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Mercedes Vision EQXX: Elektro-Studie verspricht extreme Reichweite

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Im Vorfeld der Consumer Electronic Show in Las Vegas hat Mercedes mit dem Vision EQXX eine Elektro-Studie vorgestellt – mit extremer Reichweite.

Stuttgart – Eigentlich wollte Daimler mit der Premiere seiner seriennahen Technologiestudie des EQXX auf der CES 2022 in Las Vegas der erste Autohersteller sein, dessen Elektromodell mit einer Akkuladung eine Strecke von mindestens 1.000 Kilometer zurücklegen kann. Diesen Zieldurchlauf schnappte den Stuttgartern jedoch vor einigen Wochen der chinesische Crossover GAC Aion LX plus weg. Doch während das 4,84 Meter lange SUV für diese Strecke einen gigantischen Akku mit einer Kapazität von 144,4 kWh benötigt, ist die Zukunftslimousine der Schwaben mit einem Akkupack unterwegs, der unter 100 kWh groß ist. Dass das Einzelstück trotzdem solch eine werbewirksame Strecke von Berlin nach Paris zurücklegen kann, ohne nachzuladen, dafür sorgen intelligenter Leichtbau, moderne Technikmodule und eine Aerodynamik, die einem schier den Atem verschlägt, denn der cW-Wert misst gerade einmal 0,17.

Die CES-Studie Mercedes-Benz Vision EQXX
Elektroflunder: Die CES-Studie Mercedes Vision EQXX verspricht eine extreme Reichweite. © Mercedes-Benz

Mercedes Vision EQXX: Elektro-Studie verspricht extreme Reichweite

Damit setzt der Mercedes EQXX ähnlich technologische Bestmarken wie Volkswagen vor rund zehn Jahren mit seinem hybriden Sparmodell XL 1, der auf Verbrauchsfahrten seinerzeit mit weniger als einem Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern auskam. Optisch ist der Mercedes EQXX dabei fast ein alter Bekannter, denn sein Design orientiert sich an der IAA-Studie des Jahres 2019, die sich mit ihrem ausfahrbarem Heck bereits cW-Bestwerte sicherte. Den exzellenten Luftwiderstandswert sieht man der 1.750 Kilogramm schweren Elektroflunder an, denn gerade die flache Front, die niedrige Dachlinie und das lange Heck, das an einen Long-Tail-Rennwagen erinnert, sind Anzeichen dafür, dass der Viertürer geradezu versucht, unter dem Gegenwind hindurchzutauchen. Das reduzierte Gewicht ermöglichen neben dem gewichtsoptimierten Akkupaket im Unterboden eine ultrahochfeste Stahlkarosserie mit zahlreichen Aluminium-, CFK- und GFK-Modulen. (Mercedes zeigt spektakuläres Maybach-Showcar – mit einem Haken)

Die CES-Studie Mercedes-Benz Vision EQXX
Das Heck des Mercedes Vision EQXX erinnert an Long-Tail-Rennwagen. © Mercedes-Benz

Mercedes Vision EQXX: Verbrauch von unter zehn kWh pro 100 Kilometer

Für den Antrieb des Mercedes Vision EQXX sorgt dabei ein 150 kW / 204 PS starker Elektromotor an der Hinterachse, der im Effizienzbetrieb immerhin 140 km/h schnell ist. Die Magnesium-Schmiederäder haben dabei zwar einen üppigen 20-Zoll-Umfang, sind jedoch ähnlich wie bei BMW i3 oder VW XL 1 mit einer Breite von 18,5 Zentimetern so schmal als möglich, um auf die große Effizienzreise zu gehen. Der Realverbrauch des Zukunftsmodells soll dabei mit unter zehn Kilowattstunden pro hundert Kilometer sparsamer als bei jedem anderen Fahrzeug sein. „Der Mercedes-Benz Vision EQXX zeigt, wie wir uns die Zukunft des Elektroautos vorstellen. In nur eineinhalb Jahren haben wir den effizientesten Mercedes aller Zeiten entwickelt – mit einem Energieverbrauch von weniger als 10 kWh pro 100 Kilometer“, so Daimler-CEO Ola Källenius (52), „der Vision EQXX hat eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern mit einer einzigen Ladung – angetrieben von einer Batterie, die in einen Kleinwagen passen würde.“ Die Chemie der Anoden hat dabei ebenfalls großen Anteil an der gesteigerten Energiedichte. Ihr höherer Siliziumgehalt und ihre Zusammensetzung erlauben es, wesentlich mehr Energie zu speichern als die bisher verfügbaren Anoden. (Mercedes-Maybach G 650 Landaulet steht zum Verkauf – zu einem atemberaubenden Preis)

