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Nach Hacker-Angriff: Amis ohne Sprit – wäre so was auch in Deutschland möglich?

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Von: Marcus Efler

Nach einem Hacker-Angriff gab’s an der US-Ostküste kaum noch Sprit. Während dort der Notstand ausgerufen wurde, fragen sich deutsche Autofahrer: Wäre so was auch in Deutschland möglich?

Houston (USA) – Nachdem Hacker in den USA die Betreiberfirma einer Pipeline für Benzin und Kerosin angegriffen hatten und die Pipeline daraufhin abgeschaltet wurde, befürchten Autofahrer an der Ostküste offenbar einen Engpass – und stürmen die Tankstellen. Erst im Osten, dann auch im Süden – die Nachfrage nach Benzin schnellte innerhalb weniger Stunden um 20 bis 40 Prozent nach oben. Teilweise war der begehrte Sprit auch bereits ausverkauft. (Überfall an Tankstelle: Kunde schlägt Kriminelle mit kurioser Aktion in die Flucht)

Nach Hacker-Angriff: Amis geht Sprit aus – könnte das auch bei uns passieren?

Was war passiert? Hacker, die die Bundespolizei FBI in Russland oder Ost-Europa vermutet, hatten den Pipeline-Betreiber „Colonial“ mittels Schad-Software angegriffen – mit Erfolg, denn die 8.850 Kilometer lange Leitung entlang der Ostküste wurde daraufhin abgeschaltet. Normalerweise transportiert die größte Pipeline der USA täglich drei Millionen Barrel Sprit (ca. 477 Millionen Liter) zwischen Houston und New York, und deckt damit ungefähr 45 Prozent des gesamten Benzinbedarfs der US-amerikanischen Ostküste. (Spritverbrauch viel höher als Herstellerangaben? EU will genauer hinschauen)

Schild an einer Tankstelle mit der Aufschrift: „Out of Fuel“

Sprit ausverkauft: Schild an einer Exxon-Tankstelle in Lynchburg, Virginia. © Kendall Warner/dpa

Nach Hacker-Angriff: Amis geht Sprit aus – größte Pipeline lahmgelegt

Das Transport-Ministerium erklärte für 17 US-Bundesstaaten und Washington, D.C. den regionalen Notstand. Gesetzliche Vorgaben zur Beimischung von Zusatzstoffen, die das Benzin weniger umweltschädlich machen, wurden vorübergehend ausgesetzt, damit die verbleibenden Sprit-Reserven schneller zu den Tankstellen gelangen können. Im Anschluss versuchte „Colonial“, die Pipeline zumindest teilweise wieder in Betrieb zu nehmen. Um eine noch weitere Infizierung durch die Ransomware zu verhindern, musste der größte Pipeline-Betreiber der USA aber vorerst mehrere Systeme offline nehmen. Inzwischen hat die Pipeline den Betrieb schrittweise wieder aufgenommen. Inzwischen wurde bekannt, dass dafür 4,4 Millionen US-Dollar an die Hacker geflossen sein sollen. „Colonial“ warnte außerdem davor, dass es mehrere Tage dauern werde, bis die Pipeline wieder normal arbeiten würde. (Ford F-150 Hybrid als Stromgenerator: Spontaner Trick rettet Texaner in Extrem-Kältewelle)

Amis geht der Sprit aus: Kann so was auch in Deutschland passieren?

Während deutsche Autofahrer verwundert auf den Vorfall jenseits des großen Teichs blicken, fragen sie sich: Wäre so etwas auch in Deutschland möglich? Die Antwort: Im Prinzip nein. Denn eine zentrale Sprit-Röhre, von der ganze Regionen abhängen, gibt es hierzulande nicht. Allerdings ist natürlich denkbar, dass Ereignisse wie Wetter-Katastrophen, Kriege oder diplomatische Verwerfungen Europa oder Deutschland vom Nachschub abschneiden. Für solche Fälle hat der zuständige Erdölbevorratungsverband (EBV) in Hamburg vorgesorgt: Er hält verschiedene Mineralölprodukte (Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin und Schweröl) für mindestens 90 Tage vor und hat 24 Millionen Tonnen davon an verschiedenen Standorten in ganz Deutschland verteilt. Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

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