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Kfz-Meister Wüppenhorst: „Werden nie ohne den Verbrenner fahren“

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Die Verkehrswende soll es richten – und mit neuen Technologien die Umwelt spürbar entlasten. Elektro-Autos haben dabei Vorfahrt. Aber diese Rechnung geht nicht auf, mahnt der Kraftfahrzeugmeister Fritz Wüppenhorst aus Twistringen. Zu viele offene Fragen und zu viele Ungereimtheiten werfen nach Meinung des 69-Jährigen, der seit 49 Jahren eine eigene Werkstatt mit Tankstelle und Autohaus betreibt, dunkle Schatten auf die hochgepriesene Elektro-Technologie.

Landkreis Diepholz – Der Bezirksobermeister der Kfz-Innung Niedersachsen-Mitte ist überzeugt: „Wir werden nie ohne den Verbrenner fahren oder fliegen.“ Er fügt ausdrücklich hinzu: „Das ist meine ganz persönliche Meinung!“ In der Innung gebe es auch andere Standpunkte. Aber dass die zurzeit 60 Millionen Autos in Deutschland in 15 Jahren komplett durch E-Autos ersetzt sind, hält Wüppenhorst für völlig illusorisch.

Fritz Wüppenhorst kritisiert Batterie-Herstellung und verweist auf Materialmangel

„Wie viele Ladestationen will man denn bauen?“, fragt der Kfz-Meister. Von der Menge des Stroms, der dann gebraucht würde, ganz zu schweigen. Deutschland müsse aber schon jetzt Strom aus Frankreich, den Niederlanden oder sogar Norwegen zukaufen.

Vor allem aber könnten sich die Batterien als katastrophaler Fallstrick erweisen. „Eine Batterie kostet zwischen 6 000 und 20 000 Euro“, rechnet der Fachmann vor, „sie hat eine Lebensdauer von fünf bis acht Jahren.“ Nur Fachfirmen dürften sie ausbauen und den Transport zur Entsorgung übernehmen. Was am Ende mit den Batterien geschehe, sei noch unklar.

Autohersteller würden ein Batterie-Leasing anbieten. Aber ob der Wechsel in der Zukunft reibungslos funktioniere, sei fraglich: „Wissenschaftler haben errechnet, dass die Kobalt-Reserven für die Batterie-Herstellung nur noch elf Jahre reichen“, verweist er auf den Focus-Bericht über eine Studie. Wie er auch gelesen habe, müssten Jugendliche in Afrika schon heute kobalthaltiges Erz, das für die Batterieproduktion gebraucht werde, mit bloßen Händen aus der Erde holen.

Dabei würden im Jahr 2030 für 36  Millionen neue E-Autos 1 300 Gigawatt Batteriekapazität gebraucht. Unabhängig davon fragt sich der Kfz-Meister, warum ein E-Auto 500 PS haben müsse: „Das braucht eigentlich keiner.“

Mechaniker brauchen spezielle Ausbildung für Umgang mit E-Autos

Wie wandelt sich der Werkstatt-Alltag durch E-Autos? Sie seien etwa 700 oder 800 Kilo schwerer als bisherige Autos, so der Kfz-Meister. Deshalb seien Bremsen und Reifen wichtige Aufgaben. Für die Wartung und Reparatur von E-Autos müssten die Werkstätten spezielle Bereiche einrichten und mit Warnschildern versehen. Der Brandschutz habe besonderes Gewicht.

„An E-Autos darf nicht jeder arbeiten“, betont Wüppenhorst, selbst wenn er über eine fundierte Kfz-Ausbildung verfüge: „Man braucht einen Hochvoltschein.“ Um den zu bekommen, müssten Mitarbeiter spezielle Seminare besuchen. Die Notwendigkeit steht für ihn außer Zweifel. Denn bei E-Autos gehe es um Stromstärken zwischen 400 und 800 Volt – fast das Doppelte und das Vierfache eines normalen Hausanschlusses.

