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Vergessene Automarken: Diese Namen kennen heute nicht mehr viele

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Einst gab es viel mehr Autohersteller als heute – doch viele Marken, die teils sogar recht begehrt waren, sind mittlerweile verschwunden. Eine kleine Zeitreise.

München – Es gibt Autos, die werden zu Filmstars. Ein Cadillac Coupe DeVille spielte eine unrühmliche Mörder-Rolle in John Carpenters Horror-Klassiker „Christine“, der gelbe Royce-Rolls Phantom II im gleichnamigen Film ist ein anderes Beispiel. Ein Highlight der 1980er Jahre war der DeLorean DMC 12, mit dem Michael J. Fox (60) zurück in die Zukunft reiste. Der Star der Film-Trilogie ist untrennbar mit seinem Schöpfer John Zachary DeLorean (80, † 2005) verbunden, einem Wunderkind der amerikanischen Automobilindustrie, der einen kometenhaften Aufstieg hinlegte und genauso spektakulär, ja filmreif abstürzte. John kletterte in Windeseile beim amerikanischen Riesen GM die Karriereleiter nach oben. Vom Chefingenieur bei Pontiac bis hin zum Vorstandsmitglied und Vizepräsidenten der gesamten GM Pkw- und Lkw-Produktion.

Vergessene Automarken: Diese Namen kennen heute nicht mehr viele

Doch DeLorean will mehr, viel mehr. Er will sein eigenes Auto kreieren und hebt den DMC (DeLorean Motor Company) 12 aus dem Taufbecken. Ein Flügeltür-Wagen, der Ende der 1970er-Jahre konzeptionell seiner Zeit weit voraus ist. Denn das Fahrzeug soll nachhaltig sein, nicht rosten und ein Höchstmaß an Sicherheit bieten. Also wurde der DMC 12 ein leichter Sportwagen mit einer nicht rostenden Edelstahlhaut. Das ansehnliche Design stammt von Giorgetto Giugiaros Firma Italdesign. Doch technische Probleme verzögerten die Entwicklung, John DeLorean ging langsam das Geld aus und so musste der legendäre Lotus-Chef Colin Chapman (54, † 1982) den Sportwagen in Rekordzeit auf die Räder stellen.

Ein DeLorean DMC 12 mit offenen Flügeltüren auf einer Parade
Damit der DeLorean DMC 12 vor Rost geschützt war, bekam er eine Haut aus Edelstahl. © Imagebroker/Imago

Vergessene Automarken: Die Pleite von DeLorean

Die Basis stellte der Lotus Esprit dar und als Motor diente ein Sechszylinder mit 97 kW/132 PS. Viel zu wenig, um gegen Porsche und Ferrari konkurrieren zu können. Viel zu wenig auch für die schnittige Karosserie. Dass der DMC 12 dennoch 200 km/h schnell war, lag an seinem Leergewicht von knapp 1,3 Tonnen. Da eine Produktion in den USA zu teuer war, lagerte DeLorean die Fertigung nach Nordirland aus. Allerdings war die Verarbeitungsqualität alles andere als gut und die anfangs rege Nachfrage nach dem DMC 12 ließ schnell nach. Um die drohende Pleite abzuwenden, wählte John DeLorean drastische Mittel, um Geld zu machen und stieg in einen Kokain-Deal ein, der aufflog. John DeLorean kämpfte erfolgreich um seine Freiheit, aber seine Firma ging 1982 Pleite. Immerhin konnte John DeLorean noch miterleben, wie sein Auto zum Kultobjekt mutierte. Er wurde freigesprochen und starb 2005 im Alter von 80 Jahren.

In Italien hat Autobauen Tradition, genauso wie das Radfahren. Die Firma Bianchi hatte ihre Wurzeln Ende des 19. Jahrhunderts, um genau zu sein 1885 als Hersteller von Fahrrädern und Präzisionsinstrumenten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts kamen auch Autos dazu, allerdings stand Bianchi lange im Schatten der Konkurrenzen Lancia und Alfa. Nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte auch die italienische Wirtschaft einige Zeit, um sich zu erholen. Also entschloss sich Giuseppe Bianchi, der Sohn des tödlich verunglückten Firmengründers, 1955 zusammen mit Fiat und Pirelli die Firma Autobianchi zu gründen. Grundsätzlich waren die drei Firmen gleichberechtigte Partner, doch letztendlich gab Fiat den Ton an. (US-Firma macht Oldtimer zu Elektroautos – mit einfachem Trick)  

Ein Autobianchi Giardineria
Der Autobianchi Giardineria entstand auf Basis des Fiat 500 und wurde von 1968 bis 1977 gebaut. © Manfred Segerer/Imago

Vergessene Automarken: Autobianchi verschwand 1996 von der Bildfläche

Dennoch konnten sich die Autobianchi-Ingenieure immer wieder Freiräume schaffen und hoben so sieben Modelle aus dem Taufbecken, die sich durch besondere Eigenschaften von der Massenware der Fiat-Mutter unterschieden. Die Älteren werden sich noch an die die kleinen italienischen Flitzer von Autobianchi erinnern. Der A112 hatte auch nördlich der Alpen eine eingeschworene Fangemeinde. Vor allem während der Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre traf der seit 1969 gebaute flotte und sparsame Kleinwagen genau den Nerv der Zeit. Für den italienischen Mini Cooper legten die Italiener auch eine Abarth-Version mit bis zu 86 PS auf Kiel, mit der man flott um die Ecken wieseln konnte. Der italienische Kleinflitzer erwies sich als echter Dauerbrenner und wurde bis 1986 gebaut. Der Nachfolger Y10 hatte ebenfalls eine lange Bauzeit, allerdings nicht als Autobianchi, sondern als Lancia. Nachdem der Mutterkonzern Fiat auch in Italien auf Lancia setzte, verschwand 1996 Autobianchi von der Bildfläche. (Ältestes Auto der Welt? Forscher wollen mit Ötzi-Methode Klarheit schaffen)

Vergessene Automarken: Die Brüder Düsenberg und ihre Fahrzeuge

Wer heute über Nobel-Oldtimer-Treffen wie den Pebble Beach Concours d‘Elegance schlendert, dem fallen immer wieder die formschönen Karossen mit der dynamischen Kühlerfigur auf. Kenner wissen sofort: Es handelt sich um einen Duesenberg, also ein Auto der US-Marke, die einem Rolls-Royce Konkurrenz machte. Duesenberg klingt deutsch, und das ist auch so. Die Schöpfer der Marke waren die Brüder Friedrich und August Düsenberg aus Matorf-Kirchheide (heute Ortsteil von Lemgo). Nachdem die Mutter 1881 in die USA ausgewandert war, passte die Familie ihren Namen den hiesigen Sprach- und Schreibgewohnheiten an. Aus Düsenberg wurde Duesenberg, aus Friedrich Fred und aus August Augie. Geblieben ist doch die deutsche Ingenieursgründlichkeit, mit der das Brüderpaar seine Fahrzeuge baute. Im Jahr 1913 gründete das Brüderpaar in St. Paul, Minnesota die Duesenberg Motor Company (DMC). Die Expertise der Duesenbergs waren leistungsstarke Motoren, die sie während des Ersten Weltkriegs für Boote und Flugzeuge bauten. Nach dem Krieg wandten sich beide wieder dem Autobau zu und pulverisierten mit ihren Fahrzeugen gleich Rekorde. Ein Duesenberg holte sich 1920 den Geschwindigkeitsweltrekord mit damals unfassbaren 251 km/h. Dazu kamen Siege in Indianapolis und Le Mans. Kein Wunder, dass das Duesenberg Model A mit einem 4,2-Liter-Achtzylindermotor, der ihm den Namen „Straight Eight“ verlieh, zum Erfolg wurde. (Endlich Oldtimer: Diese Modelle bekommen 2022 das H-Kennzeichen)

Ein Duesenberg SJ Special aus dem Jahr 1935.
Ein Duesenberg SJ Special aus dem Jahr 1935. © ZUMA Wire/Imago

Auch nachdem der Unternehmer Errett Lobban Cord 1926 das Unternehmen gekauft hatte, blieben die Brüder an Bord und krönten 1929 Ihr Schaffen mit dem Model J, dem vermutlich besten Auto seiner Zeit. Der Siebenliter-Achtzylinder leistete 269 PS, hatte Vierventiltechnik, zwei oben liegende Nockenwellen und später auch einen Kompressor. Berühmtheiten und Staatsmänner rissen sich um die aufwendig und mit Liebe zum Detail gebauten Karossen. Hollywoodstars wie Clark Gable, Gary Cooper und der exzentrische technikverliebte Milliardär Howard Hughes fuhren genauso einen Duesenberg, wie spanische König Alfonso XIII. und Prinz Nikolaus von Rumänien. Mit dem Unfalltod des genialen Konstrukteurs Fred Duesenberg 1932 und dem Aufkommen der modernen Produktion mit großen Presswerkzeugen begann der Niedergang des Luxus-Autobauers, dessen Existenz 1937 mit dem Bankrott der Cord Corporation endete. Heute sind die edlen Oldtimer Millionen wert. (101-Jähriger fuhr schon Ford Model T – und heute im elektrischen Mustang Mach-E)

