Johanniter starten Pilotprojekt

Eindeutige Botschaft: QR-Code auf Rettungswagen soll Unfall-Gaffer verscheuchen

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Mit einer eindeutigen Botschaft wollen die Johanniter fotografierende Unfall-Gaffer ausbremsen. Ein QR-Code auf den Rettungswagen soll die Warnung direkt auf den Smartphones erscheinen lassen.

Berlin – Rettungskräfte müssen bei ihren täglichen Einsätzen viel Leid miterleben. Doch seit Smartphones zum Alltag gehören, erschweren rücksichtslose Gaffer die Arbeit der Retter noch zusätzlich. Da wird nicht nur aus der Entfernung hemmungslos gefilmt und fotografiert, sondern in manchen Fällen werden die Rettungsarbeiten sogar massiv behindert – nur, um bei Unfällen den besten „Schnappschuss“ von Verletzten oder möglicherweise sogar Toten zu bekommen. Die Johanniter-Unfall-Hilfe will diesen erschreckenden Trend nun so gut es geht stoppen – und fotografierende Unfall-Gaffer im Rahmen der Möglichkeiten abschrecken. (Neuer Bußgeldkatalog 2021: Einige Verkehrsverstöße werden jetzt erst richtig teuer)

Drastische Botschaft: QR-Code auf Rettungswagen soll Unfall-Gaffer ausbremsen

Hinter der Idee zum Gaffer-Stopp verbirgt sich ein technischer Trick: QR-Codes an den Rettungsfahrzeugen oder an der Ausrüstung der Retter lösen auf den Smartphones von fotografierenden Schaulustigen einen drastischen Warnhinweis aus. Auf den Handys erscheint die Botschaft: „Stopp! Gaffen tötet! Du behinderst Rettungskräfte und machst dich strafbar.“ Der Hintergrund des Smartphones blinkt dabei Rot. Die Idee einer Werbeagentur, die den Gaffern ihre Tat unmittelbar bewusst machen soll, wird in den nächsten Monaten von den Johannitern in einem Pilotprojekt getestet, wie die Johanniter-Unfall-Hilfe mitteilte. (Mitsubishi-Fahrer blockiert Notfallspur – und sorgt für tierische Aufregung)

Die Johanniter testen einen QR-Code, der Gaffer mit einer krassen Botschaft abschrecken soll.

QR-Code auf Rettungswagen soll Schaulustige ausbremsen: „Gaffer sind ein Riesenproblem“

Immer wieder käme es vor, dass die Arbeit der Rettungskräfte durch Schaulustige behindert würde, heißt es weiter. Verschärft würde das Problem demnach durch die Verbreitung von Smartphones und durch die sozialen Medien. „Das muss sich ändern, denn oft entscheiden schon wenige Minuten über Leben oder Tod“, sagte Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe. In einem YouTube-Video der Johanniter, das hier zu finden ist, erzählen Einsatzkräfte von ihren teils erschreckenden Erlebnissen mit Gaffern.

Acht Rettungswagen und ein Intensivtransportwagen sollen den Angaben zufolge im Rahmen des Test-Projektes mit den auffälligen QR-Codes ausgestattet werden. David Kreuziger vom Landesvorstand der Johanniter in Berlin/Brandenburg hofft auf Nachahmer: „Gaffer sind ein Riesenproblem in allen Rettungsdiensten, daher sind wir sicher, dass diese Aktion eine hohe Aufmerksamkeit bekommen und Nachahmer in der gesamten Branche finden wird.“ (SUV-Raser klaut Radarfalle: Dreister Mercedes-Fahrer rächt sich kurz entschlossen an Blitzer)

QR-Code soll Gaffer ausbremsen – Fotos von Verletzten können hart bestraft werden.

Fotos von Unfall-Toten oder Verletzten bei Verkehrsunfällen können in Deutschland hart bestraft werden. Das Gesetz droht mit Geldbußen oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren.

Fraglich ist allerdings, ob der QR-Code bei jeder Smartphone-Kamera tatsächlich auch die gewünschte Botschaft auslöst. Oder ob das Ganze nur funktioniert, wenn eine spezielle Foto-Software im Einsatz ist, die auch QR-Codes ausliest. Sollte das Telefon keine Datenverbindung haben, dürfte es wohl auch nicht klappen, weil durch den QR-Code eine Website aufgerufen wird. Eines ist aber sicher: Auch wenn die Technik nur einen Teil der Gaffer ausbremst und somit Unfall-Fotos verhindert, ist sie auf jeden Fall ein Erfolg. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © André Wagenzik / dpa

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