Die Brandgefahr eines E-Autos schätzt der Twistringer vergleichsweise hoch ein – besonders, wenn die Batterie überladen werde oder fast leer sei. Für die Feuerwehr sei so ein Brand eine enorme Herausforderung, weil sich E-Autos nicht löschen lassen. Sie müssen dafür tagelang getaucht werden.

Gerade das hält Fritz Wüppenhorst im Flächenlandkreis Diepholz für mehr als eine Herkules-Aufgabe: „Wie viele Feuerwehren will man mit dieser aufwendigen Löschtechnik ausrüsten? Oder mit Spezialfahrzeugen, die mit Löschplanen abgedeckte Autos zu den Tauchstationen bringen?“

Wüppenhorst: Strom statt E-Autos subventionieren

Die Kosten für die öffentlichen Haushalte hat der Kfz-Meister und Kommunalpolitiker immer wieder im Blick. Wer ein 40 000 Euro teures E-Auto kaufe, erhalte vom Bund eine Förderung von 9 000 Euro. Eine Ladestation werde mit bis zu 900 Euro gefördert. Von Zuschüssen für die Produktionsanlagen der Autobauer ganz schweigen.

Große Ausgaben für den Staat, dem andererseits enorme Steuereinnahmen wegbrächen: „37,6 Milliarden Euro Energie-Steuer fallen jährlich weg“, blickt der Twistringer auf die Besteuerung von Benzin und Diesel – und fragt: „Wie soll das ausgeglichen werden? Das sagt keiner!“ Er wolle das alles nicht schwarz reden, „aber diese Fragen müssen geklärt werden“.

Wer schnell die Umwelt entlasten wolle, so der 69-Jährige, der müsse auf Gas oder E-Fuels setzen. Die Umrüstung herkömmlicher Fahrzeuge auf Gasantrieb sei längst möglich: „Dann sind 90 Prozent Feinstaubbelastung weg und auch CO2 ist reduziert.“ E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe, könnten schon jetzt dem normalen Treibstoff beigemischt und so Schadstoffe halbiert werden.

Dass die Herstellung von E-Fuels viel Energie braucht, ist dem Twistringer bewusst. „Aber der Strom könnte über Solar- und Windkraftanlagen in sonnenreichen Ländern erzeugt und als fertiger Wasserstoff zu uns transportiert werden.“

Wüppenhorst fordert Mix aus E-Mobilität, Gas und Wasserstoff

Fazit seiner Argumentation: Letztendlich hängt alles vom Strom ab. Und genau der sei in Deutschland zurzeit um ein Vielfaches teurer als in anderen Ländern. Hier koste eine Kilowattstunde zurzeit 31,81 Cent, sagt der Kfz-Meister. Der Durchschnittspreis in der EU liege aber bei nur 13,2 Cent.

Eine effektive Verkehrswende braucht einen Mix aus E-Mobilität, Gas und Wasserstoff, so die persönliche Meinung des Bezirksobermeisters. Weil Strom in jedem Fall eine Schlüsselrolle hat, befürwortet Wüppenhorst eine Subventionierung des Strompreises: 10 Cent pro Kilowattstunde wären aus seiner Sicht eine effektive Lösung. Dann könne weit mehr für den Klimaschutz getan werden: „Alle Haus-Öl-/Gasheizungen könnten auf Strom umgerüstet werden, die Infrastruktur ist da. Jedes Haus hat einen Stromanschluss, und Warmwasser lässt sich speichern.“

Nur auf E-Mobilität zu setzen, hält Wüppenhorst für fatal. Angesichts der vielen Unsicherheiten ist er sicher: „Dann bauen wir in 15 Jahren alles wieder zurück!“ Der Kfz-Meister betont: „Die Energiewende ist nicht nur in Deutschland wichtig, sondern weltweit.“ *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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