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Endlose Lieferzeiten: So lange wartet man aktuell auf Neuwagen

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Wer im Moment ein neues Auto kaufen will, braucht viel Geduld: Bei manchen Modellen liegt die Lieferzeit inzwischen bei einem Jahr.

München – Es ist noch nicht lang her, da standen die Höfe der Autohändler voll – je nach Marke und Modell rang man mit teils irrwitzigen Rabatten um die Kunden. Auch wenn das die Hersteller nur ungern zugeben. Inzwischen sieht die Sache anders aus. „Je nach Fabrikat und Modell hat sich die Lieferzeit bei einem Großteil auf drei bis sechs Monate eingependelt“, erklärt Marcus Weller, Marktexperte vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e. V. Bei manchen Premium-Modellen müssten Kunden sogar neun Monate bis ein Jahr lang warten, bis sie den Wagen schließlich in Empfang nehmen können.

Endlose Lieferzeiten: So lange wartet man aktuell auf Neuwagen

Das hängt in erster Linie mit den Folgen der Corona-Pandemie zusammen. Es gibt teils enorme Lieferengpässe bei wichtigen Bauteilen, darunter Halbleiter. Viele Autobauer drosseln deshalb ihre Produktion. Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Stefan Reindl, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) sagt voraus: „Die Problematik langer Lieferzeiten könnte sich im Herbst 2021 bis weit ins Frühjahr 2022 verschärfen.“ Die Folge: Rabatte auf den Listenpreis werden seltener, auch Gebrauchtwagen-Preise ziehen an. (Chipmangel: Jetzt hat auch Opel eine Hiobsbotschaft für viele Mitarbeiter)

Endlose Lieferzeiten: „Der Bestand bei den Händlern ist ziemlich reduziert“

„Der Bestand bei den Händlern ist ziemlich reduziert“, so Marcus Weller. Fanden Kunden früher ihr Wunschmodell nicht direkt beim Händler, sei es kurzfristig aus Lagern des Herstellers lieferbar gewesen. Das sei nun schwieriger. Wartezeiten würden mitunter mit Vorführfahrzeugen überbrückt und Leasing-Verträge verlängert, sagt Weller. Wer bei der Marke flexibel sei, komme unter Umständen schneller an seinen Neuwagen. (Lieferzeiten durch Chipmangel: Auf diese Autos warten Sie ewig)

Viele Autohersteller versuchen händeringend, den Nachfrageüberhang zügig abzuarbeiten, indem sie bestellte Fahrzeuge mit noch vorhandenem Material fertigstellen. Bei Konzernen wie Volkswagen und großen Zulieferern wie Continental suchen eigens gebildete „Taskforces“ den Weltmarkt rund um die Uhr nach Restmengen vor allem der knappen Mikrochips ab.

Mitarbeiter im Volkswagen-Werk in Zwickau montieren einen Audi Q4 e-tron. (Symbolbild)
Wer aktuell ein Auto kaufen will, muss mit ungewöhnlich langen Lieferzeiten rechnen. (Symbolbild) © Hendrik Schmidt/dpa

Endlose Lieferzeiten: „Halden“ halbfertiger Autos vor manchen Werken

Doch das, was überhaupt erhältlich ist, reicht häufig nicht aus. Vor manchen Werken stauen sich bereits „Halden“ halbfertiger Autos, die bei Eintreffen fehlender Teile rasch nachgerüstet und erst dann ausgeliefert werden. Auch Porsche greift in die Trickkiste, um die Produktion am Laufen zu halten. Einige Autobauer sind sogar dazu übergegangen, Modelle ohne bestimmte Sonderausstattungen auf die Straße zu lassen, um die Systeme später zu ergänzen. (Tachonadel statt Digitalanzeige im Auto – deshalb kommt das Analog-Cockpit zurück)

Endlose Lieferzeiten: Rabatte werden gekürzt

In der Produktion fallen aufgrund des Teilemangels Schichten aus, teils über ganze Wochen. Gleichzeitig steigen die Autopreise, denn zusätzlich zur allgemeinen Verknappung des Angebots werden Rabatte gekürzt. Und die Hersteller reservieren diejenigen Chip-Chargen, die sie bekommen können, zunächst oft für höherpreisige Modelle.

Andererseits wollen die Unternehmen loswerden, was geht. Bei VW etwa führte der unbedingte Vorrang für die externe Kundschaft dazu, dass Manager vorerst keine Elektro- oder Hybridautos als Dienstwagen mehr bestellen sollen. Diese sollen sofort in den Handel gehen – normalerweise schmückt sich der Wolfsburger Hersteller jedoch damit, auch seine Führungskräfte mit alternativ angetriebenen Fahrzeugen auszustatten.

Endlose Lieferzeiten: Vor allem E-Autos betroffen

„Besonders anfällig für lange Lieferzeiten sind aktuell vor allem Elektrofahrzeuge“, sagt Autoexperte Stefan Reindl. Sie seien sowohl bei der Ansteuerung des Antriebs als auch bei Assistenz- und Kommunikationssystemen stärker auf Halbleiter angewiesen als Verbrenner-Fahrzeuge.

Ein Tesla hängt an einer Ladesäule. (Symbolbild)
Besonders bei Elektrofahrzeugen können die Lieferzeiten momentan länger werden. (Symbolbild) © Friso Gentsch/dpa

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Endlose Lieferzeiten: Kaum Entspannung auf Zuliefermärkten in Sicht

„Wir gehen derzeit davon aus, dass weltweit in diesem Jahr rund zwölf Prozent mehr Fahrzeuge verkauft werden könnten, wenn keine Probleme mit den Lieferketten bestehen würden“, prognostiziert auch Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach. In Deutschland seien es 15 Prozent. Die längsten Lieferzeiten erwarte er im kleineren bis mittleren Preissegment. Denn die knappen Halbleiter würden zunehmend auf höherpreisige Fahrzeuge konzentriert. (Wegen Chipmangel – Autoexperte Dudenhöffer gibt düstere Prognose ab)

Eine Entspannung auf den Zuliefermärkten sei in den kommenden Monaten nicht in Sicht. „Es bleibt zu hoffen, dass sich die Engpässe ab 2022 sukzessive auflösen – wenngleich nicht gänzlich.“ Denn darunter litten nicht nur Autohersteller und -zulieferer, sondern insbesondere auch der Autohandel. Wenn Händler bestellte Fahrzeuge nicht ausliefern könnten, fehle Umsatz und Ertrag. „Dies könnte zu einer ruinösen Spirale in der Automobilwirtschaft führen.“ (Mit Material der dpa)

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