Die CES-Studie Mercedes-Benz Vision EQXX
Im Inneren ähnelt die Studie Mercedes Vision EQXX fast schon einem Serienfahrzeug. © Mercedes-Benz

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Mercedes Vision EQXX: Knowhow aus der hauseigenen Formel-1-Schmiede

Der Wirkungsgrad des Elektromotors setzt ebenfalls Bestmarken, denn 95 Prozent der Akkuenergie kommen an den vier Rädern an. Knowhow aus der hauseigenen Formel-1-Schmiede half den Batterieexperten dabei, den knapp 500 Kilogramm schweren Energiespeicher des EQXX auf ein kompaktes Format zu komprimieren. Das Batteriepaket des Visionsmodells speichert knapp 100 kWh Energie bei 50 Prozent weniger Volumen und 30 Prozent weniger Gewicht als das aktuelle Hightechpaket im Mercedes EQS. Nicht ganz neu, aber hilfreich, wenn es um jeden Kilometer an Reichweite geht: Ultradünne Dachpaneele mit 117 Solarzellen speisen das Batteriesystem und sorgen für bis zu 25 Kilometer an zusätzlicher Reichweite. Das Formel-1-Team der Schwaben im britischen Brixworth steuerte ebenfalls die Kompetenz des Elektronikfahrwerks bei.

Im Innern präsentiert sich der EQXX beinahe wie ein Serienfahrzeug. So gibt es vier Einzelsitze, eine schmales 47,5-Zoll-Display mit 8K-Auflösung, das sich quer über die gesamte Armaturentafel zieht, und eine Mittelkonsole mit Becherhaltern, die den puristischen Gesamtcharakter noch unterstreicht. Edles Leder wie in Mercedes-Serienmodellen sucht man in der Zukunftsstudie jedoch vergeblich – Sitzbezüge, Verkleidungen und Teppiche sind tierfrei herstellt und so wird die wohnliche Sternenwärme von einem Hightechcharme ersetzt. Allzu groß darf man im EQXX jedoch weder vorn noch hinten sein, denn die flache Dachlinie beengt den Kopfraum mitunter spürbar. Die Teppiche bestehen zu 100 Prozent aus schnell nachwachsender Bambusfaser. (Elektroautos im Kälte-Check: So stark sinkt die Reichweite wirklich)

Blick auf die Mittelkonsole der CES-Studie Mercedes-Benz Vision EQXX
Die beiden prominent platzierten Getränkehalter im Mercedes Vision EQXX dürften vor allem US-Amerikaner erfreuen. © Mercedes-Benz

Mercedes Vision EQXX: Technologien aus der Studie sollen in die Serie Einzug halten

Noch ist der Mercedes Vision EQXX ein Einzelstück, der im Erprobungsbetrieb jedoch bereits erste Kilometer schrubbt. Seine Technologien sollen jedoch auf vielfältige Art und Weise Einzug in zukünftige Serienmodelle halten. Das gilt für die wiederverwerteten Materialien ebenso wie für den effizienten Antrieb, geringe Bordströme oder das 900-Volt-Bordnetz. „Das Technologieprogramm, das hinter dem Vision EQXX steht, wird zukünftige Modelle und Fahrzeugfunktionen von Mercedes-Benz neu definieren und ermöglichen“, sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. Und wer weiß, ob der Mercedes Vision EQXX ähnlich wie der VW XL 1 seinerzeit nicht doch das Zeug zu einem begehrten Kleinserienmodell hat. Für den nur 200-mal im Osnabrücker VW-Werk produzierten XL 1 werden auf dem Gebrauchtwagenmarkt mitunter deutlich mehr als 100.000 Euro gezahlt. (Stefan Grundhoff/press-inform)

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