kilometern vorgeschrieben, damit Plug-in-Hybride weiterhin im Rahmen des Umweltbonus’ vom deutschen Staat gefördert werden. Die vom Bund und den Herstellern gemeinsam finanzierte Prämie für elektrisch angetriebene Fahrzeuge beträgt für Modelle wie den Mini Cooper SE Countryman derzeit 6.750 Euro. Den Löwenanteil von 4.500 Euro schießt dabei der Staat zu. (Mini Cooper SE gegen BMW i3: Der knappe Sieg geht an den ...)

Mini Countryman Hybrid: Es geht um die Innovationsprämie und den guten Ruf

Für Mini-Kunden geht es also um viel Geld, für den BMW-Konzern um die Attraktivität seines Angebots – und auch um sein Image. Denn Plug-in-Hybride stehen immer wieder in der Kritik, weil offizielle Reichweiten- und Verbrauchsangaben von Seiten der Hersteller in der Praxis manchmal deutlich abweichen. Wie jetzt bekannt wurde, hat die zuständige Zulassungsbehörde in Irland die Auslieferung des elektrifizierten Mini Countryman Hybrid gestoppt. Der Grund ist besorgniserregend: Das SUV verfehlte, wenn es elektrisch angetrieben wurde, immer wieder die offiziell genannte Reichweite.

„Angegeben ist beim betreffenden Mini eine Reichweite von 60 Kilometern“, bestätigt ein BMW-Sprecher gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Der Autobauer habe jedoch bei einer internen Prüfung festgestellt, dass die tatsächliche Reichweite in vielen Fällen nur 58 Kilometer oder 59 Kilometer betrage. Nachdem man das der irischen Zulassungsbehörde mitgeteilt habe, sei von dieser ein Auslieferungsstopp angeordnet worden. (Das Logo von BMW zeigt gar keinen Propeller, sondern ...)

Der Mini Plug-in-Hybrid hat den gleichen E-Antriebsstrang wie der 2er BMW Active Tourer. Doch die Batterie schwächelt bedenklich.

Mini Countryman Hybrid: BMW will lediglich nachbessern – ob das reicht?

Nun müssen die Ingenieure die zur Mindestreichweite noch fehlenden Kilometer aus dem existierenden Modell herausholen. Dem Vernehmen nach möchte BMW nämlich vermeiden, nochmals die Batteriekapazität anpassen zu müssen – der Aufwand hierfür wäre vermutlich ein finanzieller Tiefschlag. Daher soll optimiertes Batteriemanagement das Problem lösen. Ein entsprechendes Update will der Hersteller noch im Jahr 2020 nachreichen. Wie der Konzern betonte, geben es beim Mini Countryman Hybrid keine sonstigen Normabweichungen – etwa bei den CO2-Emissionen. (Blockiergebühr für E-Autos: EnBW sagt Dauerladern den Kampf an)

Mit seinen Aussagen bestätigte auch der BMW-Sprecher, dass der Hersteller offensichtlich eine Punktlandung anstrebt: „Es mag schwer zu verstehen sein, aber wir haben keine Veranlassung, einen Reichweitenpuffer über das gesetzlich Geforderte hinaus einzubauen. Wir befinden uns in einem scharfen Wettbewerb.“ Ob sich diese Denke am Ende rechnet, steht auf einem anderen Blatt. Laut Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer in der SZ wird das Ganze eher schwierig: „Die Autoindustrie sollte mit aller Kraft daran arbeiten, neues Vertrauen aufzubauen. Daher sind Reichweiten, die auf Kante genäht sind, wenig hilfreich.“ *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © BMW

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare