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Frau durchschaut perfide Masche von Mercedes – und bekommt vor Gericht recht

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Von: Marcus Efler

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Null Kilometer gelaufen, aber schon ordentlich angefasst worden: Ist das nun ein Neuwagen oder nicht? Ein Gericht fällte ein salomonisches Urteil.

München – Der Preis war heiß. Nicht gerade billig, aber er schien für das Gebotene durchaus fair: 54.604,10 Euro kostete der Pkw von Mercedes – und das bei einem Listenpreis des gut ausgestatteten Modells von immerhin 61.788,90 Euro. Und das Beste: Es handelte sich, wie der Händler versicherte und auch in den Kaufvertrag schrieb, um einen Neuwagen.

Ein fabrikfrischer Benz zum Schnäppchenpreis, wer würde sich da nicht freuen? Die Käuferin tat das auch – allerdings nicht allzu lange. Denn der Wagen, der aus einer anderen Niederlassung stammte und dann zu ihr nach München überführt wurde, blieb kurz darauf liegen, der Pannendienste musste anrücken: Die Batterie hatte schlappgemacht.

Auto aus dem Showroom als Neuwagen verkauft – so urteilte das Gericht

Die ersetzte Mercedes natürlich anstandslos. Doch die Käuferin war misstrauisch geworden  – und untersuchte ihr neues Schmuckstück genauer. Und was sie beim genauen Hinsehen entdeckte, gefiel ihr nicht: Mehrere kleine Kratzer, Dellen und Abschürfungen, etwa an den Einstiegsleisten, trübten den Eindruck von einem funkelnagelneuen Auto.

Tatsächlich stellte sich heraus: Der Wagen war bereits im Einsatz gewesen. Und zwar als Ausstellungs-Fahrzeug in der Niederlassung, mit dem andere Interessenten zwar nicht gefahren waren, in dem sie aber schon fleißig Probe gesessen hatten. Also sei das Auto mitnichten ein Neuwagen, wie die Käuferin fand. Sie wollte 5.000 Euro zurück, aber der Händler nicht zahlen. Sein Argument: Kein Vorbesitzer, keine Probefahrten und deshalb keine Kilometer auf der Uhr, ergo Neuwagen.

Mercedes-Kühlergrill mit Stern (Symbolbild)
Auch für Mercedes gilt: Neuwagen müssen wirklich fabrikfrisch sein. (Symbolbild) © Artur Widak/Imago

Auto aus dem Showroom als Neuwagen verkauft – trotz Kratzern und Dellen

Man traf sich vor Gericht. Und das folgte der Argumentation der Käuferin: „Ein Fahrzeug ist dann ein Neuwagen, wenn es unbenutzt ist, das Modell des Fahrzeugs unverändert weitergebaut wird, es keine durch längere Standzeit bedingten Mängel aufweist und wenn zwischen Herstellung des Fahrzeugs und Abschluss des Kaufvertrages nicht mehr als 12 Monate liegen“, hieß es in der Begründung des Amtsgerichts Münchens.

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Auto aus dem Showroom als Neuwagen verkauft – es gibt Geld zurück

Da ein Auto im Showroom aber „von einer unbestimmten Anzahl von Personen innen und außen angefasst“ würde, die auch Türen und Kofferraum öffnen, Sitze verstellen und ähnliche Sachen machen, sei das Ausstellungsstück eben kein Neuwagen. Und der Händler muss Geld zurückzahlen.

Allerdings bei Weitem nicht die geforderten 5.000 Euro – sondern gerade mal 1.000. Schließlich sei schon im ursprünglichen Kaufpreis ein „erheblicher Abschlag“ enthalten gewesen, urteilte der Richter salomonisch. So ein richtiges Schnäppchen war der Mercedes im Endeffekt dann aber wohl doch eher nicht.

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