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Elektro-SUV unter 40.000 Euro – so schlägt sich der Mercedes EQA im ersten Test

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Von: Rudolf Bögel

Mercedes-Benz EQA 250 schwarz Frontansicht
Vorbote einer ganzen Familie. Der EQA 250 ist der erste Kompakt-SUV auf Elektrobasis von Mercedes-Benz. © Mercedes-Benz AG , photo by Daniel Maurer

Mercedes legt beim Elektro-SUV EQA nach. Zur Basisversion EQA 250 gesellt sich das neue Top-Modell EQA 350 mit 292 PS und Allrad.

Jetzt kommt Schwung in die Elektro-Bude. Vorbei die Zeiten als Tesla still und leise seine Elektro-Runden drehen konnte. Vor allem bei den elektrifizierten Kompakt-SUVs fahren die deutschen Konzerne einiges auf. VW mit dem ID4, Skoda mit dem Enyaq iV, Audi mit dem Q4 e-tron. Alles Modelle, die knapp 40.000 Euro kosten nach Abzug der Umwelt-Prämie. Seit März wartet in diesem Segment schon der Mercedes EQA* auf seine Kundschaft.

Mercedes EQA 300 und 350 – mehr Leistung, gleiche Reichweite

Aber erst jetzt dürfte das Geschäft erst so richtig losgehen. Denn nach dem von der Leistung her vergleichsweise schmalbrüstigen EQA 250 (140kW) kommen mit dem EQA 300 und EQA 350 Allradmodelle mit gleich zwei E-Motoren auf die Straße. Die Power wächst auf bis zu 215 kW mit einem Drehmoment von 520 Nm. Nur die Reichweite ist bei allen Modellen gleich und liegt zwischen 420 und 430 Kilometern. Dafür kostet die stärkste Version dann auch schon fast 10.000 Euro mehr.

Mercedes-Benz EQA 250 schwarz Heck Leuchtenband
Typisch für die Mercedes-Benz-EQ-Familie sind die durchgehenden Leuchtenbänder auf dem Heck. © Mercedes-Benz AG , photo by Daniel Maurer o

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Ab diesem Tempo geht dem Mercedes EQA die Luft aus

Aber braucht es das wirklich? Wir konnten den Mercedes EQ 250 rund um Stuttgart schon fahren – und waren mit Motorleistung und Abzug eigentlich zufrieden. Die 190-PS-Maschine zieht den Zweitonner locker und lässig zumindest bis Tempo 60 fühlt sich das richtig agil an. Dann geht dem Fronttriebler sukzessive die Luft aus. Die Stoppuhr beim Sprint von 0 auf 100 bleibt bei 8,9 Sekunden stehen. Bis Tempo 120 geht das gut, dann wird es immer zäher – die Tachonadel bleibt schon bei 160 hängen. Bewusst. Denn ähnlich wie bei Benziner oder Diesel ziehen die Maschinen unter hohen Belastungen zu viel Energie. Deshalb ist beim EQA Schluss schon bei Tempo 160 – wer hätte das gedacht bei einem Mercedes? Nur geht man in Stuttgart mit dieser Info etwas leiser um als die Kollegen von Volvo, die ihr freiwillig eingebautes Tempolimit von 180 km/h gleich an die große PR-Glocke gehängt haben.

Mercedes-Benz EQA 250 Innenraum
Interieur und Cockpit sind bei EQA und GLA ziemlich ähnlich. Die zwei 10,25 Zoll großen Bildschirme gibt es gegen Aufpreis. © Mercedes-Benz AG, photo by Daniel Maurer

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Das unterscheidet den Mercedes EQA vom GLA

Beim Fahren unterscheidet sich der EQA sonst kaum von seinen Benziner- und Diesel-Kollegen. Die heißen nach wie vor GLA und sehen nahezu identisch aus. Abgesehen vom geschlossenen Black-Panel-Kühlergrill und dem durchgehenden Heckleuchtenband handelt es sich um die gleiche Plattform, auf der das Auto wahlweise in Rastatt oder in Peking vom Band läuft. Mag sein, dass das Fahrwerk einen Tick anders reagiert wegen der Akkus im Unterboden. Mag sein, dass das Auto insgesamt komfortabler ausgelegt wurde – weil das auch besser zu so einem flüsterleisen Stromer passt.

Mercedes-Benz EQA 250 silber Ladestation Ionity
Bis zu 100 kW kann der Mercedes-Benz EQA laden, für ein Jahr zum Vorzugspreis von 0,29 Cent. © Mercedes-Benz AG, photo by Daniel Maurer

Zwei Möglichkeiten, zwei Zeiten – so lange lädt der Mercedes EQA auf.

Auch wenn der EQA nicht von vorneherein als eigenständiges Elektroauto entwickelt wurde, so hat Mercedes doch viel Technik in den SUV gepackt, damit er alltagstauglich wird. Mit der Batterie kommt man über 400 Kilometer weit. Nach den Testfahrten erscheint das auch realistisch, im tiefen Winter sieht das vielleicht anders aus. Trotzdem: Hier kann Mercedes mit dem EQA schon punkten. Auch bei den Ladezeiten. Mit 11 kW zieht der Onboard-Lader an einer AC-Wallbox in knapp sechs Stunden so viel Strom, dass man zumindest über Nacht oder an einem entsprechend ausgestatteten Parkplatz während der Arbeitszeit wieder volle Leistung hat. Oder man nutzt 100 kW an einer der DC-Schnellade-Säulen. 30 Minuten, schon kann es weitergehen.

Bordcomputer schickt EQA-Fahrer automatisch zur besten Ladesäule

Damit die Energie auch bei langen Überlandfahrten nicht ausgeht, hat der EQA einen digitalen Helfer an Bord, der permanent ausrechnet, wie lange der „Saft“ noch reicht. Und zwar unter Einbeziehung von der Außentemperatur, der Topographie und des Fahrstils. Das baut Vertrauen beim Fahrer auf, auch weil das Auto die effizienteste Route wählt und rechtzeitig empfiehlt, welche Ladestation verfügbar ist, und welche man ansteuern sollte. Dürfte bei 450.000 Ladepunkten, die mittlerweile vom Mercedes-Ladenetzwerk erfasst werden, eigentlich kein Problem sein. Praktisch auch: Die Bezahlung erfolgt über das Auto! Ein Jahr lang zum Festpreis von 0,29 Cent für die Kilowattstunde. Und ein gutes grünes Gewissen kann der Mercedes-Fahrer auch haben. Grundsätzlich wird Ökostrom „getankt“. Steht der nicht zur Verfügung, sorgt Mercedes für einen finanziellen Ausgleich.

Mercedes-Benz EQA 250 grau Kofferraum geöffnet
Rund 100 Liter weniger fasst der Kofferraum des Elektro-SUVs im Vergleich zum Verbrenner-Bruder GLA. © Mercedes-Benz AG, photo by Daniel Maurer

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Nur beim Kofferraum müssen E-Fahrer Abstriche hinnehmen

Abgesehen vom Antrieb und den leichten kosmetischen Korrekturen im Blechkleid unterscheiden sich EQA und GLA nur noch beim Kofferraumvolumen. Hier muss der Kunde auf rund ein Viertel verzichten. Nur 340 Liter passen hinein, obwohl die Karosserie schon um rund fünf Zentimeter gewachsen ist. Dafür ist der Radstand identisch, was für ähnliche Platzverhältnisse im Fond sorgt. Also vorne sehr bequem, hinten kann es bei längeren Fahrten schon mal eng werden.

Mercedes-Benz EQA 250 Lüftungsdüsen Roségold
Design-Chef Wagener ist ein Fan von diesem Ausstattungsdetail. Roségold in den Lüftungsdüsen gibt es nur bei EQ-Modellen. © Mercedes-Benz AG, photo by Daniel Maurer on behalf of Mercedes-Benz AG

Diese Pläne hat Mercedes noch mit dem EQA

Die neuen Mitglieder EQA 300 und EQA 350 4matic sind ab sofort bestellbar und sind erst der Anfang der EQA-Familie. Später soll ein größerer Akku zur Verfügung stehen mit rund 500 Kilometern Reichweite und um ein echtes AMG-Modell muss man sich auch keine Sorgen machen. Das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche. Die Motorarchitektur mit einer Maschine vorne und einer hinten empfiehlt sich geradezu für sportliche Fahrzeuge. Schon beim 300er und 350er wird die Leistung je nach Bedarf blitzschnell zwischen den Achsen verschoben. Bis zu 100 Mal pro Sekunde ruft der Rechner die entsprechenden Daten ab. Im Sportmodus powert er mehr von hinten. Braucht der EQA mehr Traktion, zum Beispiel im Winter, spielt auch Frontmotor eine größere Rolle. Der EQA 300 hat 228 PS (390 Nm Drehmoment), der 350er bringt es schon auf 292 PS und 520 Nm Drehmoment. Damit rennt Letzterer in strammen 6,0 Sekunden von 0 auf 100.

Reicht auch der EQA 250? Unser Fazit!

Auch wenn wir den Allrad-EQA noch nicht fahren konnten, wagen wir eine Prognose: Egal ob Verbrenner oder Elektro: Über mehr Leistung unter der Motorhaube freut man sich immer. Wenn nicht, oder wenn einem das die 10.000 Euro Unterschied nicht wert sind: Der kleine EQA reicht für den Alltag völlig aus.

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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