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ADAC prüft Sicherheit von Transportern – das Ergebnis erschüttert

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Von: Marcus Efler

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Der ADAC bewertete das Sicherheits-Level von 19 Transportern in der beliebten Basisausstattung: Das Ergebnis: Fast alle Modelle sind ein dramatisches Risiko auch für andere Verkehrsteilnehmer.

München – So mancher Autofahrer, der entspannt mit Richttempo 130 über die Autobahn gleitet, wundert sich immer mal wieder: Die Fahrzeuge, die ihn oft überholen, auch mal unter Einsatz der Lichthupe die linke Spur beanspruchen, sind weniger PS-starke Porsche- und BMW-Modelle, sondern ganz oft: Transporter. Lackiert in den Farben großer Kurierdienste, oder foliert mit Schriftzügen von Handwerksbetrieben, hetzen sie, den Motor ebenso am Anschlag seiner Leistungsfähigkeit wie möglicherweise auch Reifen und Bremsen, Tag und Nacht durch die Lande. Hoffentlich, denkt der genervte Pkw-Fahrer, sind die Dinger wenigstens sicher.

ADAC prüft Sicherheit von Transportern – das Ergebnis erschüttert

Sind sie nicht. So jedenfalls beurteilt der ADAC die Technik der Transporter mit bis zu 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. 19 Modelle begutachtete der Club nach ihrer Sicherheit, und sage und schreibe 18 Mal bewertete er es mit einem vernichtenden „Nicht empfehlenswert“. Nur der Vito von Mercedes-Benz erhielt eine gerade noch akzeptable Bronze-Wertung. „Erschreckend“, bilanziert der ADAC.

Wie kann das sein? Schließlich hatte fast alle Fahrzeuge einige Zeit vorher bei Crashtests nach der weithin akzeptierten Euro-NCAP-Norm ganz passabel abgeschnitten, der Fiat Ducato als Sieger sogar eine begehrte Platin-Wertung eingeheimst. Der wichtige Unterschied: Abweichend von Euro NCAP, wo die Kleinlaster mit Voll-Ausstattung antraten, bewertete Deutschlands größter Autoclub sie anhand ihrer kargen Serien-Ausstattung (die deutlich magerer ausfällt als bei leichteren Transportern wie etwa dem neuen VW ID. Buzz). Also genau so, wie die meisten Unternehmen ihre 3,5-Tonner nach Einschätzung des ADAC kaufen.

Euro-NCAP-Test mit Radfahrer
Risiko Transporter: Ohne Notbrems-Assistent kracht es öfter. (Bild vom Euro-NCAP-Test des ADAC) © Uwe Rattay/ADAC

ADAC prüft Sicherheit von Transportern – alle modernen Assistenzsysteme fehlen

Und denen fehlen wichtige Sicherheits- und Assistenzsysteme, die zwar angeboten werden – aber ausschließlich gegen Aufpreis, den sich fast alle Käufer sparen. Hierbei handelt es sich um:

Resigniertes Fazit des ADAC: „Bei einem Euro NCAP-Test mit der deutschen Serienausstattung hätte nur der Mercedes Vito knapp die Bronze-Wertung erreicht. Kein einziger Transporter hätte überhaupt ein Label bekommen“.

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ADAC prüft Sicherheit von Transportern – bei Unfällen sind sie meistens die Verursacher

Die dramatischen Folgen dieses Geizes von Herstellern und Käufer: Viele schwere Unfälle, die mit zeitgemäßer Sicherheits-Ausstattung möglicherweise verhindert worden oder glimpflicher abgelaufen wären. Laut Statistischem Bundesamt waren Kleintransporter 2019 in über 14.000 Unfälle mit Personenschaden verwickelt. In zwei Dritteln der Fälle, bei denen 126 Menschen starben, waren sie Hauptverursacher. „Besonders Auffahrunfälle oder Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern, wie sie im Stadtverkehr häufig vorkommen, könnten durch einen Notbremsassistenten verhindert oder zumindest abgemildert werden“, schätzt der ADAC (der auch gerade mit seiner Gratishilfe für Ukraine-Flüchtlinge von sich Reden macht).

Kleiner Lichtblick: Ab Juli 2022 sind für neu entwickelte Modelle EU-weit die meisten der Systeme Pflicht. Schon bestehende Baureihen müssen aber erst ab 2024 entsprechend aufgewertet werden. Die dringende Bitte des ADAC bis dahin an die Käufer: Zumindest ein Notbrems-Assistent sollte mit geordert werden.

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