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Nach Jahrhundert-Hochwasser: Wohin mit all den Auto-Wracks?

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Von: Jasmin Pospiech

Das Jahrhundert-Hochwasser in Rheinland-Pfalz und NRW hat nicht nur Häuser vernichtet. Es hinterließ tausende demolierte Autos. Was passiert mit den Wracks?

Berlin – Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Flutschäden an Autos sind durch eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgedeckt. Die grobe Regel: Wenn das Wasser zum Auto kommt, zahlt die Versicherung. Wenn das Auto zum Wasser kommt, zahlt sie nicht. Wer also durch eine überflutete Unterführung fährt und stecken bleibt, geht leer aus. Ebenso all jene, die nur eine Haftpflichtversicherung haben.

Nach Jahrhundert-Hochwasser: Wohin mit all den Auto-Wracks?

Die Versicherer haben schon gerechnet: „Laut einer aktualisierten Schadenschätzung sind rund 40.000 Kraftfahrzeuge durch die Fluten beschädigt oder zerstört worden“, so Jörg Asmussen, Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): „Der versicherte Schaden für die Kfz-Versicherer liegt bei rund 200 Millionen Euro.“ Damit fällt der Anteil der Kfz-Schäden gemessen an der gesamten vorläufigen Schadenbilanz relativ niedrig aus.

Der GDV geht nämlich insgesamt von 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro aus. Ohnehin sind die Kfz-Versicherer laut GDV bei den Hochwasserschäden glimpflich davon gekommen. Der Hagel wenige Wochen zuvor etwa hat in Deutschland rund 275.000 Sachschäden an Kraftfahrzeugen verursacht, die nach bisherigen Schätzungen die Versicherer rund 700 Millionen Euro kosten werden.

Nach Jahrhundert-Hochwasser: Autowracks werden zu Sammelpunkten gebracht

Als die Flut Mitte Juli durch die Flusstäler in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen rollte, riss sie massenweise Fahrzeuge mit sich, schwemmte sie wie Treibgut in unterspülte Häuser, zerstörte Straßen und zugeschlammte Gärten. Wie groß die Umweltschäden dadurch sind, lässt sich noch nicht mal absehen: Denn Öl und Benzin aus den leckenden Autos haben Wiesen, Felder und Plätze verunreinigt.

Die Autowracks selbst werden derzeit von Abschlepp-Unternehmen aufgesammelt und zu riesigen Lagerplätzen gebracht, die bereits aus allen Nähten platzen. Von dort aus sollen sie später auf verschiedene Schrottplätze verteilt werden. Dennoch besteht eine gute Chance, dass Besitzer ihr Auto zumindest wiederfinden und ihrer Versicherung als Schaden melden können.

Mehrere Autos sind nach der Flutkatastrophe ein Totalschaden.
Nach der Flutkatastrophe stellt sich die Frage: Wohin mit den Autowracks? © press-inform

Die Behörden haben begonnen, entsprechende Suchdatenbanken mit täglich aktualisierten Daten einzurichten. So können Fahrzeughalter beispielsweise über ein neues Portal der Kreisverwaltung Ahrweiler abfragen, welcher Abschleppdienst ihr Fahrzeug geborgen und abtransportiert hat. Zur Suche wird lediglich das Kennzeichen benötigt.

Nach Jahrhundert-Hochwasser: Die meisten Flutautos sind Totalschäden

Die meisten der Fahrzeuge dürften Totalschäden sein. Der ADAC geht von drei Szenarien aus, die auch für Elektroautos gelten. Selbst wenn das Wasser noch unterhalb der Türschweller geblieben und der Innenraum trocken ist, sind Schäden nicht auszuschließen. „Wir empfehlen, alle Funktionsbauteile im Bodenbereich des Autos checken zu lassen“, erklärt Peter Bredol vom ADAC. (Audi: Streit mit Flut-Helfer – Testwagen zu Hochwasserhilfe missbraucht?)

Reichte das Wasser über die Türschweller oder ist in den Innenraum eingedrungen, sind Schäden laut ADAC sehr wahrscheinlich. „Dann sollte das Fahrzeug nicht mehr gestartet werden, um Folgeschäden zu vermeiden. Es sollte zum nächsten trockenen Ort geschoben oder abgeschleppt werden“, rät Peter Bredol. Überprüft werden sollten alle Bauteile, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind. Sicherheitsrelevante Teile wie zum Beispiel Gurtstraffer oder die Aufrollautomaten der Gurte sollten ausgetauscht werden. Ersetzt werden sollten auch Bodenbeläge, Dämmmatten oder Tür- und Seitenverkleidungen, da Schmutz und Nässe anders kaum zu entfernen seien. (Mann sieht Lieferwagen im Hochwasser treiben – und fährt trotzdem rein)

Nach Jahrhundert-Hochwasser: Was die Kfz-Versicherung übernimmt

Stand das Wasser im Auto bis zur Unterkante der Fensterscheibe, dürfte wenig zu retten und das Auto ein wirtschaftlicher Totalschaden sein. Höchstwahrscheinlich wurden dann alle elektrischen und elektronischen Bauteile einschließlich der Kabelbäume beschädigt, Wasser und Schlamm gelangten in Motor und Getriebe. Auch die Elektronik hinterm Armaturenbrett dürfte zerstört sein. Gefährdet sind darüber hinaus vor allem Lenkgetriebe, Betriebs- und Feststellbremse, Antriebswelle, Radlager, Lichtmaschine, Anlasser, Textilien wie Sitze und Dämmmatten, Gurtstrammer, Katalysator und Airbag.

Wer mindestens eine Teilkaskoversicherung hat, sollte sein Auto rundum und inklusive Details fotografieren und seiner Versicherung den Schaden melden. Erfahrungsgemäß reagieren Versicherer bei solch großen Schadenereignissen schnell und unbürokratisch.

Wer nur eine Haftpflichtversicherung hat, dem bleibt allenfalls noch der Verkauf des Fahrzeuges. Dass sich eine Reparatur lohnt, ist zweifelhaft. Mit „massiven Funktionsstörungen“ sei immer zu rechnen, sagt der ADAC. Mittlerweile ist ein regelrechter Markt für Autos aus den Flutgebieten entstanden. Auf eBay mehren sich die Suchanzeigen nach „Flutautos“ und auch Ankaufportale suchen ganz gezielt danach.

Nach Jahrhundert-Hochwasser: Flutautos auf Online-Portalen verkaufen?

Wer sein Auto mit Wasserschaden verkaufen will, findet meist schwer einen Käufer. Wer ein Flutauto verkauft, der muss den Käufer wie bei einem Unfallwagen ausdrücklich darauf hinweisen.

Allerdings beschränkt sich der Handel mit Flutautos nicht nur auf Deutschland. Nach dem Wirbelsturm Katrina August 2005 sind Tausende durch Salzwasser und Schlamm beschädigte Autos etwa nach Bolivien verkauft worden und haben so zur Globalisierung der Auto-Recycling-Industrie beigetragen.

Laut einer UN-Studie wurden zwischen 2015 und 2018 weltweit etwa 14 Millionen gebrauchte Autos und Kleintransporter exportiert. Die meisten gingen in Länder mit niedrigen oder mittleren Durchschnittseinkommen. Mehr als die Hälfte wanderte nach Afrika, vor allem nach Nigeria, Benin und Gambia. Wahrscheinlich werden daher auch einige ausgebesserte Totalschäden aus unseren Flutgebieten schon bald in Afrika unterwegs sein. (Von Jürgen Wolff/press-inform)

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