Vergessene Automarken: Das erste Auto von Intermeccanica erschien 1963

Die Idee klingt verlockend und einfach zugleich. Man nehme bewährte robuste Technik samt strammen Triebwerk aus den USA und setze einen Hut mit italienischem Designflair darauf und fertig ist der Italo-US-Sportwagen. Die italienische Firma Intermeccanica des gebürtigen Ungarn Frank Reisner machte genau das. Im ersten Auto, dem Apollo GT, werkelte ab 1963 der 3,5 Liter-V8-Motor des Buick Skylark mit schwachbrüstigen 200 PS. Aber das Auto sah schnittig aus, wie eben ein italienischer Sportwagen auszusehen hat. In diesem Stil ging es weiter: Im Intermeccanica Italia kamen die acht Töpfe von Ford. Das schmucke Coupé/Cabrio verströmte mediterrane Eleganz und kostete deutlich weniger als ein Maserati oder Ferrari. Vor allem die Amerikaner begeisterten sich für die Italo-US-Melange und langten bei den Intermeccanicas kräftig hin. Eine Rarität ist der Intermeccanica Indra, der auf dem Opel Diplomat basierte und den Erfolg auf dem europäischen Markt tragen sollte. Allerdings begann Mitte der 1970er Jahre aufgrund der schlechten Verarbeitungsqualität und in Folge der Ölkrise, als großvolumige Motoren nicht mehr zeitgemäß erschienen, der Niedergang. Erich Bitter, der zuvor auf die Herstellung des Indra gedrängt hatte, beendete die Zusammenarbeit mit dem Autobauer und auch GM stellte die Lieferung von Teilen ein. Damit war die Idee und die Intermeccanica gestorben.

Ein Intermeccanica Italia Spyder, Baujahr 1972.
Ein Intermeccanica Italia Spyder, Baujahr 1972. © Sebastian Geisler/Imago

Vergessene Automarken: Die Morris Motor Company

Wenn man an die Morris Motor Company denkt, kommt einem sofort der Mini in den Sinn. Ein Fahrzeug, das heute zu den Ikonen des Automobilbaus zählt. Doch den britischen Autobauer nur auf dieses eine wenngleich wichtige Modell zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. Zumal die Geschichte 1912 von William Richard Morris als „William Morris‘s WRM Motors“ gegründeten Herstellers bunt und abwechslungsreich ist, aber auch die Krux der britischen Autoindustrie aufzeigt. Aus dem Schlaraffenland vieler kleiner Autobauer wurden immer weniger, weil die sich zusammenschließen mussten, um zu überleben. Heute ist nur noch eine gute Handvoll übrig. So war das auch bei der Morris Motor Company. Denn die begann 1919 mit der Übernahme von WRM. Zu Beginn lief alles mehr als glatt: Autos wie der Morris Oxford galten als zuverlässig und bezahlbar. Durch den Ankauf einiger Unternehmen stieg die Produktion 1924 auf 2.000 Einheiten pro Woche. Der Morris Minor trug ab dem Jahr 1928 zu dem finanziellen Erfolg bei. Die Morris Car Company wuchs durch Zukauf anderer Firmen, wie Wolseley Motors oder Riley stetig. Der Gründer William Richard Morris, mittlerweile als Baron Nuffield in den Adelsstand erhoben, hatte eine Nase für gute Geschäfte. Oft lief die Akquise folgendermaßen ab: Richard Morris kaufte eine Firma und veräußerte diese dann an die Morris Motor Company. Das Automobil-Imperium, zu dem auch der offene Sportwagen-Spezialist MG gehörte, wuchs stetig.

