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Illegales Autorennen mit 222 km/h: Raser will Freispruch – Gericht verpasst Denkzettel

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Von: Jasmin Pospiech

Er hat es zu weit getrieben: Erst liefert sich ein Mercedes-Fahrer ein wildes Rennen mit einem Kollegen – dann verlangt er dafür noch Freispruch. Doch die Richterin hat andere Pläne.

Zürich (Schweiz) – Mit diesem Ende seiner Gerichtsverhandlung hat der Angeklagte sicherlich nicht gerechnet: Schließlich hat der Zürcher gehofft, aus der Sache heil wieder herauszukommen. Doch es sollte anders enden. Mit der „Sache“ ist seine Anklage gemeint – weil sich der heute 30-Jährige im Jahr 2015 mit einem Kollegen ein illegales Straßenrennen geliefert hat. Damals raste der junge Mann mit einem getunten Mercedes Sportwagen die Autobahn A3 Richtung Zürich entlang. Dabei erreichte er satte 222 Stundenkilometer. Das Rennen wurde vom Beifahrer des BMW-Fahrers mit dem Handy gefilmt.

Illegales Autorennen mit 222 km/h: Raser will Freispruch – Gericht verpasst Denkzettel

Der eine Geschwindigkeitsrausch reicht dem Autofan offenbar nicht. Denn kurz darauf verlassen die beiden Fahrzeuge die Autobahn in Adliswil und liefern sich innerorts das nächste Rennen – mit sage und schreibe 115 km/h statt den erlaubten 60 km/h! Was für ein Wahnsinn. Das Interessante daran: Die beiden Raserdelikte kamen erst zwei Jahre später auf, als der Angeklagte in Zürich einem Fuchs ausgewichen sein soll und mit seinem Wagen ein geparktes Auto gerammt hatte. Auch dieser Ferrari-Fahrer hat Angst, eine Strafe zu kassieren, als er im Parkverbot steht und von einer Frau fotografiert wird – er rastet aus.*

Ein Wagen rast eine Straße entlang. (Symbolbild)
Nach seiner Raser-Aktion muss ein 30-jähriger Mann jetzt um seine Freiheit bangen. (Symbolbild) © IMAGO / Future Image

Um keinen Ärger mit der Polizei zu bekommen, hat er seinen Wagen durch einen Kollegen abschleppen lassen. Nach diesem Vorfall wurde der Raser jedoch verhaftet. Bei der anschließenden Befragung machte der 30-Jährige ein Geständnis – um dieses im November 2019 wieder zu widerrufen, weil er eine U-Haft umgehen wollte. (Mann wegen unerlaubten Fahrens vor Gericht – Richter ist fassungslos, wo er gerade sitzt)

Nun hat der Mann, der im Transportwesen tätig ist, erneut eine Vorladung erhalten – und plädiert tatsächlich auf Freispruch! Vor Gericht behauptet er schließlich, dass er damals gar nicht am Steuer saß: „Ich habe den Wagen damals an drei oder vier Kollegen für eine Rundfahrt ausgeliehen. Wer von ihnen am Rennen beteiligt war, weiß ich nicht“, so seine lapidare Erklärung.

Illegales Autorennen: Raser hat Vorstrafen „quer durch das ganze Strafgesetzbuch“

Doch die Richterin des Obergerichts glaubt dem Zürcher nicht – schließlich ist sie sich sicher: „Er kann keinen Namen eines Kollegen als Fahrer nennen, weil er selber am Steuer saß.“ Zudem beeindrucken sie sicherlich auch die vielen Vorstrafen des Mannes, die „quer durch das ganze Strafgesetzbuch“ reichen, wie die Staatsanwältin erklärt. Ein Fakt, der seine Glaubwürdigkeit nicht unbedingt fördert. Auch hierzulande hat ein Gericht von einem Rüpel-Raser genug – und nimmt ihm sogar zwei Luxus-Sportwagen weg.

Deshalb fällt das Urteil völlig anders aus, als der Angeklagte erwartet: Obwohl er seinen Führerschein aufgrund eines positiven verkehrspsychologischen Gutachtens seit letztem Frühjahr wieder hat, wird er wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung und weiterer Delikte vom Obergericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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