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Greenpeace erhebt Vorwürfe gegen VW: Wird E-Auto-Verkauf über schlechtere Provisionen gebremst?

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Von: Sebastian Oppenheimer

Will der Wolfsburger Autobauer VW gar nicht so gerne E-Autos verkaufen, wie er eigentlich vorgibt? Genau das behauptet nun die Umweltorganisation Greenpeace.

Hamburg/Wolfsburg – Volkswagen trommelt wie wild für seine neuen Elektromodelle – allen voran das elektrische Golf-Pendant VW ID.3. VW-Chef Herbert Diess (62) trimmt den Autobauer mit aller Macht in Richtung E-Mobilität: Bis 2024 will der Wolfsburger Autobauer rund 35 Milliarden Euro in E-Autos investieren. Doch nun erhebt die Umweltorganisation Greenpeace schwere Vorwürfe: Die VW-Händler verkaufen demnach Stromer nur sehr ungern. Das will der deutsche Ableger der Umweltorganisation in einer Recherche herausgefunden haben. Bei 50 verschiedenen VW-Händlern habe man Testgespräche geführt und sich als potenzielle Elektroauto-Kunden ausgegeben, zu denen ein VW ID.3 gut passen würde. Doch in 27 Fällen empfahlen die Verkäufer stattdessen einen Verbrenner (Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid). (VW ID.3 mit nagelneuer „ID-Software 2.0“ – doch Bestandskunden müssen sich gedulden)

Fahrzeuge stehen auf dem Hof eines VW-Händlers.

In einem Test von Greenpeace sollen viele VW-Händler eher Verbrenner als E-Autos empfohlen haben. © Julian Stratenschulte/dpa

Greenpeace erhebt schwere Vorwürfe gegen VW: Autobauer bremst E-Auto-Verkauf

Laut Greenpeace seien die Verkaufszahlen des VW ID.3 bislang „enttäuschend“. So sei der Wolfsburger Stromer im November – dem zweiten vollen Zulassungsmonat des VW ID.3 – hinter Elektroautos von Renault und Hyundai zurückgeblieben. Seit Beginn der Auslieferungen im September wurden laut der Umweltorganisation bis November 7.349 VW ID.3 in Deutschland zugelassen, 3.000 davon als Eigenzulassung von VW oder VW-Händlern. (VW-Chef Herbert Diess heftig unter Druck – wegen Tesla und Elon Musk: So will er das Steuer rumreißen)

Wie die Umweltorganisation erklärt, hätten Ehrenamtliche im November in 38 Städten 50 Beratungsgespräche mit VW-Händlern geführt. Demnach hätten die „Testkunden“ ihre Wünsche grundsätzlich so formuliert, dass ihr Käuferprofil zu einem VW ID.3 mit mittlerer Batteriegröße passte. In der Hälfte der Gespräche habe man eine offene Frage nach einer Modell-Empfehlung gestellt, in der anderen Hälfte der Beratungen gaben die Tester an, zwischen einem VW Golf und einem VW ID.3 zu schwanken. Bei der offenen Frage hätten 17 Verkäufer einen Verbrenner empfohlen (Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid), nur einer einen VW ID.3, einer ein anderes E-Auto – sechs hätten gar keine Empfehlung abgegeben. Bei der Entscheidungsfrage zwischen Golf und VW ID.3 hätten zehn Verkäufer den Golf (Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid) empfohlen, sieben einen VW ID.3 und acht hätten keine Empfehlung geäußert. (VW ID.3 schlägt Golf 8 GTI im Sprint – Netz lästert über Werbevideo)

Greenpeace erhebt schwere Vorwürfe gegen VW: Handel nicht für Verkauf von E-Autos bestrafen

Nur: Woran liegt es, dass angeblich mehr Händler den Verbrenner empfahlen? Laut Greenpeace habe dies mit den finanziellen Nachteilen für den VW-Händler beim Verkauf von E-Autos zu tun. So hätten mehrere Händler der Umweltorganisation bestätigt, dass etwa die Provision für den VW ID.3 mit sechs Prozent kaum halb so hoch liege wie die 14 Prozent für einen Verbrenner.

Außerdem wirft Greenpeace VW vor, dass die Händler teils große Wissenslücken in Sachen Elektromobilität an den Tag gelegt hätten. Demnach habe nur die Hälfte der Befragten mit Sicherheit sagen können, ob man mit dem ID.3 nach zwölf Stunden Laden 100 Kilometer weit fahren könne. Und nur jeder zehnte Händler habe in etwa sagen können, wie viele öffentliche Ladesäulen es derzeit in Deutschland gebe.

Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Gehrs forderte deshalb VW-Chef Herbert Diess dazu auf, den Handel nicht länger für den Verkauf von E-Autos zu bestrafen: „Nur mit gleichen oder sogar besseren Vertriebsbedingungen für Elektromodelle kann VWs CO2-Fußabdruck schnell sinken.“

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