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VW ID.3 schneller geliefert: Wolfsburg warnt vor grauen Importen aus China

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Von: Marcus Efler

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Lange Lieferzeiten für VW-Stromer bringen europäische Händler dazu, ihren Kunden einen ID.3 aus China-Produktion zu besorgen. Die Wolfsburger Zentrale findet das gar nicht gut.

So geschieht es derzeit wohl gerade tausendfach in Deutschland: Der Autofahrer hat sich nach langer, reiflicher Überlegung endlich für den Kauf eines neuen, vollelektrischen Autos entschieden. Trotz der hohen Preise deutscher Automarken soll es natürlich ein VW sein, schließlich verbrachte man seit der Fahrschule sein ganzes Autofahrerleben in solchen Modellen.

Online vorab informiert, schließlich der Besuch beim Händler des Vertrauens. Dann naht der große Tag der Unterzeichnung eines Kaufvertrages für einen ID.3. Lieferzeit? Der Händler macht ein trauriges Gesicht: Dieses Jahr wird das ganz schön knapp, elf, zwölf Monate muss man schon warten.

VW ID.3
Schneller aus China: Der VW ID.3 © Ingo Barenschee/VW

VW ID.3 aus China: Hersteller warnt vor grauen Importen nach Deutschland

Der Kunde reagiert schockiert. Von heftigen Lieferzeiten hat er auch schon gehört, und schließlich ist Vorfreude die schönste Freude. Aber gleich so lange? Und reicht das dann überhaupt noch für die Umweltprämie? Vielleicht dann lieber doch einen schnell lieferbaren Konkurrenten anschauen wie den süßen Ora Funky Cat?

In diesem Moment sieht sich der VW-Händler des Vertrauens verstohlen nach links und rechts um, senkt seine Stimme und sagt: „Vielleicht habe ich da etwas für Sie“.

Und zwar einen Wagen aus China. Dort nämlich sind VW-Stromer weniger populär als hierzulande, und relativ schnell verfügbar. Die Versuchung für manchen deutschen VW-Händler ist also nicht gering, bei einem dortigen Graumarkthändler einen VW ID.3 zu besorgen, der vom Joint-Venture Partner SAIC im chinesischen Anting bei Shanghai gefertigt wird.

VW ID.3 aus China: Hard- und Software-Konfiguration unterscheidet sich

Doch genau vor dieser Masche warnt die Wolfsburger VW-Zentrale nun ihre Händler: „Diese Fahrzeuge dürfen von Ihnen im vertraglich autorisierten Geschäft mit der Marke Volkswagen weder gekauft, vertrieben noch mit Ihrer Hilfe an die hiesigen Marktgegebenheiten angepasst werden“ heißt es in einem Schreiben, aus dem das Handelsblatt zitiert.

Aufgrund ihrer Hard- und Software-Konfiguration seien die China-Modelle in Europa nicht zulassungsfähig. So entspreche der Ladestecker ebenso wenig hiesigen Normen wie der Notruf-Assistent, statt hierzulande üblicher Internet-Dienste ist die chinesische All-in-one-App WeChat eingerichtet. Offenbar haben die chinesischen freien Händler bei ihren europäischen Kollegen schon angefragt, ob sie die Umrüstung übernehmen könnten. Tatsächlich sind auf diesem Weg wohl schon einige SAIC-Autos vor allem nach Italien gelangt.

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VW droht seinen hiesigen Händlern laut Handelsblatt, der Import solcher Fahrzeuge stelle „vertragswidriges Verhalten“ dar, man werde „solche Verhaltensweisen nicht tolerieren“. Allerdings könnten solche Deals in Zukunft eher noch zunehmen: Der VW-Konzern will die Macht seiner Händler beschneiden, und auch Rabatte offiziell gekaufter Autos abschaffen – indem er auf das Agenturmodell umstellt, bei dem das Autohaus nur noch berät, der Vertrag aber mit VW selber beschlossen wird. Möglicherweise suchen sich manche Händler dann andere Wege, um an Ware zu kommen.

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