Hypersportler auf Rekordjagd

Bugatti Bolide: Von null auf 300 km/h in Rekordzeit

Standaufnahme eines Bugatti Bolide von schräg vorn
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Beim Bugatti Bolide konnten sich die Entwickler so richtig austoben.
  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
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Als ob ein Veyron oder die scharfen Chiron-Versionen uns nicht schon den Atem rauben würden. Jetzt testet Bugatti einen Hypersportler mit 1.850 PS.

Molsheim (Frankreich) – Die Bugatti-Entwickler durften beim Einzelstück des 4,76 Meter langen Bolide-Hypersportlers („Bolide“ heißt Rennwagen auf französisch) einmal alles weglassen, was nicht unbedingt sein musste, und das Designteam rund um Achim Anscheidt den eigenen Wünschen freien Lauf lassen. Herausgekommen ist ein mehr als spektakulärer Hypersportler, dessen 1.850 PS bei weniger als 1,3 Tonnen ein Leistungsgewicht von 0,67 Kilogramm pro PS bedeuten. Die Höchstgeschwindigkeit dieser Kanone liegt bei über 500 km/h, während die 1.850 Nm maximales Drehmoment für gigantische Beschleunigungswerte sorgen. In nur 4,4 Sekunden erreicht der Bolide aus dem Stand die 200-km/h-Marke, drei Sekunden später liegen schon 300 km/h an. (Brabus Rocket 900 im Fahrbericht: Nicht nur der Preis ist rekordverdächtig)

Bugatti-Präsident Stephan Winkelmann: „Wir haben uns gefragt, wie wir den gewaltigen W16-Motor als technisches Sinnbild der Marke in seiner pursten Form darstellen können – nur mit vier Rädern, Motor, Getriebe, Lenkrad und als einzigen Luxus zwei Sitze. Wichtig bei den Überlegungen war, unseren ikonischen Antrieb ohne jegliche Limitierung auf Leistungsgewicht zu trimmen. Aus dieser Überlegung heraus entstand der Bugatti Bolide.“ (Mercedes-AMG GT Black Series: So viele Mehr-PS bringt das Werkstuning)

Der Bugatti Bolide hat bei einer Gesamtlänge von 4,76 Metern einen Radstand von 2,75 Metern.

Bugatti Bolide: Von null auf 300 km/h in dieser unfassbaren Zeit

Die Entwickler in Molsheim durften zudem noch etwas weiter und kreativer als sonst rechnen. Wie schnell würde der ungewöhnliche Bolide auf den bekanntesten Rennstrecken der Welt seine Kreise ziehen? Für eine Runde auf dem Sarthe-Kurs von Le Mans würde der Bugatti Bolide demnach 3:07,1 Minuten benötigen und die Nordschleife des Nürburgrings in 5:23,1 Minuten umrunden. „Der Bolide ist die ultimative Antwort auf die Frage, was wäre, wenn Bugatti einen rennstreckentauglichen Hypersportwagen, der die Sicherheitsanforderungen der FIA erfüllt, bauen könnte. Konzipiert um den W16-Antriebsstrang herum mit einem Mindestmaß an Karosserie und unglaublichen Leistungsdaten“, erläutert der technische Entwicklungsleiter Stefan Ellrott, „dazu dient er als innovativer Wissensträger für zukünftige Technologien.“ (McLaren 765LT: Der 765-PS-Bolide kann sogar Feuer spucken)

Das Cockpit des Bugatti Bolide ist auf das Nötigste reduziert.

Während es sich trotz der technischen Finessen um Gedankenspiele auf und abseits der Rennstrecke handelt, ist das Design des Doppelsitzers weitaus realer. Rund um das Antriebspaket aus Allrad, acht Liter großem W16-Turbotriebwerk nebst siebenstufiger Doppelkupplung und zwei Rennschalensitzen kreierte Bugatti ein sehenswertes Karbon-Monocoque mit höchster Steifigkeit. Die Festigkeit der verwendeten Fasern liegt bei 6.750 Newton pro Quadratmillimeter, die Einzelfasersteifigkeit bei 350.000 Newton pro Quadratmillimeter. Werte, die sonst eher in der Raumfahrt erreicht werden. (Bugatti Divo: Basiert zwar auf dem Chiron, ist aber weniger ...)

Bugatti Bolide: Ausgefeilte Aerodynamik für maximalen Abtrieb

Der Bugatti Bolide generiert an der Hinterachse einen Abtrieb von bis zu 1.800 Kilogramm.

Besonders spektakulär ist die sich verändernde Außenhaut der Ansaughutze auf dem Dach mit aktiver Strömungsoptimierung. Bei langsamer Fahrt bleibt die Oberfläche der Hutze glatt, bei schneller Fahrt wölbt sich ein Feld von Blasen. Dieses reduziert den Luftwiderstand der Hutze um zehn Prozent und sorgt für einen um 17 Prozent geringeren Auftrieb, zudem wird die Anströmung des hinteren Flügels optimiert. Bei 320 km/h liegt der Abtrieb am hinteren Flügel bei 1.800 Kilogramm und am vorderen bei 800 Kilogramm. Der Anteil der sichtbaren Karbonteile vergrößert sich im Vergleich zu anderen Modellen auf rund 60 Prozent. Nur rund 40 Prozent der Flächen sind lackiert – natürlich in French Racing Blue. (Fahrbericht McLaren 620R: Dieses Rennwagen-Extra macht noch mehr Lärm)

Bugatti Bolide (Studie) – Technische Daten
Länge/Breite/Höhe4,76/2,00/1,00 Meter
Hubraum7.993 ccm
Leistung1.361 kW/1.850 PS
Drehmoment1.850 Newtonmeter
Beschleunigung von 0 bis 100 km/h2,2 Sekunden
Beschleunigung von 0 bis 200 km/h4,4 Sekunden
Beschleunigung von 0 bis 300 km/h7,4 Sekunden
HöchstgeschwindigkeitMehr als 500 km/h

Der Bugatti Bolide ist gerade mal einen Meter hoch, hat also das gleiche Scheitelmaß wie der historische Bugatti Type 35 und liegt damit 30 Zentimeter flacher als der aktuelle Chiron. Ein- und Ausstieg geschehen wie bei einem LMP1-Rennwagen, indem man die Türen nach oben aufklappt und sich über den Schweller in den oder aus dem Schalensitz rutschen lässt. Zum Le-Mans-Reglement passen technische Details wie eine Feuerlöschanlage, Abschleppeinrichtung, Druckbetankung mit Kraftstoffblase, Räder mit Zentralverschluss sowie Scheiben aus Polycarbonat und eine Sechspunkt-Gurtanlage. Will Bugatti mit dem Bolide einen Ausblick auf einen möglichen Le-Mans-Einsatz geben? Wohl eher nicht, denn 2022 startet beim wichtigsten Langstreckenrennen der Welt die neue Klasse der Hypersportler mit hybriden Rennwagen – leider gibt es dort keinen Platz für einen Rennmotor mit gigantischen acht Litern Hubraum und 16 Zylindern. Aber zu träumen muss doch erlaubt sein. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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