1. 24auto
  2. News

Lastenräder im ADAC-Crashtest: Für Kinder sind sie ziemlich gefährlich

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Efler

Praktisch und klimafreundlich: Lastenräder gelten als optimales City-Transportmittel. Der ADAC hat ihre Sicherheit für Kinder getestet – das Ergebnis dürfte Eltern wachrütteln.

Landsberg am Lech – Sie sind umweltfreundlich, wendig, bieten jede Menge Platz für Kleintransporte in der City – und ersparen ihren Nutzern den Hometrainer ebenso wie hohe Wartungskosten: Lastenräder gelten vielen Städtern und auch einigen Landbewohnern als die bessere Alternative zum Auto. Mit dem Vorschlag der Grünen, sie mit 1000 Euro beim Kauf zu subventionieren, sind die Fahrräder mit der wuchtigen Transportbox vornedran endgültig in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gelangt. (Gemeinde zahlt Bürgern Prämie – wenn sie Verbrenner abmelden)

Lastenräder im ADAC-Crashtest: Darum sind sie für Kinder so gefährlich

Während sich die aktuelle Diskussion vor allem darum dreht, ob ökologisch vernünftig handelnde Radfahrer ebenso ein Recht auf Unterstützung durch den Steuerzahler haben wie Käufer von Elektroautos, kommt ein anderer Aspekt bisher eher etwas zu kurz: die Sicherheit. Denn viele Radler packen nicht nur den Wocheneinkauf oder kleinere Transportgüter in den Lasten-Kasten, sondern auch ihre Kinder. Sie damit in die Kita zu radeln, ist allemal klimafreundlicher als das klischeehaft per SUV zu tun – aber was passiert, wenn sich Radler und Automobilist unkontrolliert treffen? Sitzen die Kleinen beim Crash in der Holzbox einigermaßen sicher, oder drohen ihnen ernsthafte Verletzungen? (Unbekannte malen Radweg auf Straße – damit hat Autofahrerin nicht gerechnet)

Lastenräder im ADAC-Crashtest: Am sichersten mit Kindersitz

Diese unschöne Situation hat der ADAC in seinem Technikzentrum in Landsberg am Lech nachgestellt. Der Autoclub testete mehrere Arten, Kinder zu transportieren – jeweils inklusive einem Crash gegen einen Pkw. Unter den Probanden befand sich ein klassischer Fahrrad-Anhänger ebenso wie ein Kindersitz-System. Dazu besetzte der ADAC zwei Lastenräder mit je zwei Crash-Dummies in Kindergröße, die einem Alter von anderthalb und drei Jahren entsprachen.

Crashtest mit Pkw und Lastenrad
Vom ADAC simuliert: Crash zwischen Pkw und Lastenrad. © Uwe Rattay/ADAC

Dann ging‘s zur Sache: Mit einem Tempo von 30 km/h prallte ein Pkw im 45-Grad-Winkel schräg auf das stehende Fahrrad mit Transportsystem (hier auf Youtube zu sehen). Die besten Chancen für die Kinder, das heil zu überstehen, hatten sie dabei tatsächlich in einem Lastenrad – allerdings in einer seltenen Ausführung mit einer Konstruktion auf dem Gepäckträger. Auf diesem „Backpacker“ waren zwei Kindersitze montiert. „Bei einem Aufprall mit einem Pkw befinden sich die Kinder durch die hohe Sitzposition nicht im direkten Crashbereich“, entwarnte der Autoclub. (Bikerin steigt mitsamt Rad über VW, weil der auf Radweg parkt – Video macht Furore))

Lastenräder im ADAC-Crashtest: Gefahr durch Gegenverkehr

Ebenfalls glimpflich verlief die Simulation mit Fahrrad-Anhänger, da „er das Kind durch die Gurtfixierung und den stabilen Rahmen schützt“, urteilten die Tester, fanden aber auch einen Nachteil: „Die Kinder sitzen sehr niedrig, wodurch sie sich im direkten Aufprallbereich des Pkw befinden“. Weniger anfreunden konnten sich die Crash-Experten aber ausgerechnet mit den so stabil wirkenden typischen Lastenrädern. Bei diesen „kann die Box beim Kontakt mit dem Auto die Insassen zwar schützen, allerdings wurden beide Systeme umgeworfen und schlitterten aufgrund der glatten Oberfläche über die Straße“, stellten sie fest. Dort könnten die Kids in den Gegenverkehr geraten, bemängelte der Autoclub.

Schlechter als diese Lastenräder bewertete der ADAC nur noch das Nachläufersystem, bei dem ein Kinderfahrrad fest an den Rahmen des Erwachsenen-Rades gekoppelt wird. Hier würde der Nachwuchs ungeschützt vom Pkw getroffen. Vorteil des typischen Lastenrades nach Grünen-Ideal: Mit dem kann man viele andere Dinge transportieren. Kinder aber offenbar besser nicht.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare