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VW-Phaeton-Designer enthüllt: Diesen Rekord hält der Luxuslimousinen-Flop bis heute

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Von: Sebastian Oppenheimer

Die Luxuslimousine VW Phaeton blieb bis zu ihrem Produktionsende 2016 weit hinter den Erwartungen zurück. Nun hat Designer Klaus Zyciora ein weiteres spannendes Detail verraten.

Wolfsburg/Dresden – Wenn sich der inzwischen verstorbene VW-Patriarch Ferdinand Piëch (82, † 2019) etwas in den Kopf gesetzt hatte, akzeptierte er keine Kompromisse. Vor allem im Bezug auf die Qualität der Fahrzeuge, die unter seiner Führung entstanden. Weil er unter anderem besonders auf geringe Spaltmaße achtete, wurde er im Laufe der Jahre innerhalb der Belegschaft von Audi und VW mit dem Spitznamen „Fugen-Ferdl“ bedacht. Widerrede oder Kritik duldete der geniale Ingenieur – später unter den Mitarbeitern auch „der Alte“ genannt – allerdings kaum, weshalb im VW-Konzern manchmal Projekte entstanden, deren Erfolgschancen von Beginn an eher fragwürdig waren. So wie beispielsweise die gefloppte Luxuslimousine VW Phaeton.

VW-Phaeton-Designer verrät: Diesen Rekord hält der Luxuslimousinen-Flop bis heute

Die Verkaufszahlen für den VW Phaeton blieben von Anfang an weit hinter den Erwartungen zurück. Einer Hauptgründe dafür dürfte gewesen sein, dass die Marke Volkswagen (deren Name ja ein erschwingliches Auto „für das Volk“ suggeriert) nicht in Einklang mit einem teuren Fahrzeug des Oberklasse-Segments zu bringen war. Technisch dagegen wurde bei dem Fahrzeug extrem viel geboten – doch gegen die etablierten Modelle wie etwa den Audi A8, den BMW 7er oder die Mercedes-Benz S-Klasse war einfach kein Stich zu machen. Vor allem bei Audi war man vom Phaeton-Projekt wenig begeistert, machte man sich doch damit Konkurrenz im eigenen Haus. Einzig in China war der VW-Luxuslimousine zumindest ein Achtungserfolg beschieden. (Wie viel VW & Co. an einem Neuwagen verlieren – droht jetzt der große Stellenabbau?)

Ein schwarze VW Phaeton steht vor einem Schloss.

Der VW Phaeton gehörte zu den Prestige-Projekten von Ferdinand Piëch. © Volkswagen

Dabei war der VW Phaeton als Vorzeigeprojekt entwickelt worden: Mit der Gläsernen Manufaktur in Dresden wurde sogar extra eine besonders repräsentative Produktionsanlage erbaut. Am 11. Dezember 2001 gaben Ferdinand Piëch (damals Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG) und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, 76) das Startsignal für die Produktion. Bei den Motorisierungen für den VW Phaeton gab es im Laufe der Jahre eine breite Auswahl: Unter anderem waren 3,0-Liter-V6-Aggregate (Benziner und Diesel) im Angebot, ein V8-Benziner, ein Zehnzylinder-Diesel sowie ein W12-Ottomotor.

Fertigung eines VW Phaeton in der Glaesernen Manufaktur in Dresden

Gebaut wurde der VW Phaeton in der eigens dafür errichteten Gläsernen Manufaktur in Dresden. © Volkswagen

VW Phaeton: Angeblich machte der Autobauer knapp 30.000 Euro Verlust pro Fahrzeug

Im Jahr 2016 endete nach vier Facelifts die Fertigung des VW Phaeton ohne Nachfolger. Inzwischen wird im Dresdner Werk das Elektroauto VW ID.3 produziert. Geplant war eine Produktion von 20.000 Einheiten jährlich, nach 14 Jahren hätten also mindestens 280.000 Phaetons gebaut sein müssen – es wurden jedoch nur etwas mehr als 84.000 Exemplare. Angeblich machte der Autobauer mit jedem Fahrzeug knapp 30.000 Euro Verlust. (Ex-VW-Chef Winterkorn: „Da scheppert nix“ – das legendäre Video vom Messerundgang)

Für das Design des VW Phaeton war unter anderem Klaus Zyciora (59, zum damaligen Zeitpunkt hieß er noch Klaus Bischoff) verantwortlich. Nun hat der Designer in einem Interview mit „Top Gear“ verraten, dass bei der Entwicklung der Oberklasse-Limousine ein Rekord aufgestellt wurde, den bis heute kein Fahrzeug aus dem Konzern gebrochen hat. Als Ferdinand Piëch mit ihm die Entwürfe für den Innenraum durchgegangen sei, habe dieser zu ihm gesagt: „Das reicht nicht!“ (VW-Boss Herbert Diess ungewöhnlich selbstkritisch: „Da sind wir wirklich Anfänger“)

Blick in den Innenraum eines VW Phaeton

Im Innenraum des Phaeton setzte VW voll auf Luxus. © Volkswagen

VW Phaeton: Dieser Rekord wurde während seiner Entwicklung aufgestellt

Klaus Zyciora habe sich daraufhin gesagt: „Dir werd ich‘s zeigen!“ und das bis heute teuerste Interieur-Mock-up (eine Art Entwicklungs-Modell) in der Geschichte des Unternehmens gebaut. Eigentlich sei es ein funktionsfähiges Modell des gesamten Autos gewesen. Der damalige VW-Chef Ferdinand Piëch habe gesagt: „Ahhh, jetzt passt es.“ Klaus Zyciora ist immer noch stolz darauf: „Glauben Sie mir, das war das größte Kompliment, das Sie bekommen konnten.“

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