Sanft und vibrationsarm

Der Boxermotor: 120 Jahre Geschichte – gegeneinander gut arbeiten

Abbildung eines Boxermotors
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Im Boxermotor liegen die Zylinder und stehen nicht aufrecht.
  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Seit 100 Jahren treiben Boxermotoren in der Großserie Fahrzeuge an. Das Prinzip bietet Vorteile, dennoch setzen heute nur ganz wenige Hersteller auf den Boxer. Warum nur?

  • Boxermotoren stehen für Drehfreudigkeit und einen geschmeidigen Lauf
  • Der japanische Hersteller Subaru ist der weltweit größte Prouduzent von Boxermotoren
  • Auch der deutsche Sportwagen-Hersteller Porsche setzt auf diese Antriebsart

München – sägender Sound bei völliger Laufruhe. Bei Verbrennungsmotoren schafft das nur der Boxermotor. Der wird in der Großserie nun 100 Jahre alt. Das Motorprinzip selbst ist noch älter: Carl Benz nannte es 1896 «Contra-Motor» und baute den Antrieb ein Jahr später im Modell „Dos à Dos“ ein. Richtig populär wurde der Boxer erst ein paar Jahre später mit BMW, aber auch mit dem VW Käfer oder der Ente von Citroën.

Boxermotor: Das Gegeneinander der Kolben bringt Laufruhe

Der Boxermotor bietet im Vergleich zu anderen Motorkonzepten mehrere Vorteile. Dazu gehören die flache Bauart, der niedrige Schwerpunkt und gut ausgeglichene Massenkräfte, erläutert Prof. Stefan Pischinger von der RWTH Aachen. Das Grundprinzip ist, dass sich zwei gegenüberliegende Kolben auf einer Linie mit der gleichen Geschwindigkeit bewegen. Dadurch läuft der Boxer sanft und vibrationsarm. Während ein Reihenmotor erst ab sechs Zylindern einen ruhigen und ausgeglichenen Motorlauf bietet, schafft das ein Boxermotor bereits ab vier Zylindern.

Einen Verbrauchs- oder Emissionsnachteil verursachen Boxermotoren konstruktionsbedingt nicht. Allerdings spiele das Konzept nur bei geraden Zylinderzahlen seine Vorteile aus. Ein derzeit beliebter Downsizing-Motor mit drei Zylindern lässt sich mit dem Boxerprinzip daher nicht realisieren.

Der Boxermotor
ErfinderCarl Benz
Hersteller im AutomobilbereichSubaru, Porsche
Vorteilevibrationsarm, drehfreudig, niedriger Schwerpunkt
NachteileKosten, Platzbedarf

Boxermotor: Nur wenige setzen heute auf das Prinzip

Im Wesentlichen wenden aktuell nur zwei Autohersteller dieses Prinzip an. «Durch die doppelte Anzahl von Nockenwellen oder Zylinderköpfen ist der Motor teurer. Außerdem muss das Fahrzeugkonzept eng auf den zwar flach, aber breit bauenden Motor zugeschnitten werden», erklärt Prof. Pischinger. Durch die Längslage kommt der Einsatz nur bei Allradfahrzeugen oder Autos mit Hinterradantrieb infrage - ideal für Sportwagen wie von Porsche oder SUV und Geländewagen wie von Subaru.

„Bei den beiden Herstellern gehört das Motorprinzip zur Tradition, sie pflegen damit ihr Markenimage“, sagt der Institutsleiter des Lehrstuhls für Verbrennungskraftmaschinen.

Subaru produziert seit 1966 Boxermotoren für Autos. Mit rund 1,2 Millionen verkauften Boxermotoren pro Jahr ist Subaru der größte Hersteller dieser Antriebsart. Durch die niedrige Bauhöhe erzielt Subaru einen tiefen Schwerpunkt, der bei einer weit hinter der Vorderachse liegenden Position für eine ausgewogene Gewichtsverteilung sorgt. „Vibrationen sind kaum wahrnehmbar und der niedrige Schwerpunkt bietet ein geringes Wankverhalten in Kurven und dadurch ein sehr agiles Handling“, sagt Jörg Kracke, Leiter Technik bei Subaru Deutschland. Dazu komme ein gutes Crashverhalten. Bei einem Aufprall schiebt sich der flache Boxermotor unter die Fahrgastzelle. Im Vergleich zu ähnlichen Fahrzeugen fahre er sich sportlicher und komfortabler.

Legendäre Porsche-Boxer

Porsche stellte bereits 1948 mit dem 356 einen Vierzylinder-Boxermotor vor. Der Boxermotor des Modells 901/911 schöpfte ab 1963 aus sechs Zylindern und 2,0 Litern Hubraum eine Leistung von 130 PS. Insgesamt liefen bisher mehr als 1,7 Millionen Boxer von den Bändern.

Thomas Wasserbäch entwickelt seit 1998 Motoren bei Porsche, seit 2003 Boxer. „Es ist dieses willige Drehvermögen und das direkte Ansprechverhalten bis in hohe Drehzahlen, die den Boxer ausmachen“, erklärt er. „Dazu kommt der unnachahmliche Klang.“ Er könne sich Porsche ohne Boxer nicht vorstellen. „Das ist der heilige Gral der Firma, den wir hüten und pflegen.“

Mit Material der dpa

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