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Rimac kauft Bugatti: Darum gibt es Superpower künftig nur noch elektrisch

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Von: Marcus Efler

PS-Giganten unter sich: Rimac, Bugatti und Porsche gründen ein Joint Venture für Hypercars. Für VW und seine bisherige Topmarke beginnen damit einschneidende Veränderungen.

Molsheim (Elsass) – VW und Bugatti, das war immer eine schräge Kombination. Ende des letzten Jahrtausends hatten die Wolfsburger die französische Edelmarke wiederbelebt und als Anbieter extrem starker, schneller und teurer Luxusprodukte positioniert: ein Bugatti als Yacht auf Rädern. Doch im großen Volkswagen-Reich blieb die historische Marke ein Fremdkörper, der nie so richtig durchstartete. Im vergangenen Jahr wurden nur 77 Fahrzeuge ausgeliefert, obwohl die Manufaktur im Elsass eigentlich für eine deutlich höhere Produktion ausgelegt ist. (Bugatti-Unikat La Voiture Noire: Wer holt sich teuersten Neuwagen der Welt?)

Rimac kauft Bugatti: Warum es Superpower künftig nur noch elektrisch gibt

Schon länger gilt es deshalb als offenes Geheimnis, dass Volkswagen-Boss Herbert Diess sich von der Hypercar-Marke trennen möchte. Der Konzern, so sein Plan, soll sich auf das Kerngeschäft mit (künftig nur noch akku-elektrischen) Großserienautos und Lkw konzentrieren, und sich so dauerhaft als Nummer eins auf der Welt etablieren. Auch die beiden rasanten italienischen Töchter, die extreme Sportwagenmarke Lamborghini und Motorradbauer Ducati stehen immer wieder zur Disposition – sogar für Rendite-Bringer Porsche ist ein Börsengang im Gespräch. Kurz gesagt: Herbert Diess wickelt das Riesenreich ab, das VW-Patriarch Ferdinand Piëch († 82) einst liebevoll aufgebaut hatte. (Fast 2.000 PS starker Rimac C_Two: Elektro-Hypersportwagen schafft irres Tempo)

Bugatti Chiron Pur Sport, fahrend
Bald unter kroatischer Regie: Der Bugatti Chiron Pur Sport © Drew Phillips/Bugatti

Rimac kauft Bugatti: Der Kroate hat künftig bei den Franzosen das Sagen

Nun schrumpft der Konzern schon mal von zwölf auf elf Marken, denn zumindest bei Bugatti hat Herbert Diess sein Ziel erreicht: Die Franzosen werden in ein Joint Venture ausgegliedert, an dem der kroatische Hypercar-Hersteller Rimac mit 55 Prozent die Mehrheit hält. Dessen Gründer Mate Rimac, der „europäische Elon Musk“, wird also der neue mächtige Mann bei Bugatti – auch wenn das operative Geschäft in Molsheim verbleiben soll. Volkswagen ist allerdings über zwei Kanäle an dem entstehenden PS-Giganten namens Bugatti-Rimac beteiligt: Konzerntochter Porsche hält dort die restlichen 45 Prozent, und außerdem 24 Prozent an Rimac selbst. Das macht, zumindest vorerst, durchaus Sinn: Schließlich ist die neue kroatisch-französische Firma nach wie vor auf viele technischen Komponenten aus dem Volkswagen-Regal angewiesen – und Volkswagen sichert sich so einen Abnehmer seiner Teile. (Toyota bringt 1.000-PS-Renner: So happig wird der Preis des Supersportlers)

Rimac kauft Bugatti: Der W16-Motor hat bald ausgedient

Doch Bugatti-Fans sollten sich schon mal darauf einstellen, dass künftige Molsheimer Modelle anders aussehen werden. Schließlich baut Rimac mit seinem 1.912 PS leistenden Nevera das derzeit stärkste Elektroauto der Welt. Auch das nächste Bugatti-Modelle wird also einen Elektromotor mit gut 2.000 PS tragen. Weiterhin auf den Verbrennungsmotor mit seinen 16 Zylindern zu setzen, ergäbe keinen Sinn: Im Chiron Super Sport ist das extrem aufwendige, thermisch diffizile Aggregat mit 1.600 PS ausgereizt. Elektromotoren hingegen können mit relativ überschaubarem Aufwand weitaus höhere Leistungen entwickeln. (Hongqi S9 Hybrid: Hypercar hat richtig Power – Design stammt von altem Bekannten)

Rimac kauft Bugatti: PS und Drehmoment sind nicht alles

Wie weit Bugatti-Rimac die Power-Schraube künftig noch anziehen kann, ist allerdings offen. Denn Ingenieurskunst bemisst sich bei den Elektro-Extremisten nicht mehr nach schierem Output von Leistung und Drehmoment, es treten andere Disziplinen in den Vordergrund: Das Kühl-Management für die Akkus. Eine Aerodynamik, die das Fahrzeug bei Tempo 400 und mehr auf der Straße hält. Reifen, die eine derartige Kraft auf den Asphalt übertragen, ein entsprechendes Fahrwerk und, am wichtigsten: richtig gute Bremsen. Damit die millionenteuren Modelle nicht gleich fatal im nächsten Straßengraben landen.

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