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Endet die Ära der Lederbezüge im Auto? Diese Alternativen gibt es

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Die Nachhaltigkeit treibt die Automobilindustrie an neue Abgründe. Sind die Tage des edlen Leders im Auto möglicherweise gezählt?

München – Der Trend zu neuen ökologischen Innenraumstoffen bei Automobilen hält schon ein paar Jahren an. Selbst Luxusmarken wie Land Rover oder Bentley bieten mittlerweile künstlich hergestellte Sitzbezüge an, die zum Beispiel aus recycelten PET-Flaschen bestehen. Bei der Vorstellung des damals neuen Range Rover Velar verwies Chefdesigner Gerry McGovern auf den Öko-Bezug. Andere folgen diesem Beispiel. (IAA Mobility 2021: BMW i Vision Circular als perfekt recyceltes Öko-Mobil)

Endet die Ära der Lederbezüge im Auto? Diese Alternativen gibt es

Škoda bietet im Enyaq Bezüge, die zu 60 Prozent aus aufbereitetem Polyester und 40 Prozent Schurwolle bestehen, an. Mit Polyester verbinden viele ein schweißtreibendes Körpergefühl. Doch die Tschechen verweisen auf den kühlenden Effekt dieser Kombination, dass diese atmungsaktiv sei und zudem Schadstoffe und Gerüche aus der Umgebungsluft filtere. Einen ähnlichen Weg geht Volvo: Der schwedische Autobauer hat angekündigt, in Zukunft bei all seinen Elektroautos auf Leder zu verzichten. Bis 2025 sollen alle Materialien in neuen Volvos zu einem Viertel aus recycelten und biobasierten Materialien bestehen. (Škoda Karoq: Frischzellenkur für beliebtes SUV – es wird vegan)

Sitzbezüge in einem Range Rover
Auch im neuen Range Rover ist auf Wunsch ein spezielles Kunstleder erhältlich. © Land Rover

Aktuell überbieten sich die Autobauer geradezu mit nachhaltigen Materialien, die die Innenräume ihre Produkte ökologisch revolutionieren sollen. Überall wird getüftelt und entwickelt. Doch die Intention, nachhaltige Materialien zu erforschen, ist eine Sache, sie zur Serienreife zu bringen, eine andere. „Sobald technologische Fortschritte unserem Premiumanspruch entsprechen, werden wir vegane Alternativen anbieten“, lässt BMW verlauten.

Endet die Ära der Lederbezüge im Auto? Vorteile gerade bei älteren Autos

Eine bewährte Alternative ist Kunstleder. Bei manchen Modellen werden die Wangen und die Rückseiten der Vordersitze und die gesamte Rückbank mit Laborleder bezogen, lediglich die Sitzbahnen sind bisweilen noch auch echtem Leder. In den USA sind Kunstlederausstattungen unter dem Namen „Leatherette“ sehr beliebt, bieten aber nicht den Komfort eines echten Lederbezugs, da die Oberfläche aus Vinyl oder einem anderen Plastik besteht, das den organischen Tierhäuten nachempfunden ist, aber bei Weitem nicht den Komfort bietet. Groß sind die Vorteile der Ledersitze insbesondere bei zunehmendem Alter des Autos. Leder sieht auch bei Klassikern nach Jahren oder gar Jahrzehnten noch gut aus und lässt sich immer wieder auffrischen. Stoffsitzen sieht man ihr Alter schnell an.

Blick ins Cockpit eines Volvo C40 Recharge
Der schwedische Autobauer Volvo will Leder aus seinen Elektroautos komplett verbannen. © Volvo

Endet die Ära der Lederbezüge im Auto? Noch ist die Bestellquote hoch

Die Entwicklung schreitet aber auch bei diesem Lederersatz voran. „Wenn Sie es sich vorstellen können, können wir es umsetzen“, heißt es auf der Homepage des Herstellers Ultrafabrics, der sich auf die Herstellung von Polyurethan-Kunstleder spezialisiert hat. Auch die Sitze des neuen Range Rover werden auf Wunsch mit einem Ultrafabrics-Produkt bezogen. Wenn selbst die Luxusdampfer dem traditionellen Sitzbezug abschwören, könnte man meinen, dass die Tage des echten Leders im Auto bald gezählt sind. Die Wahrheit der Ausstattungsliste ist aktuell eine andere: Fast die Hälfte aller Volvos (46 Prozent) werden mit einer Lederausstattung geordert. Beim Škoda Enyaq sind es in Deutschland rund ein Drittel der Fahrzeuge. Bezüge aus Leder haben nach wie vor viele Vorteile: Leder wirkt hochwertig, ist leichter zu pflegen als Stoffbezüge (was gerade für Familien mit Kleinkindern ein wichtiger Punkt ist), riecht gut und wird erleichtert nach wie vor den Wiederverkauf des Autos. Natürlich bieten auch die Luxus-Autobauer nach wie vor Volllederausstattungen an. (Dieser neue Autoreifen braucht wenig Luft – und Sie haben nie wieder einen Platten)

Alternativen zum Leder: Alcantara wird mit der Zeit „speckig“

Welche Alternativen gibt es noch? Stoffe wie Alcantara sind nach wie vor beliebt, da sie Lenksportfeeling vermitteln. Zudem ist Alcantara leichter zu pflegen als Stoffbezüge. Allerdings wirken Lenkradkränze und Sitzbahnen, die damit bezogen sind, mit der Zeit „speckig“. Letztendlich ist aber auch dieser Bezug ein synthetisches Ultramikrofasergewebe, das aus Polyester und Polystyrol besteht.

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Das Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (FILK, Freiberg Institue gGmbH) hat Anfang 2021 in einer Studie vegane Lederalternativen wie Apfelleder, Ananasleder, Kaktusleder und Kunstleder untersucht und dabei wichtigen Eigenschaften von Leder, wie zum Beispiel Zug- und Reißfestigkeit, Wasserdampfaufnahme, Wasserdampfdurchlässigkeit, Flexibilität gegenübergestellt, die die Haltbarkeit des Materials definieren. Das Resultat zeigt, dass einzelne Materialien in dem ein oder anderem Kriterium ähnlich gut oder vielleicht sogar leicht besser als Leder sind, in der Gesamtheit nicht an die Performance von Leder heranreichen können. Aber auch hier geht die Entwicklung weiter. (Wolfgang Gomoll/press-inform)

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