Ein Morris Minor, Baujahr 1951.
Ein Morris Minor, Baujahr 1951. © Imagebroker/Imago

Doch dann kam die Zäsur des Zweiten Weltkrieges und die MCM-Produktionsstätten wurden Teil der Kriegsanstrengungen Großbritanniens, aber auch Ziel der deutschen Luftangriffe. Nach dem Krieg nahm die MCM die Produktion wieder auf – zunächst mit Vorkriegsmodellen wie dem Morris Eight und Morris Ten, der 1948 durch den Morris Oxford MO ersetzt wurde. Witziges Detail: Der ab 1956 gebaute Morris Oxford III war die Basis für den indischen Hindustan Ambassador, der dort bis 2014 produziert wurde. Ebenfalls 1956 trat der Morris Minor, der aus der Feder des späteren Vaters des Mini Alec Issigonis stammte, die Nachfolge des Morris Eight an. Der Minor gilt heute als eines der erfolgreichsten Modelle der Morris Motor Company. Schon vier Jahre später zwang die wirtschaftliche Lage William Morris, mittlerweile Viscount Nuffield, zu einem Zusammenschluss seiner Multimarken-Firma mit dem Rivalen Austin, woraus die British Motor Corporation (BMC) entstand. Mit der Verschmelzung der beiden Big Player hielt auch das Badge-Engineering Einzug, bei dem die Autos zwar unterschiedliche Markenembleme trugen, aber die Technik zu einem großen Teil identisch war. So auch beim 1959 vorgestellten legendären Mini, den es als Austin Seven und als Morris Mini Minor gab. In den Folgejahren versuchte sich die BMC mit weiteren Zusammenschlüssen am Leben zu erhalten, wurde aber im Jahr 1975 als British Leyland Limited verstaatlicht. Sukzessive verschwand die Morris Motor Company von der Bildfläche. Die Fabriken wurden abgerissen oder verkauft. BMW nutzt den Standort des Stahlpresswerks in Oxford, um den modernen Mini herzustellen. Die Morris-Markenrechte gehören der chinesischen Nanjing Automobile (Group) Corporation.

Vergessene Automarken: NSU machte sich zunächst mit Motorrädern einen Namen

Wer NSU sagt, erwähnt im gleichen Atemzug Audi. Schließlich fusionieren beide Automobilbauer im Jahr 1969 zur Audi NSU Auto Union AG, aus der 16 Jahre später dann die Audi AG entsprang. Zunächst mal etwas Namenskunde: NSU nichts anderes als das Kürzel für die Stadt Neckarsulm, wo sich ab 1880 der Standort der von Christian Schmidt und Heinrich Stoll 1873 gegründeten „Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen“ befand. Der Weg des seit 1892 als NSU firmierenden Unternehmens zum Automobilhersteller ähnelt dem anderer Hersteller, die zu dieser Zeit in das Geschäft mit der Mobilität einstiegen. Los ging es mit branchenfremden Produkten, dann kamen Zweiräder und schließlich Autos. Ende des 19. Jahrhunderts machte sich NSU mit Fahrrädern im Kaiserreich einen Namen, aber Heinrich Stoll (Christian Schmidt war 1884 gestorben) erkannte das Potenzial der Motorisierung. Also baute NSU ab 1901 Motorräder und machte sich auch mit diesen Gefährten vor und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg einen Namen. Mit den Baumm-Vehikeln stellte die Schwaben in den 1950er-Jahren einige Verbrauchs- und Geschwindigkeitsrekorde auf, auch im Rennsport fuhren die Maschinen aus Neckarsulm um die Pokale mit.

Eine NSU OS 201
Vor dem Zweiten Weltkrieg machte sich NSU mit Motorrädern einen Namen – hier eine OS 201 von 1934 . © Scherf/Imago

Vergessene Automarken: „Fahre Prinz und du bist König“

Nicht ganz so stringent erfolgreich klappte es mit den vierrädrigen Fahrzeugen. Obwohl NSU zu den Unternehmen gehörte, die schon 1906 mit der Produktion von Automobilen begann. Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Nachfrage nach den Autos trotz der nicht einfachen Zeiten zunächst an, doch dann verhob sich NSU 1925 mit der Übernahme der Berliner Carosseriewerke Schebera AG und Fiat musste gemeinsam mit der Dresdner Bank einsteigen, um das in Schieflage geratene Unternehmen zu retten. Also produzierten die Neckarsulmer ab 1934 den NSU-Fiat 1000, weitere ähnliche Modelle folgten. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg, darunter der NSU-Fiat 500 C, der technisch fast baugleich zum Fiat 500 Topolino C war oder Ende der 1960er-Jahre der Fiat 124. Aber NSU wollte auf eigenen Beinen stehen und brachte 1957 den NSU Prinz heraus. Kleinwagen waren zu dieser Zeit groß in Mode und auch der NSU-Mini fand getreu dem Werbeslogan „Fahre Prinz und du bist König“ einige Fans. Genauso wie der größere Nachfolger Prinz 4, der ab 1961 bis 1973 mehr als 620.000 Mal vom Band lief. Mit dem NSU beziehungsweise Prinz 1000 stieg der Autobauer auch in den Rennsport ein. Einmal auf den dynamischen Geschmack gekommen, wollten die findigen Schwaben mit dem NSU Wankel Spider, dem ersten Serienfahrzeug mit Wankelmotor, die Automobilwelt im Sturm erobern. Mit knapp 2.400 Exemplaren war der Erfolg überschaubar. Doch NSU glaubte an den revolutionären Motor und verbaute diesen in den eleganten Ro 80. Doch der Antrieb war technisch zu anfällig und so stieg der VW-Konzern in Form von Audi bei dem angeschlagenen Autobauer ein. Die Ideen waren deswegen nicht weniger schlecht. Die von NSU entwickelte Frontmotor-Limousine K70 warb ab 1970 mit VW-Emblem um Kunden. Als 1977 der letzte Ro 80 vom Band lief, war auch die Zeit des ambitionierten Autobauers abgelaufen.

