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Koenigsegg steigt aus: Jagd nach immer neuen Tempo-Rekorden vorbei?

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Von: Marcus Efler

Der schwedische Hypercar-Hersteller Koenigsegg legt künftig keinen Wert mehr darauf, immer schnellere Autos zu bauen. Das liegt wohl auch an der elektrifizierten Konkurrenz.

Ängelholm (Schweden) – Bugatti Chiron Super Sport, SSC Tuatara, Koenigsegg Jesko: Autonamen wie Donnerhall, deutlich über 400 Kilometer pro Stunde schnell – und natürlich Duellanten um den Titel des schnellsten Serienautos der Welt. Natürlich? Möglicherweise gehört es bald zu den Geschichten einer untergegangenen Auto-Epoche, dass die Boliden mit vierstelligen PS-Zahlen sich auf dem Papier oder abgesperrten Strecken darum stritten, wessen Modell das höchste Spitzentempo schaffte. (SSC Tuatara knackt endlich Tempo-Rekord für Serienfahrzeuge – ist aber langsamer als erhofft)

Koenigsegg steigt aus: Jagd nach neuen Tempo-Rekorden bald vorbei?

Denn mit Koenigsegg zieht jetzt einer der Hersteller der PS-Protze die Reißleine – und verkündete auf der Monterey Car Week das Ende der Rekordjagd. Demnach soll der Koenigsegg Jesko das letzte Modell der Schweden sein, bei dem es aufs Spitzentempo ankommt. Das Hypercar, das 500 km/h schaffen soll, ist und bleibt der schnellste Schwede. „Das Unternehmen wird sich niemals bemühen, ein schnelleres Serien-Straßenfahrzeug zu bauen“, ließ Christian von Koenigsegg, Gründer und Chef der gleichnamigen Marke verlauten: „Für immer.“ (2,4-Millionen-Euro-Bugatti verbremst sich bei Drag-Race – der Schaden ist ...)

Koenigsegg steigt aus: Tempo-Müdigkeit erfasst Hypercar-Branche

Bahn frei also für die Konkurrenz? Hersteller wie die amerikanische Sportwagenschmiede SSC oder die französische Marke Bugatti haben einen potenten Konkurrenten weniger – und dementsprechend hohe Chancen, sich ihrerseits den Titel zu sichern. Wenn sie denn wollten. Doch vieles spricht dafür, dass die nachlassende Lust normaler Automarken an hoher Geschwindigkeit und die deutsche Tempodiskussion nun auch die Hypercar-Szene erfasst haben.

Koenigsegg Jesko, stehend
Der Jesko bleibt für immer das schnellste Modell von Koenigsegg. © Koenigsegg

Schon allein die Tatsache, dass der Volkswagen-Konzern die Mega-Marke Bugatti abstößt, zeigt den Wandel der Prioritäten: Sogar für die deutsche Autoindustrie gelten nicht mehr maximale Fahrleistungen, sondern ökologisches Bewusstsein als wichtigster Imageträger. Dazu gesellt sich eine andere, tiefgreifende Entwicklung. Sie zeigt sich passenderweise in jenem Autobauer, der sich Bugatti nun einverleibt (zumindest zu 55 Prozent): der kroatische Elektro-Hypercar-Hersteller Rimac Automobili. Dessen 2000-PS-Renner Nevera (hier geht’s zum Fahrbericht) markierte kürzlich mal eben ziemlich locker den Weltrekord für Serienautos über eine Viertelmeile. Und bewies damit die Überlegenheit des Elektromotors gegenüber dem Verbrennungsmotor eben nicht nur unter ökologischen, sondern auch sportlichen Aspekten. (Bugatti Chiron Super Sport: So schnell ist das schnellste Auto der Welt)

Koenigsegg steigt aus: Keine Chance gegen junge Stromer

Für traditionelle Hypercar-Schmieden wie eben Koenigsegg muss es schockierend sein, dass eine junge Marke wie Rimac ihren Markenkern quasi aus dem Handgelenk bedroht und nun sogar eine Autolegende wie Bugatti auf Stromer dreht. Technisch ist das nachvollziehbar, da ein Elektromotor viel einfacher hohe Leistungen entwickeln kann – und all die langjährige Erfahrung in Materialkunde und Kühlung bei Hochleistungs-Verbrennungsmotoren wertlos macht. Denn dass der Rimac Nevera demnächst ebenso locker wie den Rekord auf der Viertelmeile auch jenen beim Spitzentempo knackt, ist sehr wahrscheinlich. Wenn Mate Rimac, der „kroatische Elon Musk“, darin überhaupt einen Sinn sieht.

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