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50 Jahre Mercedes SL R 107: Luxus-Roadster hatte ungewöhnliches Extra

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Für die meisten Klassikfans ist er der einzige wahre SL: Der Mercedes SL der Generation R 107 ist längst eine Legende – auch wegen seiner Erfolge im Rallyesport als SLC.

Stuttgart – Jennifer Hart liebte ihren gelben Mercedes SL 450 in der US-Fernsehserie „Hart to Hart“ („Hart aber herzlich“) ebenso sehr wie Patrick Duffy als Bobby Ewing in dem texanischen TV-Dauerläufer Dallas. Eine amerikanische Fernsehserie aus den 1970er oder 1980er-Jahren ohne einen Mercedes SL der Baureihe R 107 ist schwer zu entdecken, denn besonders in den USA war der Nachfolger der Pagode ein wahrer Bestseller. Während der Vorgänger durch sein Design eher die Damenwelt ansprach, wurde der R 107, der mit verlängertem Radstand auch als Luxuscoupé C 107 mit den sehenswerten Lamellenfenstern an der Flanke angeboten wurde, deutlich maskuliner und sportlicher ohne dabei seinen filigranen Charme zu verlieren. Einer der Gründe, weshalb er bis heute der Inbegriff eines Mercedes SL ist. Insgesamt wurden von dem offenen Schwaben mehr als 237.000 Fahrzeuge verkauft.

Ein Mercedes SL der Baureihe R 107
Lange Produktionszeit: Der Mercedes SL der Baureihe R 107 wurde von 1971 bis 1989 gebaut. © Mercedes-Benz

50 Jahre Mercedes SL R 107: Der Luxusroadster kam mit einem heute ungewöhnlichen Extra

Dabei wurde er für ein Automodell überdurchschnittlich lange produziert. Nach der Premiere im Frühjahr 1971 lief er nach einer späten Verlängerung letztlich erst im Sommer 1989 aus und wurde vom Hightech-Modell der Generation R 129 abgelöst. Der R 107 hatte nicht die Perfektion, nicht die Technik des Nachfolgers, definierte das Segment der Luxusroadster jedoch Anfang der 1970er Jahre völlig neu. Die Modellpflegen waren innen wie außen dabei überschaubarer denn je. Die Triebwerke wurden dabei jeweils an die aktuelle S-Klasse angepasst. Anfangs gab es zunächst den 147 kW (200 PS) starken 350 SL mit dem V8-Triebwerk aus W 108 / 109 / 111. Erst später kamen in zeitlicher Abstufung der 450 SL / SLC mit seinen 225 PS starken Achtzylinder sowie 1974 das Einstiegsmodell des soliden 280 SL mit seinem 185 PS starken Sechszylinder nach. (Neuer Mercedes SL: Wieder mit Stoffdach – doch der Basismotor wird ein ...)

Zur ersten größeren Modellpflege im Jahre 1980 löste der 218 PS starke 380 SL den 350er ab und der 500 SL mit seinen 177 kW (240 PS) wurde statt des 450 SL zum neuen Topmodell. Dazu kamen einige Innenraumdetails aus der noch jungen S-Klasse der Baureihe W 126 in den Roadster. Der neue 500 SL erhielt außerdem den Leichtmetall-Kofferraumdeckel mit polarisierendem schwarzen Kunststoff-Heckspoiler des SLC-Coupés mit Fünfliter-Motor. Mit der zweiten großen Modellpflege des Jahre 1985 gab 15-Zoll-Räder ab Werk und die neuen Triebwerke der Mercedes S-Klassen-Baureihe W 126. Basisversion war fortan der 180 / 188 PS starke 300 SL mit sechs Brennkammern und je nach Region die Versionen 420 SL, 500 SL und 560 SL. Die geschlossene Coupévariante des C 107 hatte Anfang der 1980er Jahre ausgedient und wurde vom C 126 und den Modelle 380 SEC, 500 SEC und später 420 SEC und 560 SEC (nur für USA, Japan, Australien) ersetzt – allesamt mit Dreiwegekat.

Blick in den Innenraum eines Mercedes SL der Baureihe R 107
Die meisten Mercedes SL der Baureihe R 107 waren – wie es sich für Luxusfahrzeuge gehört – mit einer Automatik ausgestattet. © Mercedes-Benz

50 Jahre Mercedes SL R 107: Zum Stoffdach-Cabrio wurde immer ein Hardtop mitgeliefert

Die meisten Modelle waren mit einem Automatikgetriebe ausgestattet und eine manuelle Handschaltung hat trotz unbestrittener dynamischer Qualitäten in einem Mercedes SL der Generation R 107 nichts zu suchen. Immer wieder werden jedoch noch heute seltene Modelle mit karger Ausstattung und somit bisweilen ohne elektrische Fensterheber, Getriebeautomatik, Ledersitze, Alufelgen oder Klimaanlage / -automatik angeboten und ein Buchhaltercharme versprochen, der in einem Luxusmodell wie dem SL jedoch fehl am Platze ist. Wer auf der Suche nach einem entsprechenden Modell sein sollte, kommt daher bei entsprechender Wertstabilität um eine V8-Motorisierung und eine möglichst komplette Ausstattung nicht umhin.

Aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich: Ebenso wie sein Vorgänger war der Mercedes SL Roadster ein Zwitter, denn neben dem Stoffdach, das sich mit überschaubarem Aufwand hinter der Fahrgastzelle in einem Kasten nahezu unsichtbar verstauen ließ, war jeder SL mit einem Hardtop ausgestattet, das ihn winterfest machte. Die dünne Stoffmütze mit der Kunststoffscheibe war in der kalten Jahreszeit nahezu unbrauchbar und viele Modelle wurden in warmen Regionen ohnehin niemals geschlossen gefahren. Für die Kunden in Europa, Japan und bisweilen auch in den USA war das Hardtop jedoch ein Segen, bot dieses nicht nur ein überaus strapazierfähiges, aber ungedämmtes Winterdach, das der SL-Silhouette ganz nebenbei einen völlig anderen Charme gab. Reine Geschmackssache bleiben bis heute Stoßfänger und Doppelscheinwerfer der US-Modelle – in Europa von Sternen-Puristen zumeist verpönt. (Mit Mercedes-Oldtimer: Familie überrascht Opa zum 80. Geburtstag – seine Reaktion ist unbezahlbar)

Ein Mercedes SL der Baureihe R 107 mit Hardtop
Der Mercedes SL der Baureihe R 107 war ein Stoffdach-Cabrio – doch ein passendes Hardtop wurde immer mitgeliefert. © Mercedes-Benz

50 Jahre Mercedes SL R 107: Im hohen Lebensalter ziemlich anfällig für Rost

Mit der Qualität der Mercedes SL-Baureihe war es trotz des unverwüstlichen Daimler-Anspruchs nicht immer zum Besten bestellt. Die Motoren nebst Getriebe und Fahrwerk gelten durchweg als solide und auch die Elektrik macht wenig Mucken. Anders sieht es mit der Rostvorsorge aus, denn sowohl R 107 als auch C 107 sind mit zunehmendem Lebensalter sehr rostanfällig. Das gilt nicht nur für die sichtbaren Karosseriekanten an Front, Heck und Flanke, sondern auch die Schweller und der Unterboden bereiten vielen Klassikfans Kopfzerbrechen. Die Ersatzteilversorgung ist gut, doch das ein oder andere Teil ist mittlerweile schwerer als erwartet zu bekommen und sehr teuer. Ändert nichts daran, dass der Mercedes SL der Serie R 107 ein sehr begehrter Klassiker ist. Gute Modelle mit kompletter Historie und einer Laufleistung von 100.000 bis 150.000 Kilometern kosten leicht mehr als 40.000 Euro – oder knacken locker die 50.000er-Marke.

Besonders beliebt sind dabei Modelle aus Südeuropa und hier speziell Südfrankreich, weil diese nahezu keinen Rost aufweisen. Im Vergleich zu so manchem anderen Klassiker gibt es jedoch vergleichsweise wenige Fahrzeuge aus Italien oder Spanien. Dafür sind seit einigen Jahren hochwertige Modelle aus Japan auf dem Markt, die optisch wie technisch deutlich besser als die nennenswert günstigeren 107er aus den USA sind, denen Sonne und eine schlechte Wartung je nach Bundesstaat zugesetzt haben.

50 Jahre Mercedes SL R 107: Als SLC auch bei Rallye-Einsätzen erfolgreich

Nicht alle wissen, dass der Mercedes SLC nicht nur ein schickes Coupé mit Platz für bis zu vier Personen, sondern auch ein erfolgreiches Rallyeauto war. Zunächst war man mit dem SLC mit langem Radstand unterwegs, um sich dann im Jahre 1980 für den wendigeren und agileren Mercedes 500 SL zu entscheiden. Dafür wurde das Hardtop fest mit der Karosserie verbunden. Darüber hinaus gab es eine spürbare Modifikation gab es für den fünf Liter großen V8-Einspitzer, der statt der üblichen 240 PS im Rallyetrimm 221 kW (300 PS) leistete. Der davor verwandte 450er SLC brachte es gar nur auf 227 trampelnde Pferde.

Ein Mercedes SLC im Rallye-Einsatz
Der Mercedes SLC der Baureihe C 107 wurde auch erfolgreich als Rallye-Auto eingesetzt. © Daimler

Zu den Erfolgen der SLC-Modelle zählen Siege bei der Rallye Afrika oder Südamerika in den Jahren 1978 bis 1980. So siegten die Stuttgarter bei der 29.000 Kilometer langen Südamerika-Rallye „Vuelta a la América del Sud“ oder bei der 11. Bandama Rallye durch Hannu Mikkola / Arne Hertz auf einem Mercedes 450 SLC 5.0. Für den Rallyeeinsatz war das Gewicht trotz Zusatzausstattung wie Scheinwerfer, Überrollkäfig und Renntank um 230 Kilogramm reduziert worden. Dafür war es mit der Höchstgeschwindigkeit nicht weit her. Je nach Übersetzung der Hinterachse, die auf die entsprechende Rallyestrecke abgestimmt war, reduzierte sich das normale Maximaltempo von gut 240 auf nur noch 180 km/h. Doch wer will mit einem R 107 schon rasen? (Stefan Grundhoff / press-inform)

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