Ein NSU Prinz
„Fahre Prinz und du bist König“, lautete der Werbeslogan des NSU Prinz. © Ralph Peters/Imago

Vergessene Automarken: Bis 2004 produzierte Oldsmobile 35 Millionen Fahrzeuge

19 Jahre früher als NSU begann die von dem US-Amerikaner Ransom E. Olds gegründete Olds Motor Vehicle Company mit der Produktion von Automobilen, die zunächst dem Prinzip einer rollenden Dampfmaschine folgten. Rückschläge blieben nicht aus. Im Jahr 1893 sank das Schiff mit dem Olds Dampfmaschinenauto auf dem Weg nach Indien, wohin das erste im Ausland verkaufte US-Automobil transportiert werden sollte. Auch wenn Vehikel wie das Oldsmobile Model 6C „Curved-Dashboard“ 1904 eher einer motorisierten Kutsche mit Fahrradlenker glichen, war die Grundlage für eine erfolgreiche Ära gelegt. Bis zum Jahr 2004 produzierte Oldsmobile 35 Millionen Automobile. Die meisten unter der Ägide von GM in die Oldsmobile gemeinsam mit Buick 1908 als Gründungsmitglied einstieg. Der Oldsmobile Limited (1910) war schon deutlich mehr Automobil als Krad. So ging es auch in den 1920er- und 1930er-Jahren mit Wagen wie dem Cabrio Oldsmobile 8 (Model L-34) weiter. Oldsmobile verstand sich seit jeher als Hightech-Firma und stellte diese forsche Attitüde schon 1937 unter Beweis, indem der Autobauer eine halbautomatische Schaltung präsentierte, bei der Fahrer zwar eine Kupplung treten, aber nur noch zwischen „Low“ (Gänge 1 und 2) und „High“ (Gänge 3 und 4) wählen musste. Drei Jahre später folgte der nächste Meilenstein in Form einer Viergang-Automatik.

Ein Oldsmobile 88 aus dem Jahr 1954.
Ein Oldsmobile 88 aus dem Jahr 1954. © Tobias Veser/Imago

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Nach dem Krieg ging die Oldsmobile-Erfolgstory mit Autos wie dem Oldsmobile 98 Convertible weiter, aber dann musste der Autobauer für die Design-Sünden des GM-Konzerns büßen. Das führte sogar so weit, dass sich Designer anderer Marken über die Formgebung der Konkurrenzfahrzeuge lustig machten. Diese Schmach ließ Oldsmobile nicht auf sich sitzen lassen und im Jahr 1959 wurde das Design aller Fahrzeuge komplett erneuert. Das Ergebnis dieser Radikalkur waren Autos wie der Oldsmobile Cutlass der zum Bestseller der 1960er- und 1970er-Jahre avancierte und 1976 sogar der meistverkaufte Pkw Nordamerikas war. Der Erfolg der GM-Marke hielt bis in die 1980er-Jahre an. Im Jahr 1988 erinnerte Oldsmobile die Automobilwelt noch einmal daran, dass sie die Technik-Pioniere waren und verpassten dem Oldsmobile Cutlass Supreme als erstes Auto ein Head-up-Display. In den 1990ern verblasste der Oldsmobile-Stern langsam, da ausländische Marken begannen, den US-Boys die Pfründe auf deren Terrain streitig zu machen. 2004 lief der letzte Oldsmobile, ein Alero, in der Fabrik in Lansing Michigan vom Band. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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