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Illegales Autorennen auf A66: Unbeteiligte gestorben – Raser nach 7 Monaten gefasst

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Von: Christian Schulz

Nach dem illegalen Autorennen auf der A66 bei Hofheim, bei dem eine unbeteiligte Frau gestorben ist, hat die Polizei den flüchtigen dritten Raser geschnappt – mit falschen Papieren.

Hofheim/Herford – Endlich! Der dritte an dem tödlichen Autorennen auf der Autobahn 66 bei Hofheim am Taunus beteiligte Raser ist gefasst. Nach einem anonymen Hinweis wurde der flüchtige Lamborghini-Fahrer auf einem Parkplatz im nordrhein-westfälischen Kreis Herford festgenommen. Dies bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Wie es zu der Verhaftung kam ist genauso abenteuerlich wie die Flucht des Mannes.

Illegales Autorennen auf A66: Unbeteiligte Frau verbrannt – Raser nach 7 Monaten gefasst

Die gegen die drei Raser in ihren hochgerüsteten Boliden erhobenen Vorwürfe sind schwerwiegend: Im Oktober des Jahres 2020 sollen sie sich mit ihren ultraschnellen Sportwagen auf der A66 ein illegales Rennen geliefert haben. Bei Hofheim am Taunus endete der Geschwindigkeitsrausch tödlich. Ein 29-jähriger Fahrer eines Lamborghini Aventador S (740 PS) verlor zwischen Diedenbergen und Hofheim bei Tempo 200 die Kontrolle. Der Wagen des im Rhein-Main-Gebiet wohnhaften Mannes schleuderte gegen die Mittelleitplanke und kollidierte mit voller Wucht mit einem unbeteiligten Škoda Kamiq, den er regelrecht von der Straße schoss. Daraufhin fingen beide Fahrzeuge sofort Feuer. Der Todesraser konnte sich aus dem brennenden Autowrack retten – die 71-jährige Fahrerin des Škoda hingegen verbrannte in ihrem Kompakt-SUV. (Raser können wegen Mordes verurteilt werden, wenn ...)

Der 29-jährige Navid F. kam nach dem fatalen Crash in eine Klinik und wurde dann festgenommen. Der zum Unfallzeitpunkt 26-Jährige Tim G. aus dem Raum Aachen, der in einem getunten Porsche 911 GT3 unterwegs war, stellte sich noch am selben Tag der Polizei. Nach dem dritten Täter, dem flüchtigen Ramsy A., wurde seither gesucht. Sein Lamborghini Roadster wurde in einem Stadtteil von Hofheim am Taunus sichergestellt. Das Auto war im Gegensatz zu den beiden anderen Fahrzeugen in Dubai gemeldet. Die Fahndung verlief lange Zeit erfolglos – obwohl Polizei und Staatsanwaltschaft auch Fotos des zum Tatzeitpunkt 34-Jährigen veröffentlicht hatten. (Eigenes Auto überführt Raser – so soll moderne Technik illegale Autorennen bekämpfen)

Das Wrack eines ausgebrannten Lamborghini Aventador S auf der Autobahn A66.
Mit diesem Lamborghini Aventador S tötete ein Raser eine Person am Steuer eines Škoda Kamiq – das Opfer verbrannte. © Robin von Gilgenheimb/Wiesbaden112.de/dpa/Instagram

Illegales Autorennen auf A66: Mordvorwurf fallengelassen – trotzdem droht lange Haftstrafe

Gegen alle drei Raser wurde wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen sowie mit gemeingefährlichen Mitteln ermittelt. Um die Ermittlungen zu unterstützen, wurde das tödliche Autorennen auf der A66 sogar zum Thema der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Nach Ausstrahlung der Sendung am 14. Oktober 2020 gingen laut der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe „Toro“ (dt.: Stier) in Wiesbaden dutzende Hinweise ein. Es gelang jedoch nicht, den Flüchtigen dingfest zu machen. (Raser-Polizisten: Crash-Rennen im Streifenwagen – Bodycam nimmt alles auf)

Den Mordvorwurf gegen die drei Männer hat die Staatsanwaltschaft inzwischen fallengelassen, weil sie nach eingehenden Ermittlungen keinen Tötungsvorsatz mehr erkennen konnte. Navid F. und Tim G. kamen dadurch aufgrund ihres festen Wohnsitzes nach einer Woche in Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß. Wegen Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen (Paragraf 315d StgB, Höchststrafe zehn Jahre Gefängnis) wird jedoch weiter ermittelt. (Tesla-Dashcam: Video rettet angeblichen Raser – vorm Polizeichef)

Auslöser des tödlichen Unfalls bei dem mutmaßlichen Autorennen auf der A66 bei Hofheim war vermutlich der Spurwechsel eines unbeteiligten roten Opel, der zum Überholen von der Mittelspur nach links ausscherte. Navid F. habe bei hoher Geschwindigkeit wohl ausweichen müssen und die Kontrolle verloren, so die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Das habe die Auswertung eines Videos ergeben. Nach seinem Ausweichmanöver krachte der damals 29-Jährige dann verhängnisvoll in die Mittelleitplanke. (Mit Tempo 330 erwischt: Raser-Rowdy entpuppt sich als Formel-3-Star – seine Ausrede ist irre)

Illegales Autorennen auf A66: Ramsy A. zeigt falsche Papiere – und versucht zu fliehen

Der nun festgenommene Ramsy A. war über sieben Monate untergetaucht und hatte sich mit den Ermittlungsbehörden zeitweise ein Katz- und Mausspiel geliefert. Über seinen Anwalt Joachim Bremer ließ er mitteilen, dass er sich stellen würde, wenn er nicht in Haft müsse. Er bot der Frankfurter Staatsanwaltschaft einen Deal an, auf den die Behörde allerdings nicht einging. Schließlich meldete sich Ramsy A. sogar selbst zu Wort – und behauptete gegenüber der Bild: „Das war kein Rennen!“ Sein Strafverteidiger konnte ihm laut eigener Aussage nicht raten, sich bei den Strafverfolgungsbehörden zu melden. So blieb der Raser auf der Flucht – bis ihn der lange Arm des Gesetzes schließlich doch erreichte. (Illegales Autorennen mit 222 km/h: Raser will Freispruch – Gericht verpasst Denkzettel)

Auf die Spur des nun in Nordrhein-Westfalen gefassten mutmaßlichen Rasers kam die Polizei laut Staatsanwaltschaft durch einen anonymen Tipp, der sich als goldrichtig erwies. Als die Polizei den mittlerweile 35-Jährigen gegen 15 Uhr in einem grauen Mercedes mit Mindener Kennzeichen auf dem Parkplatz eines Verbrauchermarkts an der Herforder Straße in Bünde kontrolliert habe, habe er zunächst den Führerschein und den Ausweis seines Bruders gezeigt. Er sei allerdings trotzdem erkannt worden. Daraufhin versuchte Ramsy A. zu Fuß zu fliehen, die Beamten konnte ihn allerdings schnell überwältigen und verhaften. (Mit Material der dpa)

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